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Erinnert sich jemand, im Heimspiel gegen Donezk gefroren zu haben?

Stillleben

Eintracht Frankfurt: Heiße Nacht im kalten Wald

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Viel heißer als früher. Da sind wir uns doch einig. Und dann sitzt du in deiner dicken Jacke im Waldstadion und fragst dich: Wann bin ich eigentlich zum letzten Mal im dünnen Hemdchen hier drin gewesen? Die Kolumne.

Fußballfieber in Frankfurt: Gestern kickte sogar eine Krähe an der Nidda mit einer Walnuss. Normalerweise lassen sie die Nüsse auf den Asphalt fallen und knacken sie. Diesmal nicht. Fußballfieber halt. Standard Lüttich kommt. Nehmt euch ein warmes Jäckchen mit, es wird bestimmt frisch. Nicht unbedingt wegen des Gegners. Aber die Abende kühlen doch merklich ab. Das Verrückte ist ja: Gefühlsmäßig, also vom Feeling her, hat man doch das Gefühl, die Sommer sind neuerdings sechs, sieben, acht Monate lang und durchgängig brüllend heiß. Gefühlt. Und staubtrocken. Die Bäume verdursten. Wiesen verbrennen. Fußballer brauchen Trinkpausen. Hatten wir übrigens nicht. Damals. Beim BSC 19, auf roter Asche. Und auch nicht später beim Postsportverein Blau-Gelb.

Heiß also. Viel heißer als früher. Da sind wir uns doch einig. Und dann sitzt du in deiner dicken Jacke im Waldstadion und fragst dich: Wann bin ich eigentlich zum letzten Mal im dünnen Hemdchen hier drin gewesen? Im Fjörtoft-Trikot von 1999? Wann saß ich hier womöglich in kurzen Hosen? Wann?

Gefühlt ist es immer kalt

Sicher, viele sind in diesem Sommer, eine Menge auch schon im Frühjahr, leicht bekleidet ins Stadion gegangen. Und ich meine jetzt nicht nur Mailand oder Lissabon. Nein, es kam durchaus vor, dass auch daheim im Wald schönes Trikotwetter mit nix drunter angesagt war. Aber wie oft denn, Jeschäftsfreunde, wie oft? Einmal? Zweimal?

Also: Es gibt Leute, die gehen zu jedem Heimspiel, 25 Begegnungen übern Daumen gepeilt, wenn’s für die Eintracht europäisch zugeht, und wie oft sitzen die herrlich sorgenfrei im kurzen Hemdchen da? Fast nie! Natürlich auch, weil unsere Spiele inzwischen überwiegend mitten in der Nacht angepfiffen werden.

Früher bist du mit dem Opa um halb vier im Stadion gewesen und um sechs wieder daheim in Bernem vorm Fernseher mit der Sportschau. Heute ist es immer dunkel, wenn die Partie beginnt. Donnerstags mitten in der Nacht um neun! Und sonntags geht die Nacht sowieso schon um sechs los. War schon immer so. Das wäre ja alles kein Problem, wenn es diese blöde Sommerpause nicht gäbe. Pfeift doch bitte den ganzen Sommer durch die Spiele abends um acht an, alle sitzen und stehen entspannt im Hinti- oder Kostic- oder Gonco-Jersey da, optimal. Nein, stattdessen musst du dich im Februar anziehen wie ein Eisbär mit Schüttelfrost, um nicht am Stuhl festzufrieren, die Lippen so blau wie die Sitzschale.

Das einzig Positive an der ganzen Sache ist, dass die Eintracht so lieb zu ihren Fans ist und in der kalten Jahreszeit ein heißes Spiel nach dem anderen abliefert. Erinnert sich jemand, im Heimspiel gegen Donezk gefroren zu haben? Das war im Februar. Nix, rote Bäckchen hatten wir alle vom Jubeln. Da sieht man’s mal wieder.

Es gibt kein schlechtes Wetter, es kommt nur drauf an, wie die Eintracht spielt.

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