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Immer auf Achse: Peter Fischer, seit fast 15 Jahren amtierender Präsident von Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt

High Noon am Riederwald

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    Ingo Durstewitz
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Die Wahl des Präsidenten von Eintracht Frankfurt hat auch weitreichende Auswirkungen auf die ausgegliederte Fußball-AG. Die Geldgeber machen ihr Engagement von Peter Fischer abhängig.

Der Machtkampf um das höchste Amt bei Eintracht Frankfurt ist auch ein logistisches Problem. Zu der mit großer Spannung erwarteten Mitgliederversammlung am morgigen Sonntag (12 Uhr) werden so viele Mitglieder wie noch bei keiner Versammlung erwartet, 1300 Personen fasst die Wolfgang-Steubing-Halle im Leistungszentrum am Riederwald.

Und wenn mehr kommen? „Wir haben entsprechende Vorkehrungen getroffen“, sagt Vereinssprecherin Nina Bickel. Es ist die aufregendste Sitzung der letzten 20, 25 Jahre, sicherlich auch die längste. Denn erstmals seit Jahrzehnten hat der amtierende Präsident Peter Fischer einem Gegenkandidaten, Reiner Schäfer, 70, Pensionär, in den 90er-Jahren einst Eintracht-Geschäftsführer.

Natürlich geht es in allererster Linie um Belange des Vereins, aber diese Präsidentenwahl hat auch große Auswirkungen auf die ausgegliederte Fußball-AG, die den Bundesligafußball verantwortet. Denn das Präsidium des eingetragenen Gesamtvereins, der Mehrheitsgesellschafter der AG, hat großen Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats, der den Vorstand überwacht und strategische Entscheidungen absegnen muss.

Das neunköpfige Kontrollgremium, und dieser Frage kommt in diesen Tagen besondere Bedeutung zu, befindet auch über den Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen. Dazu ist eigens ein sogenannter Nominierungsausschuss ins Leben gerufen worden, bestehend aus den vier Räten Wilhelm Bender, Peter Fischer, Philip Holzer und Dietmar Schmid. Er prüft Konzeptionen, erstellt Profile und wird eine Kandidatenliste aufstellen. Was aber passiert, sollte Peter Fischer am Sonntag die Macht verlieren?

Macht Bruchhagen weiter?

Dann würden die Karten neu gemischt. Der Aufsichtsrat würde sich anders zusammensetzen, die drei Vereinsvertreter würden auf jeden Fall ausgewechselt. Auch sonst sind Neubesetzungen in diesem Gremium zu erwarten. Sehr wahrscheinlich würde Wilhelm Bender im Sommer fünf weitere Jahre dem Aufsichtsrat vorstehen – in der jetzigen Konstellation und der derzeitigen Machtverhältnisse im Kontrollausschuss gilt eine Abwahl des 70 Jahre alten Ex-Fraport-Chefs als ziemlich sicher.

Sollte Bender aber den Kopf aus der Schlinge ziehen und Aufsichtsratsboss bleiben, so ist es auch nicht auszuschließen, dass Heribert Bruchhagens Vertrag als Vorstandschef, der eigentlich im Sommer 2016 endet, nochmals verlängert wird. Zumal die Mannschaft um Reiner Schäfer eher auf Bruchhagens Linie liegt, die Unterstützer Herbert Becker (Aufsichtsratsboss) und Thomas Pröckl (Finanzvorstand) hatten früher mal hochrangige Posten bei der Eintracht.

Sollte Peter Fischer seine Macht verlieren, würde auch die Kapitalaufnahme von außen, über die Einmütigkeit herrscht, auf den Prüfstand kommen. Denn Wolfgang Steubing, Börsen-Guru und Freund der Eintracht, macht sein finanzielles Engagement von einer weiteren Amtszeit Fischers abhängig. Ähnliches gilt auch für den Banker Philip Holzer.

Am Donnerstag, vier Tage nach dem Showdown im Riederwald, kommt der Aufsichtsrat zu seiner ersten Sitzung im Jahr 2015 zusammen. Es sollen weitreichende Beschlüsse gefasst werden – sollte sich an den bestehenden Machtverhältnissen nichts geändert haben. Andernfalls wird man sich erst mal neu sortieren müssen.

Fischer, der seine fünfte Amtszeit anstrebt, wird mit seinem alten Team, nämlich mit Thomas Förster (Finanzen), Dieter Burkert (Geschäftsführung) sowie Stefan Minden (juristische Angelegenheiten, Fan- und Förderabteilung) antreten. „Wir haben unendlich viel Lust und Leidenschaft, die Aufgaben zu bewältigen, die in den drei Jahren vor uns liegen“, sagte Peter Fischer.

Auf der Versammlung wird darüber hinaus die Frage nach der finanziellen Vergütung des Präsidenten diskutiert. Eintracht-Mitglied Sylvia Schenk will Informationen darüber neu in der Satzung verankert wissen. Darüber hinaus stellt das Präsidium den Antrag, das Fußball-Leistungszentrum aus dem Verein in eine eigene GmbH auszugliedern.

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