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Durfte vor dem Jahreswechsel bei den Eintracht-Profis mitmachen: Renat Dadashov (Mitte).

Eintracht Frankfurt

Halbgas geht nicht

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Trainer Niko Kovac redet jungen Profis ins Gewissen - und will auch bei Renat Dadashov keine Ausnahme machen.

Vizekapitän David Abraham wird pünktlich zum montäglichen Topspiel im Stadtwald gegen RB Leipzig (20.30 Uhr) ins Frankfurter Aufgebot zurückkehren. Sehr wahrscheinlich sogar in die Startelf. Für die Mannschaft ist das Comeback eine gute Sache, Abraham ist Leistungsträger, Führungsspieler und eine Säule der Eintracht. Das bedeutet allerdings auch, dass das Gedränge dahinter noch zunehmen und wachsen wird. Beim letzten Bundesligaheimspiel gegen den 1. FC Köln (4:2) haben es schon einige Akteure nicht in den Kader geschafft, die in der vergangenen Saison sicher zum Aufgebot oder zur Startformation gezählt hätten, Spieler wie Marc Stendera, Branimir Hrgota, Aymen Barkok, Danny Blum oder Taleb Tawatha etwa.

Für Trainer Niko Kovac ist das auf der einen Seite ein Luxusproblem, auf der anderen muss er natürlich aufpassen, dass das Gefüge stabil bleibt und keine Unruhe aufkommt. Das kann manchmal ein schmaler Grat sein. In Frankfurt, versichert der Coach, sei das nicht so. „Wir haben keine Stinkstiefel drin“, sagt Kovac. „Natürlich ärgern sich die Spieler, es ist auch nicht leicht für sie, aber es gibt hier keinen, der sich über die Mannschaft setzt. Das spricht für den Charakter der Spieler.“

Kovac will Mut zusprechen

Was auch zur Wahrheit gehört: Aufmüpfige Profis, die die anderen womöglich gar runterziehen und das Binnenklima schädigen könnten, hätten bei Kovac ziemlich schlechte Karten. So etwas duldet der Fußballlehrer nicht. Wer sich aber voll einbringt und auf seine Chance hinarbeitet, den bindet der 46-Jährige ein. „Man muss auch auf sie zugehen.“ Er will in der kommenden Woche das eine oder andere Gespräch mit den betroffenen Akteuren führen, Entscheidungen erklären, ihnen Mut zusprechen. „Das brauchen die Jungs auch.“

Klar sei allemal, dass sich kein Spieler, auch kein arrivierter, hängenlassen dürfe. „Es kann jeden erwischen“, befindet Kovac. Dieser Konkurrenzkampf wirke sich positiv auf die Gesamtentwicklung aus, „das macht uns stark“, schließlich könne sich niemand seines Platzes sicher sein. „Das steigert die Qualität im Training und auch im Spiel.“

Kovac kann sehr wohl mit den Fußballern mitfühlen, die zurzeit kaum eine Rolle spielten, er ist ja kein eiskalter Engel. Doch er ist auch dazu da, um Entscheidungen zu treffen, die unpopulär sein können. Und er stellt klar, dass er nach objektiven Kriterien urteile und sich daran orientiere, was er im täglichen Training sieht.

„Es liegt an jedem selbst, ob er Leistung zeigt oder nicht. Ich stelle ja nicht danach auf, ob ich jemanden mehr oder weniger mag.“ Der Umgang mit einer Nichtberücksichtigung gelinge den Talenten zumeist besser als den etablierten Profis. „Junge Spieler haben noch nicht so viel erlebt“, berichtet der Trainer. „Da sind die Ansprüche nicht so hoch.“ Bei gestandenen Fußballern sei es schwieriger, „sie zu beruhigen“.

Talente müssen mehr tun

Keine Regel ohne Ausnahme. Nicht alle begabten Fußballer sind genügsam und warten geduldig auf ihre Chance. Renat Dadashov etwa, ein hochveranlagter Nachwuchsstürmer, hat jetzt am Riederwald für ein kleines Beben gesorgt. Er war natürlich nicht nur, aber zumindest teilweise an der Beurlaubung des U19-Trainers Alexander Schur beteiligt. Der gebürtige Rüsselsheimer hat sich zahlreiche Verfehlungen geleistet, die Coach Schur sanktioniert hat und ihn suspendierte. Eine nachvollziehbare Entscheidung.

Sehr wahrscheinlich wird der Deutsch-Aserbaidschaner vom neuen A-Jugendcoach Frank Leicht begnadigt. Beide arbeiteten übrigens schon in Leipzig zusammen, ehe dem Verein irgendwann der Geduldsfaden riss und den undisziplinierten Spieler wieder wegschickte.

Was angesichts der sportlichen Situation der U19 nachvollziehbar ist, aber ein verheerendes Signal nach außen und innen setzt. Ein Spieler wie Dadashov, da sind sich viele einig, sollten nicht mehr das Trikot der Eintracht tragen dürfen – einerlei, welche Qualitäten er mitbringt.

Auch der Bundesliga-Trainer Kovac hat mit dem 18 Jahre alten Jungprofi schon seine Erfahrungen gemacht, er schickte ihn erst in seine Jugendmannschaft zurück, ehe er ihm im Winter die Reise ins Trainingslager nach Spanien verweigerte, weil er mit Übergewicht zum ersten Training erschien. Kovac hat Verständnis für die Maßnahme von Schur. „Er hat so gehandelt, wie er handeln musste. Er hatte da unsere absolute Unterstützung. Es ist einiges vorgefallen.“ Die Profiabteilung sei auch nicht dazu bereit gewesen, Dadashov aufzunehmen, nachdem er bei Schur rausgeflogen war. Das habe er in der vergangenen Saison bei Enis Bunjaki in einer ähnlichen Situation mal gemacht, „bei Renat jetzt nicht“. Insgesamt plädiert er für eine „ganz klare Linie, die wir brauchen.“

Generell habe er wenig Verständnis für Talente, die nicht alles dafür tun, um sich durchzubeißen. „Als junger Spieler musst du in jedem Training der beste und schnellste sein“, umreißt er das Anforderungsprofil. „Viele wollen in den Bundesligazirkus, aber das geht nicht mit Halbgas.“

Die Verlockungen seien schon in jungen Jahren groß, „Autos, Uhren, Partys“, zählt der Coach auf. Heutzutage seien die Spieler vielen Einflüssen und Einflüsterern ausgesetzt. „Sie werden von allen Seiten voll gepumpt. Aber das sind junge Leute mit wenig Lebenserfahrung, die sehr schnell an etwas glauben, was so gar nicht ist.“

Als Trainer habe es man da nicht leicht, man müsse oftmals „das ausbaden“, was schon im Kindesalter schiefgelaufen sei. „Viele Spieler glaubten, sie hätten schon etwas erreicht, wenn sie einen Vertrag unterschreiben und ein bisschen Geld verdienen“, doch dann, sagt Kovac, fange die Arbeit erst an. „Als junger Spieler musst du mehr tun als andere.“ Nicht alle beherzigen das.

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