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Zaubertor verwandelt das Stadion in ein Tollhaus: Stürmer Sebastien Haller schießt die Eintracht mit einem spektakulären Seitfallzieher zum Sieg.
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Zaubertor verwandelt das Stadion in ein Tollhaus: Stürmer Sebastien Haller schießt die Eintracht mit einem spektakulären Seitfallzieher zum Sieg.

Heimsieg gegen Stuttgart

Haller lässt Frankfurt jubeln

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt siegt in letzter Sekunde gegen den VfB Stuttgart, weil das Team plötzlich einfach mal stürmte.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier ist bislang nicht als ausgewiesenes Fußballorakel à la Krake Paul in Erscheinung getreten. Am Samstag hat sich das geändert. Der CDU-Politiker, als Ehrengast im Frankfurter Stadion auf der Tribüne und eigenem Bekunden nach Eintracht- und Kickers-Fan gleichermaßen (was sich eigentlich ausschließt), sagte nicht nur zielsicher einen 2:1-Sieg für die Eintracht gegen den VfB Stuttgart voraus. „Er war sich auch sicher, dass wir kurz vor Schluss den Siegtreffer machen“, erzählte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann breit grinsend. Volltreffer. Es ist nicht überliefert, ob Bouffier auch den Torschützen (Sebastien Haller) und die Art des Treffers (Seitfallzieher mit guter Aussicht auf die Tor-des-Monats-Medaille) weissagte, die ausschweifende Jubelorgie genoss der waschechte Hesse aber in ganzen Zügen. „Er war voll dabei“, sagte Hellmann.

Haller, der Sieben-Millionen-Mann, brachte mit diesem artistischen Seitfallzieher Sekunden vor dem Ende ein ganzes Stadion zum Beben, sein Siegtreffer in der 93. Spielminute erlöste ganz Fußball-Frankfurt. Auch Trainer Niko Kovac konnte sein Glück kaum fassen, er schlug sich die Hände vor die Augen, für ein paar Sekunden rang er um Fassung.

Zehn Zähler haben die Hessen nun auf dem Konto, das sind nach sieben Spieltagen ein Viertel der Punkte, die man benötigt, um am Ende die Klasse relativ sicher zu halten. Wer ein Blick aufs Klassement wirft, der kann schon jetzt ablesen, dass es in der Liga in der Mitte sehr wahrscheinlich wirklich sehr eng zugehen wird. Die Eintracht ist gottfroh, sich diese stattliche Punktzahl irgendwie aufs Konto geschaufelt zu haben. „Es ist einfach verdammt eng“, sagte Kovac. Es seien immer Kleinigkeiten, die das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen. „Eintracht Frankfurt wird selten Spiele mit zwei, drei Toren Unterschied gewinnen“, sagte Kovac.

Gegen Stuttgart zeigten die Frankfurter über weite Strecken eine ermüdende Leistung, eine Darbietung ohne Esprit und Kitzel, seltsam fad und belanglos. Nimmt man die Leistung über weite Strecken des Spiels als Maßstab, dann sollten die Verantwortlichen die fußballerische Vorstellung seriös hinterfragen und sich nicht in die eigene Tasche lügen. Axel Hellmann äußerte seine Bedenken trotz des späten Erfolges in einem prägnanten Satz: „Wenn wir jetzt noch spielerisch auf Niveau kämen, wäre es noch schöner.“

Andererseits ist es ja tatsächlich so, dass die Liga in ihrer Breite so gleichmäßig (mittelmäßig) besetzt ist, dass man enge Spiele gegen einen Kontrahenten ähnlicher Kragenweite mal gewinnt und mal verliert, manchmal gibt es auch für jeden einen Punkt. Zumeist hat die Sicherung des eigenen Tores Priorität. Das macht das Ganze nicht eben attraktiv, für ein ausverkauftes Stadion mit 51 500 Zuschauern und eine tolle Stimmung reicht es trotzdem. Die Bundesliga boomt – dem spielerischen Niveau zum Trotz.

Zu zehnt viel besser

Auf den geordneten Rückzug setzte Kovac auch gegen den VfB – zu einem Zeitpunkt, da niemand damit rechnete. Nach 55 Minuten musste der abermals matte Jonathan de Guzman mit einer Oberschenkelzerrung das Spielfeld verlassen, für ihn wechselte der Coach Marco Russ ein und beorderte ihn stante pede in die Mitte der Abwehrkette, die der Trainer somit um einen Mann erweiterte – und das mit einer Führung im Rücken (Ante Rebic, 42.) gegen einen bis dahin ziemlich biederen Aufsteiger.

Das musste man nicht verstehen, und es war das falsche Signal. Die Schwaben setzten fortan voll auf Angriff, hatten auch ein paar Chancen, eine verwertete Simon Terodde zum Ausgleich (61.). Und als Simon Falette drei Minuten später nach einer Notbremse vom Platz gestellt wurde, schien das Unheil seinen Lauf zu nehmen. Zumal Schiedsrichter Felix Brych überdies auf Strafstoß entschied, den er aber Sekunden später auf Intervention des Videoassistenten zurücknahm und in Freistoß umwandelte. Korrekte Entscheidung. Komischerweise kam die Eintracht mit zehn Mann besser ins Spiel – weil Kovac eine goldene Entscheidung traf, indem er Jetro Willems einwechselte. Für ihn musste Ante Rebic runter, was nicht jeder verstehen konnte und wofür sich der Coach sogar lautstarke Pfiffe anhören musste. „Der eine oder andere war mit der Auswechslung von Ante nicht zufrieden, aber es war die einzige mögliche Lösung“, sagte Kovac, der mit der Defensivarbeit des Kroaten nicht so zufrieden war.

Hallers „Wahnsinnstor“

Es war aber weniger die Auswechslung Rebics, sondern eher die Hereinnahme von Willems, die das Spiel auf den Kopf stellte. Der Niederländer machte unglaublichen Betrieb auf links, brachte eine andere Power und Dynamik ins statische und ängstliche Eintracht-Spiel. Mit einem Mal drängten und stürmten zehn wilde Frankfurter, plötzlich war es rassiges Duell, das die Eintracht in allerletzter Sekunde mit dem „Wahnsinnstor“ (Sportdirektor Bruno Hübner) entschied. Interessanter ist aber die Erkenntnis, was möglich ist, wenn man mit Druck und Wagemut spielt, wenn man die taktischen Fesseln im Kopf mal ablegt, sich stattdessen von den Emotionen treiben lässt und mal mit offenem Visier spielt. Fußball kann manchmal so einfach und so schön sein.

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