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Makoto Hasebe, Chef der Frankfurter Abwehr.

Makoto Hasebe

Hase für immer

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Eintracht Frankfurt wird seinen verdienten Spieler Makoto Hasebe wohl über die kommende Saison beschäftigen.

Als das Gespräch dann tatsächlich auf seine Lieblingsposition zusteuert, muss Makoto Hasebe unweigerlich schmunzeln. „Wie oft habt Ihr mir diese Frage schon gestellt?“, bedeutet er und schießt gleich mal ins Blaue: „1000-mal vielleicht?“ Pflichtbewusst und höflich wie der Japaner an sich und Hasebe im besonderen ist, antwortet der Routinier der Frankfurter Eintracht aber umgehend: „Am liebsten spiele ich auf der Sechs“, sagt er und meint damit die Position im defensiven Mittelfeld. „Aber als Libero habe ich auch ein gutes Gefühl. Es ist egal.“ Einer wirft kurz entschlossen ein, dass er als freier Mann der Dreierkette zurzeit besser spiele als auf seiner erklärten Lieblingsposition. Hasebe lächelt: „Kann sein“, antwortet er nur. 

Der Mann aus Nippon, stolze 34 Jahre alt und seinen zweiten oder dritten Frühling in vollen Zügen genießend, präsentiert sich in diesen Tagen als ausgesprochen formstark, am Samstag beim mühevollen 1:0-Erfolg gegen Hannover 96 war er der beste Mann auf dem Platz. Er ist einer der Eckpfeiler, die das ganze schöne Gebilde tragen.

In diesem Jahr hat Hase, wie er gerufen wird, kein einziges der neun Pflichtspiele verpasst, mehr noch: Er stand in jeder Partie von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Feld. Das war in der Hinrunde noch anders, da schwächelte der Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, er pendelte zwischen der Bank und dem Feld, unumstrittener Stammspieler war er nicht mehr. Das hing kausal mit einer schweren Knieverletzung zusammen, die er sich vor gut einem Jahr beim Auswärtsspiel in München zugezogen hatte. Der Knorpel wurde zwar operativ geglättet, doch die Beschwerden blieben. 

Königsklassen-Traum

Sie haben den Musterprofi zurückgeworfen, seinen Rhythmus hat er nie finden können. „Ich hatte kein gutes Gefühl auf dem Platz“, sagt er in der Rückschau. „Ich konnte vielleicht 80, 90 Prozent geben.“ Doch wenn auf diesem Niveau ein bisschen was fehlt, dann macht sich das bemerkbar, dann kann ein Mann mit seiner Klasse noch mithalten, aber ein Spiel nicht mehr bestimmen oder dominieren. 

Seit dem Jahreswechsel hat sich das geändert. „Ich habe keine Schmerzen mehr“, befindet Hasebe und scherzt: „Es ist, als hätte ich ein neues Knie.“ Eine plausible Erklärung dafür hat er nicht. Okay, rund um Weihnachten hielt er mal die Füße still und klar, die Physiotherapeuten des Vereins hätten jeden Tag alles gegeben und ihn aufgepäppelt. Aber weshalb die Beschwerden auf einmal verschwanden, „weiß ich nicht“. Es ist ihm auch nicht so wichtig, Hauptsache, er kann wieder so, wie er will. Der Defensivstratege hat sich binnen kürzester Zeit wieder unverzichtbar gemacht. Die Verantwortlichen haben dem verdienten Spieler stets Wertschätzung entgegengebracht, aber klar war auch, dass sie dem tadellosen Sportsmann keinen Vertrag aus Verbundenheit oder Respekt vor seinen Leistungen anbieten würden. 

Im Trainingslager in Spanien zu Beginn dieses Jahres äußerte sich Fredi Bobic noch zurückhaltend. Man werde die Entwicklung in Ruhe beobachten und dann eine Entscheidungen treffen. Zwei Monate später haben sich die Parteien schon deutlich angenähert. In der vergangenen Wochen gab es ein erstes Gespräch zwischen Hasebe und „Herrn Fredi und Herrn Bruno“, wie der Musterprofi den Sportvorstand Bobic und den Manager Hübner ganz putzig nennt. Und auch wenn der Spieler sich ein wenig ziert und nicht zu viel verraten will, so ist die Tendenz auch ohne eine große Interpretationsgabe leicht abzuleiten: Hasebe wird wohl auch in der neuen Saison für die Eintracht auflaufen. „Es war positiv“, sagt der Mann aus Nippon. „Beide Seiten haben ein gutes Gefühl.“ 

 

Sorgen um Mascarell

Hasebe weiß selbst, dass er die besten Argumente auf dem Rasen geliefert hat. „Die Situation ist jetzt eine andere als im Trainingslager. Ich habe auf dem Platz alles gezeigt.“ Auch über eine Tätigkeit nach der Karriere als Fußballer ist bereits gesprochen worden, wenn auch vage: „Ich kann noch nicht genau sagen, was wir machen.“ Aber klar ist, dass er selbst gerne weiter für den Klub arbeiten würde. Denn Frankfurt ist für ihn zur zweiten Heimat geworden, eine „geile Stadt“ sowieso, und in der Eintracht schlummere viel Potenzial. „Wir können ein großer Verein werden.“ Zu gerne würde er, der mit den Hessen heute (15 Uhr) am Riederwald ein Testspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen den russischen Drittligisten FC Kazanka Moskau bestreiten wird, mit der Eintracht international auftreten, „die Champions League ist ein großer Traum“. 

Um sich weit oben zu behaupten, wäre es  nicht schlecht, wenn Omar Mascarell mal wieder mittun könnte, doch seine schwere Fußprellung will einfach nicht abklingen. Eine erneute Kontrolluntersuchung ergab keine neuen Erkenntnisse. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass der Spanier auch in den kommenden beiden Partien gegen Dortmund und Mainz fehlen und nach der Länderspielpause einen neuen Anlauf nehmen wird. Bis dahin muss Makoto Hasebe noch ein bisschen mehr Verantwortung übernehmen.

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