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Sorgenvolle Miene: Alex Meier musste im Testspiel gegen Servette Genf früh vom Platz.

Eintracht Frankfurt

Hinten weiterhin nicht dicht

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Selbst gegen den Schweizer Zweitligisten Servette Genf kassiert Eintracht Frankfurt viel zu viele Gegentore und verliert 3:4. Trainer Schaaf ist es nicht gelungen, der Mannschaft ein Defensivkonzept an die Hand zu geben. Zudem verletzte sich Torjäger Alexander Meier.

Wenn es stimmt, dass einer verpatzten Generalprobe eine rauschende Premiere folgt, dann kann sich der SC Freiburg am nächsten Samstag zum Rückrundenstart schon mal warm anziehen: Eintracht Frankfurt nämlich hat den letzten Test vor dem ersten Spiel der zweiten Halbserie im Schneetreiben gewaltig in den Sand gesetzt: Gegen den Zweitligisten der Schweizer Liga, Servette Genf, gab es am Samstag vor 1500 Zuschauern in der eigenen WM-Arena eine peinliche, ja blamable 3:4 (2:2)-Niederlage.

„Ich bin im höchsten Maße unzufrieden“, sagte Trainer Thomas Schaaf nach den 90 Minuten verärgert, in denen die Hessen mit der nominell stärksten Elf begannen. „Das war zu lethargisch. Wir waren viel zu oft aus dem Spiele raus, wir haben den Gegner nicht beschäftigt, wir haben nicht die Zweikämpfe gesucht.“ Die Frage muss erlaubt sein: Warum eigentlich nicht?

Meier zum Arzt

Dazu musste zu allem Überfluss Frankfurts bester Torschütze, Alexander Meier, verletzungshalber nach einer halben Stunde und ohne Gegnereinwirkung vom Platz.  Wie schwer die Verletzung ist, war am Abend noch nicht zu klären. „Es ist etwas am Oberschenkel oder an der Hüfte“, sagte Meier später selbst, eine genaue Diagnose sei erst möglich, wenn die ärztlichen Untersuchungen abgeschlossen seien.

Es wäre für Eintracht Frankfurt ein Tiefschlag zur absoluten Unzeit, wenn Meier, der nach der Hinrunde mit 13 Treffern die Torschützenliste der Liga anführt, am nächsten Samstag fehlen würde. Thomas Schaaf freilich verwirrte nach der Partie mit einer kritischen Aussage über den mittlerweile 32-Jährigen: „Es reicht nicht, mit halber Kraft vorne zu spielen.“

Will Schaaf womöglich gegen Freiburg auf Meier verzichten? Schon in der Hinrunde ließ er den Langen in den ersten Spielen nicht von Anfang an spielen, setzte ihn immer wieder auf die Ersatzbank. Für Meier kam am Samstag Vaclav Kadlec, der gleich ein mächtiges Feuerwerk abbrannte, viel unterwegs war, mit zunehmender Dauer aber immer hektischer wurde und merklich abbaute. Zudem blieb Torwart Kevin Trapp zur Pause in der Kabine, „erkältet“ sei er, ließ Schaaf wissen.

Immerhin spielte Rekonvaleszent Carlos Zambrano gleich von Anfang an, nach vier Tagen Training. „Es war schon überraschend, dass ich spiele“, sagte der Peruaner, der in den ersten 45 Minuten keinerlei Problem mit dem operierten Knie verspürt. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte der Stopper, zudem könnte er sich vorstellen, „schon 90 Minuten zu spielen.“ Sein Einsatz von Anfang an im Breisgau ist sicherlich nicht ausgeschlossen.

Mit einiger Sicherheit wird auch Makoto Hasebe im Schwarzwald zur ersten Elf gehören. Hasebe und Takashi Inui werden am Mittwoch erstmals wieder trainieren, Japan ist ja beim Asien Cup vorzeitig ausgeschieden. Selbst wenn Schaaf noch nicht absehen kann, „in welcher Verfassung die beiden“ aus Australien in Frankfurt ankommen, so führt an Hasebe im defensiven Mittelfeld kein Weg vorbei. Die große Baustelle der Eintracht – das Defensivverhalten – ist weiterhin noch offen, ja größer denn je. Selbst gegen einen braven, allerdings spielstarken  Zweitligisten aus der Schweiz war die Frankfurter Hintermannschaft offen, vier Tore kassierten die Hessen, die viel zu oft mit einem simplen Pass in die Tiefe auszuhebeln waren. Da war nichts mit mannschaftlicher Geschlossenheit oder Kompaktheit zu sehen.

Im defensiven Mittelfeld stimmt es nicht

„Es kamen immer wieder Torchancen für den Gegner zustande“, urteilte Vorstandschef Heribert Bruchhagen nach der ernüchternden Partie. Selbst als die Eintracht per Kraftakt durch Haris Seferovic (2) und Stefan Aigner aus einem 0:2 eine 3:2-Führung gemacht hatten, kam keine Ordnung ins Spiel. Prompt erzielten die Eidgenossen zwei weitere Treffer. Mit einer derartigen Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit in der Defensive wird es die Eintracht schwer haben, in Freiburg zu bestehen. Und nicht nur beim Tabellenletzten der Liga.

Trainer Schaaf ist es bisher nicht gelungen, die Eintracht dicht zu bekommen. Er hat der Mannschaft kein Konzept aufzeigen können, wie sie die Torflut – acht Gegentreffer in vier Testspielen gegen meist unterklassige Gegner, 34 in 17 Bundesligaspielen  – aufzuhalten habe. Ein, zwei Pässe reichen, um die Eintracht in größte Verlegenheit zu stürzen. Im defensiven Mittelfeld stimmt es einfach nicht. Und man tut Slobodan Medojevic wahrlich keine Gefallen, ihn immer aufzustellen. Auch am Samstag gegen Genf verschuldete er einen Gegentreffer, seine Pässe direkt in die Füße des Gegners sind kaum mehr zu zählen. Johannes Flum übrigens, ein Sechser, lief sich geschlagene 45 Minuten hintern eigenen Tor warm, ohne eingewechselt zu werden.

So lang die Eintracht ihre defensiven Defizite nicht in den Griff bekommt  - und nichts deutet darauf hin - , wird ihr nichts anders übrig bleiben, als vorne ein Tor mehr zu schießen als der Gegner. Das wird nicht immer klappen. Und wenn nicht, werden die Frankfurter  ein Problem bekommen.

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