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Hertha-Trainer Sandro Schwarz: Der Fußball-Papa

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Von: Jan Christian Müller

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Markenzeichen: Sandro Schwarz trägt gern Käppi.
Markenzeichen: Sandro Schwarz trägt gern Käppi. © IMAGO/Matthias Koch

Für Trainer Sandro Schwarz geht es bei Hertha BSC schwierig los. Ein alter Bekannter aber soll im Mittelfeld für frische Ideen sorgen.

Sandro Schwarz hat seine Gewohnheiten beibehalten. Er trägt nach wie vor am liebsten Käppi auf dem Kopf. Nur steht jetzt „Berlin“ vorne drauf. Der Start bei Hertha BSC ist für den 43-Jährigen und seine noch ziemlich zusammengewürfelt daherkommende Truppe maximal unerquicklich verlaufen: Pokalaus im Elfmeterschießen beim Zweitligisten Braunschweig; 1:3-Niederlage im Derby bei Union Berlin, deren Ergebnis sich glimpflicher liest, als das Spiel sich zutrug. Es knirscht weit vernehmlich im Gebälk vor dem Spiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) vor erwarteten 45 000 gegen Eintracht Frankfurt. Der neue Hertha-Trainer ist mit seinen Vorgaben - Energie, Kompromisslosigkeit, Konsequenz, Wettkampfmentalität, maximale Bereitschaft - im Spielbetrieb noch nicht besonders weit vorgedrungen. Bei den Eisernen fehlte von allem viel zu viel. Immerhin hat er diese Tugenden in dieser Trainingswoche erkannt haben wollen.

Das Übungsprogramm für Donnerstag setzte Schwarz im weiten Oval des Olympiastadions an, das er am Samstagnachmittag erstmals als Hertha-Chefcoach im Spielbetrieb kennenlernen wird. Schwarz hat es in der Tat nicht so ganz einfach beim Hauptstadtklub: Nicht weniger als 29 Feldspieler im Training zu domestizieren, ist eine schiere Unmöglichkeit. Einer kam Anfang der Woche sogar noch hinzu, als ob der Kader nicht schon überfüllt genug wäre: Jean-Paul Boetius ist ein alter Bekannter. Der offensive Mittelfeldspieler spielte unter Schwarz bei Mainz 05 und bezeichnet den Trainer als „meinen Fußball-Papa“. Man mag sich gegenseitig.

Der Kontakt zwischen den beiden ist deshalb nie abgebrochen, Schwarz weiß, dass er einen stets gutgelaunten Menschen dazubekommen hat, der am Ball so ziemlich alles kann, aber mitunter zu einer gewissen Schlampigkeit neigt. Der 28 Jahre alte Niederländer hatte in Mainz zuletzt keinen Stammplatz mehr, er war ablösefrei, nach Ende seines Vertrags bei den Nullfünfern hatte er noch keinen Klub gefunden. Die Erwartungen sind offenbar dennoch groß: Boetius bekam die Nummer 10 zugeteilt. Man wird sehen, ob er dem gerecht werden kann. Führungsspieler Kevin-Prince Boateng hat schon mal sehr richtig festgestellt, dass es ich bei dem Neuen um einen „Lachemann“ handelt.

Der nicht minder sympathische Sandro Schwarz - der von Boateng himself dieser Tage ein ausdrückliches „Kompliment“ für seinen Umgang mit dem Team bekam - lacht gerade allerdings seltener. Obwohl sein Lachen ansteckend sein kann. Aber dafür müssten dann schon mal Erfolgserlebnisse her mit einer Mannschaft, die sich in der Vorsaison unter drei Trainern (Dardai, Korkut, Magath) ziemlich abgewirtschaftet hat und mit Ach und Krach die Relegation gegen den Hamburger SV überstand.

Schwarz selbst hat auch keine einfache Zeit hinter sich, wiewohl er als Trainer zuletzt voll überzeugte: Allerdings in Russland, wo er trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine bis Saisonende ausharrte und mit Dynamo Moskau eine wirklich gute Saison spielte.

Das Beste, was der neue Fußballlehrer bisher von der Hertha erlebt hat, sah er indes nicht auf dem Platz, sondern auf der Tribüne der Alten Försterei nach der Nicht-Leistung seiner Mannschaft bei Union. Da gab es nicht etwa Buhrufe, sondern aufmunternden Beifall von den Fans. Schwarz fand das „sensationell“ und „herausragend“ und „ganz großen Sport“. Auch nur annähernd vergleichbares Niveau indes fehlt auf dem Rasen noch. Boateng, der sich „zehnmal besser als letztes Jahr um die gleiche Zeit“ fühlt, gelobt Besserung und gibt sich optimistisch, denn: „Der Trainer hat vom ersten Tag an frischen Wind bei uns reingebracht.“

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