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Fredi Bobic
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Eintracht Frankfurt will Sportchef Fredi Bobic wohl nicht ohne eine Entschädigungssumme gehen lassen.

SGE

Eintracht Frankfurt: Wirbel um Sportchef Bobic – Wird eine Ablöse fällig?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der Sportvorstand bestätigt seinen Abschied im Sommer. Ohne eine Entschädigungssumme will Frankfurt ihn aber nicht ziehen lassen – alles sehr verworren.

  • Fredi Bobic wird Eintracht Frankfurt im Sommer verlassen.
  • Der Sportvorstand der SGE bestätigte seinen Abgang nach der Saison.
  • Eintracht Frankfurt will für Fredi Bobic eine Ablöse erzielen.

Der noch amtierende Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic hat einen dann doch etwas sonderbaren Weg gewählt, um das zu bestätigen, was nun alles, aber kein Geheimnis mehr ist: Dass er den aufstrebenden Bundesligisten vom Main im Sommer liebend gerne verlassen würde. Keine Presserunde also, kein Interview im sonst so beliebten vereinseigenen TV, keine gemeinsame Erklärung. Nein, der 49-Jährige beschritt den Sonderweg, was extern wie intern für Irritationen sorgte.

In der aufgezeichneten ARD-Sendung „Sportschau Thema“ verkündete Bobic: „Ich brauche gar nicht groß rumeiern. Ich habe vor einem Jahr bereits, also vor Corona, den Wunsch geäußert, den Verein im Sommer 2020 zu verlassen.“ Auf die Bitte hin, die aktuelle Saison in dieser schwierigen Lage doch durchzuziehen, habe er aus „moralischen Gründe“ weitergemacht. „Ich habe alles reingehauen und mein Versprechen gehalten“, so Bobic.

Eintracht Frankfurt: Bobic sieht keine Schuld bei sich

Dass es jetzt Turbulenzen gebe, sagte der Vorstand, „ist leider so, es ist aber nicht dem geschuldet, dass ich niemandem Bescheid gegeben hätte.“ Die Eintracht sei darauf vorbereitet gewesen, „dass ich den Verein im Sommer 2021 verlassen werde.“

Die Frankfurter hatten am Dienstag schon vor Bobics Alleingang auf die Berichterstattung am Montag reagiert und eine Pressemitteilung des Aufsichtsratsvorsitzenden Philip Holzer verfasst, die aber erst nach Bobics Vorstoß veröffentlicht wurde. Demnach habe es seit „geraumer Zeit“ Gespräche über die Zukunftspläne des einstigen Nationalspielers gegeben, aber zuletzt nahm das Thema deutlich Fahrt auf.

Eintracht Frankfurt: Stillschweigen vereinbart

Fredi Bobic, so Holzer, sei vor drei Wochen auf ihn zugekommen und habe ihn über seine Überlegungen informiert, seinen bis 2023 laufenden Vertrag nach dieser Saison aufzulösen. „Wir haben verabredet, entsprechende Gespräche über einen Verbleib oder einen vorzeitigen Wechsel zu führen und darüber im Sinne des sportlichen Erfolgs der Eintracht absolutes Stillschweigen zu wahren.“ Die Gespräche, so heißt es weiter, seien gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und würden erst nach der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte März fortgesetzt. Festzuhalten bleibt, dass sich die Unterredungen eher nicht um einen Verbleib drehen werden.

Eintracht Frankfurt: Drang nach Veränderung

Die Eintracht wurde von Bobics Plänen also nicht überrascht, wenngleich die genannten Zeitdimensionen etwas widersprüchlich sind. Seit Monaten schon registrieren die Eintracht-Verantwortlichen jedenfalls Absetzbewegungen, enge Mitarbeiter spüren bei Bobic den Drang nach einer Veränderung und eine gewisse Distanz. Die kommt auch jetzt klar zum Ausdruck.

Der frühere Nationalspieler wollte die Angelegenheit aussitzen und in die Länge ziehen, was zu einem völlig verunglückten TV-Interview („Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt“) und einem Eiertanz führte, der dem Ansehen des Schwaben schadete und seinem Image Kratzer zufügte. Er wäre gut beraten gewesen, das Versteckspiel auch öffentlich früher zu beenden, um Fakten zu schaffen und Klarheit herbeizuführen. Das wäre er sich, seinen Mitarbeitern und auch der Mannschaft nach fünf Jahren im Zeichen des Adlers schuldig. Selbst wenn er mit dem Kapitel Eintracht schon abgeschlossen haben sollte. Diesen Zeitpunkt hat er verpasst. Jetzt geht es nur noch um Schadensbegrenzung.

Eintracht Frankfurt: Indiskretion aus Berlin

Die Eintracht ihrerseits hielt den hüpfenden Deckel auf dem Topf, um den sportlichen Erfolg nicht durch aufkommende Unruhe zu gefährden. Das hat geklappt, bis Montagabend, als Bobics Ansinnen durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gelangte. In Frankfurt sind sie der festen Überzeugung, dass die Berliner die brisante Info auf den Markt brachten, um mit guten Nachrichten für Aufbruchstimmung zu sorgen und den Turnaround zu schaffen.

Denn zurzeit geht es für den Hauptstadtklub steil bergab, nicht mal ein Abstieg wäre beim aktuellen Verlauf eine große Überraschung. Eine Verpflichtung Bobics wäre auf jeden Fall ein Erfolg, er ist ein begehrter Manager. Ob es ihn nun tatsächlich zur Hertha zieht, wollte Bobic nicht bestätigen. „Auf das Thema will ich nicht eingehen. Es sind zu viele Indiskretionen nach außen getragen worden. Mein Ansprechpartner ist der Aufsichtsrat von Eintracht Frankfurt.“

Eintracht Frankfurt: Bobic und die Moral

Auffällig ist also, dass weder Hertha BSC noch Fredi Bobic offiziell erklären, dass sie zukünftig gemeinsame Sache machen wollen. Dahinter steckt Taktik und Kalkül. Denn offensichtlich ist, dass Bobic auch moralisch an die Eintracht-Verantwortlichen appelliert, ihm nach der erfolgreichen Zeit keine Steine in den Weg zu legen und den Vertrag einvernehmlich aufzulösen. Die Hertha hält die Füße still, um den umgarnten Manager ohne Ablösezahlung einsammeln zu können.

Doch schon jetzt ist klar, dass die Eintracht ihren Sportchef nicht en passant abgeben und zum Nulltarif gehen lassen wird. Eine Freigabe wird erst einmal nicht erteilt, der Vertrag nicht aufgelöst. Die Verantwortlichen sind fest entschlossen, sehr konsequent zu verhandeln, falls Hertha doch noch aktiv auf sie zukommen wird. Zumal Bobic, anders als Trainer Niko Kovac damals, keine Ausstiegsklausel in seinem Arbeitspapier verankert hat. Und: Ein kolportiertes Gentlemen’s Agreement, wonach der bestehende Vertrag auf Wunsch Bobics für nichtig erklärt werden kann, wird vonseiten der Eintracht ins Reich der Fabel verwiesen.

Eintracht Frankfurt: Es geht ums Geld

Wenn der Ex-Profi und sein Ex-Klub Hertha also geglaubt haben, er könne quasi durch die Hintertür verschwinden, weil er sich – unbestritten – um die Eintracht verdient gemacht hat, dann irren beide Parteien. Die Eintracht wird auf eine Entschädigungszahlung pochen. Die könnte gar bei rund fünf Millionen Euro liegen. Und die Verantwortlichen erhöhen den Druck auf Bobic, der sich in einer Aufsichtsratssitzung am 10. März vor dem gesamten Gremium erklären muss. Diese Zusammenkunft wird mit Spannung erwartet, von ihr wird auch das weitere Vorgehen des Klubs abhängen.

Nicht wahrscheinlich, aber auch nicht gänzlich auszuschließen, ist zudem, dass Bobic in der verworrenen Gemengelage und einer nicht erzielten Einigung zumindest noch ein weiteres Jahr in Frankfurt arbeiten wird. Oder aber er wirft den Bettel einfach hin, kündigt und macht erst einmal ein Jahr Pause. Zuzutrauen ist das dem eigenwilligen Ex-Stürmer. Eine weitere Option: Bobic wird nach der Aufsichtsratssitzung freigestellt oder er selbst lässt sein Amt ruhen. Alles möglich, zu groß ist die Verärgerung in beiden Lagern. Es droht ein unwürdiges Ende einer verheißungsvollen und lange Zeit harmonischen Liaison.

Eintracht: Spycher und Boldt Kandidaten

In jedem Fall sind die Verantwortlichen auf den Abgang ihres Fußballchefs vorbereitet. Das wiederum bedeutet nicht, dass die Nachfolgersuche auf Hochtouren läuft, auch wenn Namen natürlich schon diskutiert wurden. Christoph Spycher, Sportboss bei Young Boys Bern und Ex-Eintracht-Kapitän, ist ein heißer Kandidat, er wäre der logische Nachfolger, leistet exzellente Arbeit. Und zu den Aspiranten zählt auch Jonas Boldt vom HSV, gut bekannt mit Eintracht-Marketingvorstand Axel Hellmann.

Erst einmal aber muss Klarheit herrschen in der Causa Fredi Bobic. Das ist kompliziert genug.

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