Nachdenklich: Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner (4. von links).
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Nachdenklich: Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner (4. von links).

Manager Bruno Hübner im Gespräch

Hängepartie bei Eintracht Frankfurt um Filip Kostic

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Was wird aus dem besten Eintracht-Profi Filip Kostic, bleibt Daichi Kamada und wie sieht es bei André Silva aus? Manager Bruno Hübner gibt Antworten.

  • Bleibt Filip Kostic bei Eintracht Frankfurt oder geht er doch?
  • Wie laufen die Verhandlungen mit Daichi Kamada und wie ist der Stand bei André Silva?
  • SGE-Manager Bruno Hübner liefert Antworten

Frankfurt - Die provisorische Mixed Zone am Rande des Trainingsplatzes betrat Bruno Hübner nur zaghaft, eben mit gebührendem Abstand, die obligatorischen Aha-Regeln in Zeiten der Pandemie gelten selbstredend auch bei Eintracht Frankfurt und sogar unter freiem Himmel. „Lange nicht gesehen“, flötete der Sportdirektor zur Begrüßung in die Journalistenrunde. Der 59-Jährige war gut drauf, bestens gelaunt.

Auf die Frage, ob er schon ein Gefühl habe, wohin die Reise in der bevorstehenden Saison gehen könne, lachte er gurgelnd und spielte den Ball weiter zu den Akteuren, wie etwa Dominik Kohr, die die Latte schon relativ weit nach oben gelegt und die internationalen Startplätze ins Visier genommen haben. „Der eine oder andere Spieler“, sagte Hübner schmunzelnd, „hat ja schon seine persönlichen Ziele ausgesprochen.“ Er werde sich davor hüten, „dafür habe ich viel zu viel Respekt vor der Bundesliga“. Man sei von Kleinigkeiten abhängig, dem Saisonstart, dem Spielglück, Verletzungen. Das ist wie ein Schuss ins Blaue.

Hinteregger schwärmt von Ache - und wird bei Eintracht Frankfurt bleiben

Und doch glaubt der Manager generell, dass die Eintracht eine „gute, funktionierende Mannschaft“ beisammen habe, die eine ordentliche Rolle spielen könne. Das Team ist weitgehend zusammengeblieben, klar, einige Leitwölfe sind weg, da werden andere in die Rolle schlüpfen und das Rudel anführen müssen, aber die fußballerisch Qualität ist davon nicht betroffen. Ob das reichen wird, um oben anzugreifen, ist seriös noch nicht zu beantworten. Doch leichte Zweifel sind angezeigt. Die Testspiele waren ordentlich bis manierlich, doch am Offensivspiel, das zu schablonenhaft, ungenau und vorhersehbar ist, wird Trainer Adi Hütter sicher noch feilen müssen. Bisher hat sich nicht viel verändert.

Vielleicht wird auf Sicht gesehen ja tatsächlich der junge Stürmer Ragnar Ache eine Verstärkung. Er ist noch grün hinter den Ohren, aber er hat was, bringt ein anderes Element, Tempo und Draufgängertum, ins Spiel. „Ragnar ist eine absolute Waffe“, adelt Verteidiger Martin Hinteregger. „Er bringt die Sachen mit, die uns letzte Saison gefehlt haben. Das wird uns stärker machen.“ Lob aus berufenem Munde.

Hinteregger selbst wird, wie die FR berichtete, die Eintracht in keinem Fall verlassen, das bestätigte Bruno Hübner. „Hinti fühlt sich absolut wohl“, er habe einige Anfragen abgelehnt. „Er sieht sich in der nächsten Saison und in Zukunft hier.“

Bleibt Filip Kostic bei Eintracht Frankfurt?

Das kann der Manager bei Linksaußen Filip Kostic nicht mit der gleichen Überzeugung behaupten. Auch für den Serben gebe es immer wieder mal Anfragen, „aber die Corona-Zeit ist eine besondere Zeit“, führt er aus. „Viele Vereine warten noch ab.“ Der bald 28-Jährige fühle sich wohl in Frankfurt, das auf alle Fälle, „und wenn kein Verein kommt, der ihm entspricht und Eintracht Frankfurt entspricht, dann kann ich mir gut vorstellen, dass er bleiben wird.“ Zurzeit gebe es „kein Angebot, über das wir nachdenken“. Das heißt nicht, dass keines mehr kommt.

Klar ist, dass die Eintracht ihren besten Spieler ziehen lassen würde, wenn sie eine entsprechende Ablösesumme erzielen könnte. Mindestens 25, eher 30 Millionen Euro sollten es sein; Geld, das der von Corona gebeutelte Verein nicht eins zu eins in einen adäquaten Ersatz reinvestieren könnte, aber natürlich würde die Eintracht dann ihrerseits auf dem „mühseligen Transfermarkt“ (Hübner) zuschlagen. Die Frage wird sein, ob ein Verein in der Corona-Krise so viel Geld zahlen wird. Kostic ist nicht abgeneigt, den Klub zu verlassen, obwohl er weiß, was er der Eintracht zu verdanken hat und das sehr wohl zu schätzen weiß. Aber für ihn ist es die vielleicht letzte Gelegenheit, bei einem absoluten Topklub mit entsprechenden Verdienstmöglichkeiten unterzukommen. Und die Eintracht hätte jetzt noch mal die Chance, kräftig abzusahnen. Je älter der Spieler wird und je näher das Vertragsende (2023) rückt, desto weniger Geld ist zu erzielen. Prognose: Ein Abschied scheint etwas wahrscheinlicher als ein Verbleib, doch der Ausgang ist generell offen.

Eintracht Frankfurt hofft auf Kamada und Silva - Rebics Wert steigt

Bei Daichi Kamada, dem Spielgestalter, geht es indessen darum, den in einem Jahr auslaufenden Vertrag zu verlängern. Das entpuppt sich als schwieriger als zunächst gedacht, weil der japanische Berater des 24-Jährigen das große Geld wittert. Bruno Hübner aber glaubt fest daran, dass der deutsche Agent Thomas Kroth den größeren Einfluss auf Kamada hat. „Der japanische Berater ist nicht ganz so eng dran, Thomas Kroth wird da schon einwirken, er hat ja auch dafür gesorgt, dass Daichi hierher gekommen ist. Thomas ist geerdet, gehört zu den Beratern, die immer auch an die Entwicklung des Spielers denken. Von daher glaube ich schon, dass das funktionieren wird.“ Der Spieler selbst wisse, was er an der Eintracht habe. „Er braucht einen Trainer, der auf ihn baut, das hat Adi Hütter auch in der Zeit gemacht, als Daichi nicht so gut performt hat.“

Bei den avisierten festen Wechseln von André Silva zur Eintracht und Ante Rebic zum AC Mailand gebe es hingegen „nix Spruchreifes“. Er, Hübner, könne nicht mal bestätigen, dass man sich, wie vereinzelt berichtet, mit Silva auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt habe.

Die Eintracht hofft ihrerseits, dass die positive Entwicklung von Rebic anhält, weil der Spieler dann im Wert steigen würde. „Wir beobachten, wie sein Marktpotenzial nach oben geht“, bekundet Hübner. Generell ist er überzeugt davon, dass der vor einem Jahr vollzogene Tausch auf Leihbasis eine gute Sache war: „Das war ein richtig guter Deal, eine Win-Win-Situation, beide Vereine haben davon profitiert.“

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