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Endlich getroffen: Marc Stendera (li.) lässt sich von Bastian Oczipka feiern.
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Endlich getroffen: Marc Stendera (li.) lässt sich von Bastian Oczipka feiern.

Eintracht Frankfurt

Ein hässlich-schöner Sieg

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Erstmals seit 28 Jahren gewinnt Eintracht Frankfurt wieder in Hannover: Der 2:1  (0:0) –Erfolg war angesichts der schweren nächsten Aufgaben fast schon überlebenswichtig: „Wir sind sehr erleichtert“, sagte Klubchef Heribert Bruchhagen nach dem Sieg.

Kurz nach der Halbzeit eines bis dato grottenschlechten Spiels schien die Partie genau den vorhergesehenen Verlauf zu nehmen: Hannover 96 ging nach einem schweren Patzer von Stefan Reinartz, der  im Mittelfeld den Ball verlor, in Führung, der bis dahin blasse Stürmer Felix Klaus veredelte eine feine Vorarbeit von Hiroshi Kiyotake zur Führung der Gastgeber. Und angesichts der Harmlosigkeit der Frankfurter Offensive, die im Grunde nicht vorhanden war, lief alles auf einen Murmeltiertag hinaus: Nicht Neues in Niedersachsen, seit 28 Jahren hat Eintracht Frankfurt in Hannover nicht mehr gewinnen können.

Und es deutete auch nicht darauf hin, dass es dieses Mal anders werden würde. Dazu war Eintracht Frankfurt einfach viel zu verunsichert, viel zu nervös, viel zu schlecht und einzig und allein damit beschäftigt,  nicht in Rückstand zu geraten. Das sah dann so aus, dass beide Mannschaften keinen Fußball spielten, die Bälle quer oder zurück oder ins Aus schossen und irgendwie auf den lieben Gott vertrauten. Es war ein unterirdischer Kick, selbst der Frankfurter Trainer Armin Veh wollte fast schon nicht mehr hinschauen: „In der ersten Halbzeit war es kein Spiel, für das man ins Stadion gehen muss.“ Es ging nur darum, das Schlimmste zu verhindern.

Und dann war es passiert: Der Ball lag im Frankfurter Netz. „Normalerweise ist so ein Rückstand tödlich“, sagte Armin Veh. Doch es kam ganz anders.

Dieses Gegentor freilich schien die Frankfurter zu beflügeln. Denn es passierte zweierlei: Zum einen nahm Trainer Veh sofort den schwachen und neben den Schuhen stehenden Reinartz aus dem Spiel und brachte den Edelreservisten Slobodan Medojevic. Der Serbe hatte bislang noch keine besonders große Rolle gespielt, vier Minuten genau war er in den ersten neun Spielen zum Einsatz gekommen. Noch am Tag vor dem Spiel hatte Veh die Professionalität von Medojevic gelobt, der sich trotz seiner geringen Einsatzchancen im Training niemals hängen gelassen habe. Medojevic, man muss das sagen, machte ein richtig gutes Spiel, nahtlos übernahm  er die Rolle des Sechsers, beruhigte das Spiel, fegte wenn erforderlich dazwischen  und, wichtig, spielte fehlerlos.

Und zweitens drehte die Eintracht plötzlich auf. „Wir hatten ja nichts mehr zu verlieren“, sagte Veh. Auf einmal, sagte hinterher auch Alex Meier, „haben wir Fußball gespielt.“ Der Rückstand hat die Hessen offenbar aufgeweckt, hat sie aus ihrer Lethargie gerissen. Dazu kam, dass Hannover96 nichts, aber auch gar nichts zuzusetzen hatte. Und dann flog plötzlich eine weite Flanke von Bastian Oczipka in den Strafraum , Meier legte per Kopf zurück auf Marc Stendera, und der erzielte nach einem kurzen Haken mit links den Ausgleich (57.). „Der Ausgleich fiel völlig unerwartet“, freute sich Vorstands-Vorsitzender Heribert Bruchhagen. In der Tat wirkte der Treffer  wie befreiend, auf einmal hatte die Eintracht ihren Rucksack abgeworfen, auf einmal lief das Spiel flüssiger.

Keine 60 Sekunden später lief Stefan Aigner allein aufs Hannoveraner Tor zu, sein Schuss parierte  Nationaltorwart Ron-Robert Zieler mit letztem Einsatz. Und nach etwas mehr als einer Stunde gelang den Hessen sogar die Führung: Es war nahezu eine Kopie des ersten Tores, dieses Mal flanket Constant Djakpa in den Strafraum, und Aigner legte per Kopf ab auf Stendera, der ohne zu zögern mit Verve das 2:1 (65.) erzielte. Es war das erste Mal in seiner Karriere, das der U-21- Nationalspieler doppelt traf. „Als offensiver  Sechser muss er mehr in den Strafraum rein. Das sage ich ihm immer und immer wieder“, sagte Veh zu dem Doppelpack. Und es waren zwei ganz wichtige Tore. Dass es bei den beiden Treffern blieb, lag auch an Haris Seferovic, der in 90, Minute nach feinem Querpass von Meier allein vor Zieler die Kugel nicht über die Linie brachte. So musste die Eintracht noch ein wenig zittern, ehe der knappe, dennoch nicht unverdiente Sieg über die Zeit gerettet war.

Ruhe vor dem Pokal- und dem Bayern-Spiel

Hinterher war die Erleichterung bei allen Beteiligten mit Händen zu greifen. Die drei Punkte bringen erst einmal Ruhe vor dem Pokal- und dem Bayern-Spiel. Und neues Selbstvertrauen. „Es ging heute nur darum, nicht zu verlieren“, sagte Veh. „Viele Dinge spielen sich im mentalen Bereich ab. Wir waren heute sehr nervös, die Mannschaft hat den Druck gespürt.“ Fünf Spiele ohne Sieg haben Spuren hinterlassen, nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten die Frankfurter erneut verloren. Und in so einer Situation heiligte der Zweck die Mittel. Natürlich war es nicht schön anzusehen, wie die Gäste in Hannover auftraten. Da war in den ersten 50 Minuten nichts  zu sehen von Spielwitz, von Ballzirkulation, von Dominanz.  „Offensiv haben wir nicht stattgefunden“, fasste Veh zusammen. „In der ersten Halbzeit ging es nur darum, gut zu stehen“, sagte hinterher Marco Russ. „Oberste Devise war: nicht die Ruhe zu verlieren.“ Und Marc Stendera war hinterher „stolz auf die Mannschaft. Heute hat sich jeder für den anderen den Allerwertesten aufgerissen.“ Und die Brüste der Eintracht-Profis wirkten nach dem ersten Dreier seit sechs Wochen deutlich gewachsen.

Zum Schluss ist Armin Veh noch gefragt worden, ob das der Weg sein kann, wie Eintracht Frankfurt künftig spielen werde. Er hat ein bisschen rumgedruckst. So wie in der ersten Halbzeit hat dieses System sicherlich keine Zukunft, damit kann man in der Bundesliga auf Dauer sicher nicht erfolgreich sein. Diplomatisch fand er: „Wir müssen so spielen wie nach dem 0:1.“ Ein erster Schritt ist gemacht. 

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