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Lebt und leidet mit: Eintracht-Verteidiger David Abraham
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Lebt und leidet mit: Eintracht-Verteidiger David Abraham

Eintracht Frankfurt besiegt Augsburg

Happyend im Stadtwald

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Mit einer enormen Energieleistung hat Eintracht Frankfurt in den letzten zwölf Minuten eine Blamage verhindert und aus einem 0:1-Rückstand noch einen 3:1-Sieg gegen den FC Augsburg gemacht. Der Klassenerhalt ist somit geschafft.

Als Ante Rebic dann in der letzten Minute einer sehr merkwürdigen Partie den Ball nur noch ins leere Augsburger Tor zum 3:1 zu schieben brauchte, kannte die Glückseligkeit im Frankfurter Stadtwald kaum noch Grenzen.

Alle Spieler rannten auf den Torschützen zu, die Ersatzleute, das Trainerteam, auf den Rängen tobte der sprichwörtliche Bär   – es war geschafft: Der Sieg gegen den FC Augsburg war unter Dach und Fach und damit ist gesichert, dass Eintracht Frankfurt auch im kommenden Jahr erstklassigen Fußball anbieten kann.

Die Erleichterung über diesen schwer erkämpften, lange, lange Zeit nicht mehr für möglich gehaltenen Sieg, dem ersten übrigens seit dem 5. Februar nach zehn erfolglosen Spielen, war überall mit Händen zu greifen, ganze Steinlasten waren gegen 17.20 Uhr von vielen Schultern gerutscht.

„Das war ein Sechs-Punkte-Spiel. Nun hoffen wir, dass die Fessel gelöst ist“, sagte ein mit dem Ergebnis zufriedener Eintracht-Boss Fredi Bobic. Und Trainer Niko Kovac ergänzte: „Die Lebensfreude ist wieder da. Es freut mich unheimlich, dass wir es geschafft haben.“

Dieser Sieg in einem schlechten Spiel war ein schweres Stück Arbeit. Bis zur 60. Minute deutete wenig auf ein Happyend hin.

Augsburg, stark ersatzgeschwächt angetreten und die mit Abstand schwächste Mannschaft, die in dieser Saison im Stadtwald vorgespielt hat, war früh in Führung gegangen.

Pfiffe zur Pause

Ein Fehlpass von Ante Rebic an der Mittellinie nutzte der ehemalige Eintrachtler Halil Altintop zu einem feinen Chip auf Jeffrey Gouweleeuw, der den Ball über Lukas Hradecky ins Tor lupfte. Der Abwehrversuch von David Abraham auf der Linie kam zu spät.

0:1 nach zehn Minuten – es gibt bestimmt bessere Auftakte in einer wegweisenden Begegnung, in der Abstieg und Europapokal eng beieinander lagen.  Zur Pause jedenfalls pfiffen die Frankfurter Zuschauer lautstark auf das Gebotene, schon Mitte der ersten Halbzeit hatten sie den Finger in den Mund gelegt. Es war aber auch in der ersten Halbzeit ein absurd unansehnliches Gekicke.

Die Eintracht spielte in Ermangelung von Ideen praktisch nur an der Mittellinie quer und zurück, nicht im Ansatz kamen sie gefährlich vor das Augsburger Tor. „Das war heute in der ersten Halbzeit eine Katastrophe“, redete Torhüter Hradecky später wie immer Klartext.

Kovac sprach diplomatisch von „keinem guten Spiel“, er hatte große Nervosität gesehen, die sein Team in den ersten 45 Minuten befallen hätte. „Wir waren viel zu unsicher, unser Spiel war viel zu fahrig.“

Nach einer halben Stunde hatten die Hessen zwar 82 Prozent Ballbesitz, nach 75 Minuten hatte die Heimmannschaft 572 Pässe gespielt (Augsburg nur 177), aber noch nicht ins Tor getroffen.

Die Wende brachte dann ein reingestochertes Tor. Bastian Oczipka, der in der zweiten Halbzeit für den überforderten und mit Vertrag bis 2020 ausgestatteten Andersson Ordonez in die Innenverteidigung gewechselt war, hatte geflankt, Timothy Chandler per Kopf aufgelegt und Marco Fabian, in der zweiten Halbzeit weitgehend abgetaucht, bugsierte den Ball irgendwie über die Linie: Es war das 1:1 in der 78. Minute und es war der Auftakt zu einem fulminanten Schlussspurt.

„Ich wusste, wenn wir den Ausgleich schaffen, schaffen wir auch noch ein zweites Tor“, sagte Chandler.

Er sollte Recht behalten: Auf Vorlage von Haris Seferovic erzielte erneut Fabian, mit etwas Glück, das 2:1. „Azteken haben etwas Besonderes in ihren Genen“, sagte Trainer Kovac hinterher über seinen Mittelfeldspieler, der nun schon sieben Treffer erzielt hat.

In den letzten drei Spielen traf er mindestens einmal. „Marco geht immer voran, er zieht die anderen mit. Er ist sehr wichtig für die Mannschaft“, sagte Kovac.

Auch Bobic war die Erleichterung deutlich anzumerken. „Das war heute das mit Abstand schwierigste Spiel mit den hässlichsten Toren der Saison. Aber alles andere als ein Sieg von uns, wäre ein Witz gewesen. Ich hoffe, der Sieg hat die Fesseln gelöst.“ Nun könne man mit einem „guten Gefühl“ am Dienstag in das DFB-Pokal-Halbfinale gegen Borussia Mönchengladbach gehen.

Was ist nun noch drin für die Eintracht?

Auch Lukas Hradecky ist sich nach diesem so lang herbei gesehnten Sieg sicher, dass nun ein Ruck durch die Mannschaft gehen werde. „Die Stimmung ist zurück. Das wird uns weiterhelfen. Wir werden jetzt eine ganz andere Eintracht sehen.“  

Und die Frage ist: Was ist jetzt noch drin? Mit 41 Punkten ist Eintracht Frankfurt, vier Spieltage vor Schluss, auf Platz acht vorgerückt, sie liegt genau einen Punkt hinter einem Europapokal-Platz.

Wahrscheinlich kommt der Sieg zu spät, das Restprogramm der Hessen (mit Spielen in Hoffenheim und Mainz sowie gegen Wolfsburg und Leipzig zu Hause) hat es in sich. Aber jeder Platz weiter vorne in der TV-Tabelle ist im Schnitt zwei Millionen Euro wert.

Und was ist eigentlich mit den neuen Zielen, die Trainer Niko Kovac dann ausrufen wollte, wann endlich die vermaledeite 40-Punkte-Marke geknackt sei?

Noch in der vergangenen Woche hatte er angekündigt, „sich auf neue Ziele stürzen“ zu wollen, sofern das Saisonziel erreicht sei. Nun machte er einen Rückzieher: „Es ärgert mich, dass man in der heutigen Gesellschaft immer mehr wollen muss. Das Erreichte ist kaum geschafft, schon soll man noch mehr und noch mehr erreichen“, sagte er nach dem Spiel.

Er wolle lieber „demütig und bescheiden“ bleiben, „fad und langweilig“. Immerhin hoffe er nun, dass der Knoten, den er nach dem Spiel gegen Werder Bremen (2:2) gelockert sah, nun „geplatzt“ sei.

 Vorstand Bobic wollte ebenfalls keine neuen Vorgaben geben: „Die Jungs können die Messlatte jetzt ruhig höher legen, wenn sie es wollen.“

Marco Fabian, der Matchwinner, hatte da schon eine Idee: „Von Europa träumen, das dürfen wir jetzt.“

Ein Transparent trübt die Stimmung

Und doch trübte ein Vorfall an diesem Samstag ein wenig die gute Stimmung. Im Stadion war ein Transparent zu sehen mit dieser Botschaft: „Für jedes Stadionverbot… Bulle tod.“

Vorstand Axel Hellmann nannte dies „abgrundtief beschämend“. Diese Aktion war weder „mit uns abgestimmt, geschweige denn genehmigt“.

Das werde Konsequenzen nach sich ziehen, es gebe Videobilder, „wir werden das aufarbeiten.“ Darüber hinaus werde er am Montag einen Brief an das Polizeipräsidium schreiben.       

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