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Volle Kurve, klasse Choreo - in Rom wird das anders sein.

Spiel in Rom

Hellmanns Warnung

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Eintracht Frankfurt hadert mit der Ticketverteilung in Rom. Für das Spiel gegen Lazio bekommen nur 5800 Fans aus Hessen ein Ticket, weil sich die italienischen Behörden querstellen.

Die erste große Völkerwanderung nach Marseille ist ausgefallen, das von der Uefa angesetzte Geisterspiel verhinderte eine Frankfurter Faninvasion nach Südfrankreich. Der Ausflug nach Zypern in neun Tagen ist wegen gewisser Anreiseschwierigkeiten nicht für alle Anhänger so wirklich attraktiv, aber zumindest beim Auswärtsspiel in der Ewigen Stadt wollten die reiselustigen Eintracht-Fans ein Ausrufezeichen setzen. Die Rede war davon, dass 15 000 Frankfurter nach Rom pilgern würden. Davon ist jetzt nicht mehr auszugehen, denn nur 5800 Eintracht-Anhänger werden die Chance haben, dem letzten Gruppenspiel bei Lazio am 13. Dezember im Olympiastadion beizuwohnen. Das sind zwar mehr Tickets als die 3600, die der Gastmannschaft eigentlich zustehen, aber doch weit weniger als die Eintracht gehofft hatte. „Viele werden das als Enttäuschung empfinden“, mutmaßt Vorstand Axel Hellmann. „Denn alles wird mit den 12 000 Menschen in Bordeaux verglichen.“

Dem Frankfurter Bundesligisten sind aber die Hände gebunden, dem Heimverein übrigens ganz genauso. In Italien befinden ausschließlich die zuständigen Sicherheitsbehörden über die Ticketvergabe, in der Regel Ordnungsamt und Polizeipräsidium. „Lazio wäre sicher willens gewesen, uns mehr Tickets zu geben“, sagt Eintracht-Justiziar Philipp Reschke. Zumal die Heimspiele nicht sonderlich gut besucht sind, ins 72 000 Besucher fassende Olympiastadion kommen meist nur rund 30 000 Zuschauer. Sicher auch, weil die Handhabe in Italien viele strenger ist. Wer etwa keinen personalisierten Fanpass hat, erhält keinen Zutritt ins Stadion.

Deshalb werden die Eintracht-Fans, die kein Ticket haben, in die Röhre schauen. „Für Normalsterbliche ist es nicht möglich, an Karten zu kommen“, bekräftigt Reschke. Die Eintracht rechnet dennoch damit, dass mehr als 10 000 Frankfurter nach Rom reisen werden, sehr viele haben schon verbindlich gebucht. Weshalb die Behörden dem Klub dennoch nur dieses Kontingent zur Verfügung stellen, erklärt Vorstand Hellmann auch mit den hässlichen Vorfällen in Frankfurt rund um die letzten Heimspiele gegen Rom und Limassol, als gewalttätige Eintracht-Anhänger Randale anzettelten oder sogar die Fans des Gastvereins überfielen.

Diese Attacken verurteilt Hellmann aufs Schärfste und stellt einen kausalen Zusammenhang her. „Einer kleinen Gruppe von Gewalttätern gelingt es, Tausenden Eintracht-Anhängern die Möglichkeit zu nehmen, so ein Spiel zu sehen.“ Hellmann weiter: „Ich kann nur denjenigen, die unsere Spiele für gewalttätige Auseinandersetzungen nutzen, zurufen: Ihr schadet der Eintracht und ihren Fans. Wir wollen nicht, dass unsere Fußball als Plattform dafür benutzt wird, über gegnerische Fans herzufallen.“

Hellmann glaubt, dass die Uefa, aber auch die Behörden im Hinblick auf mögliche K.o.-Spiele „sehr genau auf uns schauen und bewerten werden, inwiefern man Eintracht Frankfurt überhaupt Karten geben kann.“ Hellmanns Worte sind als Warnung zu verstehen. Denn er macht auch klar: „Wir geben ein wunderbares Bild ab, wir lassen den Wettbewerb, die Bundesliga und unseren Verein erstrahlen. Unsere europäische Feste sind etwas Besonderes, das wollen wir uns nicht nehmen lassen.“

Wer sich ohne Ticket in Rom aufhält, wird sich streng an die Spielregeln halten müssen. Denn die italienische Polizei gilt nicht als zimperlich, und viele Lazio-Fangruppierungen gelten mit einer eher rechten Grundhaltung als Gegenpol zu den Eintracht-Anhängern. „Das Lazio-Potenzial bei Heimspielen ist berüchtigt“, sagt Reschke und meint nicht die sportliche Leistungsfähigkeit.

Hellmann hält es für falsch, dass die Eintracht-Fans – auch aus Sicherheitsaspekten – nicht ins Stadion dürfen. „So verlagert man das Problem in den öffentlichen Raum. Das ist ein Fehler und nicht zu Ende gedacht.“ Ein Umdenken seitens der Römer wird es aber kaum geben, die Institutionen gelten als sehr geradlinig. Die Argumente der Eintracht-Delegation, berichtet Reschke achselzuckend, „haben sie zur Kenntnis genommen.“

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