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Hat momentan einen Lauf: Ex-Eintrachtler Haris Seferovic.

Europa League

Haris Seferovic hat sein Glück am Tejo gefunden

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    Ingo Durstewitz
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Für den Ex-Eintrachtler Haris Seferovic läuft es bei Benfica Lissabon wie am Schnürchen.

David Abraham, der sehr empathische Kapitän von Eintracht Frankfurt, hat es sich angewöhnt, seinem früheren Mitspieler Haris Seferovic bei jedem Tor eine SMS zu schicken. So ganz wollte der Frankfurter Stopper den Kontakt zum 59-maligen Schweizer Nationalspieler nicht abreißen lassen, der vor knapp zwei Jahren dem hessischen Bundesligisten den Rücken gekehrt hat und zu Benfica Lissabon gewechselt ist. „Wir kennen uns gut“, sagt Abraham, man sei befreundet und da will man wissen, wie es dem anderen in der Fremde ergeht.

Seit einiger Zeit kommt David Abraham mit dem SMS-Tippen kaum nach. Freund Haris trifft fast ununterbrochen in der ersten portugiesischen Liga NOS, in diesem Jahr bereits 14-mal, dazu hat er fünf Vorlagen gegeben. Mehr noch: In jedem seiner letzten elf Meisterschaftsspiele seit Anfang Januar war der 27-jährige Linksfuß an mindestens einem Tor direkt beteiligt. Insgesamt hat der Schweizer mit bosnischen Wurzeln für Benfica in dieser Saison in 23 Meisterschaftspartien 18 Tore geschossen; nicht schlecht für einen, der in seinem letzten Jahr bei Eintracht Frankfurt ganze dreimal getroffen hatte. Zuletzt hat er am Sonntag im Auswärtsspiel beim Tabellenletzten CD Feirense (4:1) einen Doppelpack geschnürt, darunter einen sehenswerten Lupfer aus 25 Metern zum vorentscheidenden 3:1. Regelmäßig triff der Angreifer in der nicht erstklassigen portugiesischen Liga, in der Champions League und der Europa League waren ihm in neun Spiele lediglich zwei Treffer vergönnt - in den beiden Spielen in der Königsklasse gegen Bayern München (0:2 und 1:5) blieb er weitgehend unsichtbar.

Eintracht Frankfurt und Haris Seferovic: „Es ging bergauf und bergab“

„Der Haris“, lobt Abraham, „hat gerade einen Lauf. Ich hoffe, er erwischt gegen uns keinen Sahnetag.“ Am Donnerstag im Estadio da Luz im Europapokal-Viertelfinale sehen sich die beiden wieder, wahrscheinlich spielen sie gar gegeneinander, Abraham ist Rechtsverteidiger, Seferovic kommt häufig über den linken Flügel. „Er ist ein sehr unangenehmer Spieler“, sagt Abraham, „gegen ihn ist es sehr schwer zu spielen“.

Man kann nicht sagen, dass es Seferovic in Lissabon beim Tabellenführer schlecht getroffen hätte. Sportlich läuft es für den stämmigen Stürmer bestens, privat hat er dieser Tage seine Freundin Amina geheiratet, stilsicher am Strand. Beide haben sich übrigens in Frankfurt kennengelernt. Und dieses Mal ist es Seferovic am Tejo auch gelungen, seine Leistung zu stabilisieren. Das war in Frankfurt keinesfalls der Fall: Dort erzielte er in seiner ersten Saison in 32 Spielen 14 Tore, legte acht weitere auf, in den nächsten beiden Runden kam er jeweils nur auf drei Treffer, er galt zeitweise als Chancentod, und als er einmal im Spiel gegen Werder Bremen ein halbes Dutzend bester Gelegenheiten versemmelt hatte, liefen ihm vor Enttäuschung die Träne herunter. Er selbst ging in den sozialen Medien seinerzeit hart mit sich selbst ins Gericht („...weil ich so blind bin“). „Es ging bergauf und bergab“, sagte er mal über seine Frankfurter Zeit. Im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund traf er, typisch, beim Stand von 1:1 den Innenpfosten. Am Ende ging er ablösefrei.

Eintracht-Rettung durch Seferovic-Treffer

Andererseits war es der Wandervogel, der vor seiner Frankfurter Zeit bei Real Sociedad gespielt hat und AC Florenz, bei US Lecce und Novara Calcio, bei Xamax Neuchatel und Grasshoppers Zürich, der die Eintracht im entscheidenden zweiten Relegationsspiel in Nürnberg zum 1:0-Sieg schoss.

Seferovic ist ein unkonventioneller Profi, unberechenbar, bisweilen bockig, „ein ausdrucksstarker Spieler mit großer Persönlichkeit“, wie Abraham sagt. Er ist einer, der viel für die Mannschaft arbeitet, der auf die Flügel ausweicht und sich für die Schmutzarbeit nicht zu schade ist. Bei der Eintracht bildete er in der ersten Saison ein kongeniales Duo mit Alexander Meier. „Ich und der Alex – wir sind ein gutes Team“, lautete sein Wahlspruch. Es war kein Zufall, dass Meier just in 2014/15 Torschützenkönig wurde - und von der Vorarbeit des Haris Seferovic profitierte. Diese erste Saison unter Trainer Thomas Schaaf war bis dato die beste in seiner Karriere - bislang nur getoppt von der aktuellen in Lissabon.

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