1. Startseite
  2. Eintracht

Hinterbänkler Faride Alidou: Fesseln für den Freigeist

Erstellt:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Bisher nur als Joker im Einsatz: Faride Alidou. imago images
Bisher nur als Joker im Einsatz: Faride Alidou. imago images © Naoki Morita/Imago

Der junge Eintracht-Dribbler bringt Qualitäten mit, weiß diese aber noch nicht immer gewinnbringend einzusetzen.

Die Befürchtung des Fußballtrainers Oliver Glasner war dann doch eine überzogene, jene im Anschluss an die Frankfurter 2:3-Niederlage in Nordlondon, bei den Tottenham Hotspur: Zur viel kritisierten Winter-WM in der Wüste hat er es dann doch nicht mehr gepackt, der Eintracht-Profi Faride Alidou. Damals nämlich, Mitte Oktober, erzielte der 21-jährige Flügelmann kurz vor Ultimo einen Treffer, das späte Anschlusstor per Kopf, das dem Königsklassen-Knaller noch einmal unerwartet Spannung verlieh, der Eintracht letztlich aber doch keinen Punkt einbrachte.

Alidou aber hatte mächtig Betrieb im hochmodernen Fußballtempel der Spurs gemacht, bei seinem ersten Einsatz auf höchster europäischer Vereinsbühne überzeugte der Eingewechselte in den finalen 20 Minuten alle Beobachter:innen. Auch den eigenen Trainer: „Er hat das sicher gut gemacht“, lobte Glasner den „Gewinner des Spiels“, wie die FR über Alidou formulierte, der Coach schob hinterher: „Er sollte jetzt nicht zu schnell hochgeschrieben und gleich für die WM vorgeschlagen werden.“ Wollte niemand, machte niemand, was gewiss auch Glasner schon vorher wusste. Das Ansinnen des Fußballlehrers, keinen Hype entstehen zu lassen auf Grundlage eines gelungenen Kurzeinsatzes, war aber natürlich nachvollziehbar.

Denn wenngleich Faride Alidou über fußballerische Fähigkeiten verfügt, die ihn zweifelsohne zu einem manierlichen Bundesligaprofi werden lassen können, etwa Schnelligkeit, Dribbelstärke und eine erfrischende Prise Unberechenbarkeit, ist es bis dorthin für den jungen Mann aus Hamburg noch ein weiter Weg.

„Faride ist ein super Kerl“

Der Sommerneuzugang, der nach zehn Jahren beim HSV und einer für ihn persönlich sehr dürftigen Rückrunde beim Zweitligisten den Sprung zur Eintracht wagte, kam im bisherigen Rundenverlauf nicht über Kurzeinsätze hinaus. In der Liga spielte er achtmal, dazu dreimal in der Königsklasse, ergibt insgesamt 178 Einsatzminuten, ein Tor.

„Faride ist ein super Kerl, bringt tolle Physis, Tempo und Abschlussstärke mit“, ist sich Glasner der grundsätzlichen Qualität seines Schützlinges bewusst: „Er hat aber noch ein paar Themen abzuarbeiten, etwa in seine Aktionen mehr Struktur zu bringen, ohne dabei seine Freigeistmentalität zu verlieren.“ Manch taktische Fessel will bei Alidou noch fester gezurrt werden. Dieser Prozess benötige Zeit, so der Trainer, „aber ich bin überzeugt, dass wir das hinbekommen, denn er ist sehr lernwillig.“

In Hamburg wurde der deutsche U-21-Nationalspieler, der aufs jüngste Testspiel gegen Italien verzichtete und stattdessen mit der Eintracht nach Japan flog, meist als Linksaußen aufgeboten, stets im Rücken unterstützt von einem Außenverteidiger. In Frankfurt gibt es dieses Jobprofil nicht. Dort beackern die Profis die Flanken als Solisten, sie sollen für offensive Impulse sorgen und gleichzeitig die Seite dichtmachen. Für Alidou, der im defensiven Zweikampfverhalten sichtbar Nachholbedarf hat, keine leichte Aufgabe. Ansgar Knauff und Eric Dina Ebimbe, die zwar beide gar noch jünger sind als Alidou, sind in ihrer Entwicklung weiter, bekommen diesen Mix aus Abwehr und Angriff derzeit deutlich konstanter gewuppt. Heißt im Umkehrschluss für Faride Alidou mit Blick aufs zweite Halbjahr: konzentriert bleiben, Geduld bewahren, an den Schwächen arbeiten - die nächsten Chancen werden kommen. Sie wollen genutzt werden. Wie Mitte Oktober im Norden Londons.

Auch interessant

Kommentare