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Gruß an die Fans: Lukas Hradecky am Sonntag bei der Saisoneröffnung.

Eintracht Frankfurt

Hängepartie um Lukas Hradecky

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Der Eintracht-Torwart soll sich mit Benfica Lissabon einig sein - doch dem ist nicht so. Klar ist nur, dass die Portugiesen dringend einen neuen Torwart benötigen.

Beim ersten Training der Woche stand Lukas Hradecky wie immer zwischen den Alustangen. So, als wäre nichts geschehen. Torwarttrainer Manfred Petz knallte dem Schlussmann von Eintracht Frankfurt die Bälle mit Vollspann um die Ohren. Das macht dem Keeper nicht immer Spaß, denn er hat einen mächtigen Bums, der Herr Petz. Auch am Dienstag stöhnte der Finne unter der Wucht der Schüsse. Alles wie immer also im Stadtwald. Oder fast immer.

Denn schon am frühen Morgen war der 27-Jährige wieder das Gesprächsthema Nummer eins in Fußball-Frankfurt. Die portugiesische Zeitung „Record“ hatte den Finnen in ihrer aktuellen Ausgabe nämlich auf die Titelseite gehievt und von einer Einigung mit Benfica Lissabon berichtet. Demnach sei Vladimir Hradecky, Vater und gleichzeitig Berater des Torhüters, seit Sonntag in der portugiesischen Hauptstadt, die Benfica-Verantwortlichen hätten sich sehr viel Mühe gegeben und Papa Hradecky durch das Stadion des Lichts geführt, das Museum gezeigt, und schließlich sei es auch zu einem Treffen mit Klubboss Luis Filipe Vieira gekommen. Mit dem mächtigen Präsidenten soll sich Vladimir Hradecky gar auf letzte Vertragdetails geeinigt haben.

Später zogen andere Medien nach und berichteten in ähnlicher Richtung. „O Jogo“ kümmerte sich ums Geld und bezifferte das angebotene Jahressalär für Hradecky auf 800.000 Euro netto. Schwer vorstellbar, dass diese Summe für den Schlussmann ein Wechselargument ist. In Frankfurt würde er deutlich mehr verdienen, zumindest dann, wenn er seinen Vertrag verlängern würde. Die Eintracht hatte ihr letztes Angebot noch mal aufgestockt, mehr als drei Millionen Euro per annum könnte die „Finnen-Spinne“ zukünftig einstreichen. Das Blatt „Record“ sieht den Keeper dennoch wechselwillig, die Ablösesumme sei jedoch noch ein Hindernis. Die Eintracht fordere acht Millionen Euro, Benfica wolle aber nur fünf zahlen. Merkwürdig: Dem Bundesligisten liegt bis dato gar kein Angebot vor. Andererseits ist es nicht selten so, dass sich ein Verein erst mit dem Spieler einigt, dieser dann seinen Wechselwunsch erklärt und die Klubs schließlich in die Verhandlungen eintreten. Aber ist das hier ebenfalls so?

Die Hessen reagierten am Dienstag sachlich auf die Berichte. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Was in den portugiesischen Medien steht, nehmen wir unaufgeregt zur Kenntnis“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. Das klingt nicht nach einem Dementi. In erster Linie klingt es inhaltsleer.

Die Frage lautet also weiterhin: Was ist dran an den Meldungen von der Iberischen Halbinsel? Fakt ist, dass Benfica tatsächlich Interesse an Hradecky hat und ihm auch schon ein Angebot unterbreitete.  Die Portugiesen sind in Zugzwang, weil sie ihren Stammkeeper verloren haben: Der Brasilianer Ederson wechselte für 40 Millionen Euro zu Manchester City.

Nach FR-Informationen zieht es den Publikumsliebling allerdings nicht nach Lissabon. Zum einen ist die – derzeitige – Offerte nicht mal im Ansatz so ausgestattet, dass er schwach werden würde. Zum anderen, hört man, reize ihn die portugiesische Liga nicht besonders, ungeachtet dessen, dass er in der Königsklasse auflaufen könnte.

Sympathiewerte in Gefahr

Hradecky, das ließ er schon während der USA-Reise der Eintracht in einem Gespräch mit der Sportlichen Leitung durchblicken, würde gerne in Frankfurt bleiben. Er fühlt sich wohl, anerkannt und respektiert ist er sowieso – intern wie extern. Doch es kann ja immer noch ein unmoralisches Angebot hereinflattern. Deshalb zögert er – auch auf Anraten seines Vaters, der als knallharter Verhandlungspartner gilt. Er hat keinen Zeitdruck, könnte seinen Vertrag auch im Winter verlängern oder eben wechseln.

Der Schlussmann muss nun aber aufpassen, dass seine Sympathiewerte nicht in den Keller fallen, denn das Dauerthema und die ständige Unruhe rund um seine Person schaden seinem Ansehen und sind auch der Vorbereitung auf die schwierige Saison abträglich. Die Eintracht hat zu Beginn sicher einen Fehler gemacht, als sie den Druck erhöht und dem Keeper mit der Tribüne gedroht hat, weil sie ihn in einem Jahr nicht ablösefrei verlieren will.

Doch mittlerweile ist nachzuvollziehen, dass sie zumindest auf eine verlässliche Aussage des Torwarts drängt: Bleibt er oder will er weg? Bis 31. August ist das Transferfenster geöffnet, die Hessen wollen aber spätestens vor dem ersten Bundesligaspiel in Freiburg am Sonntag in einer Woche Klarheit. Verständlich. Denn wie sollte der Klub binnen weniger Tagen einen geeigneten Nachfolger aus dem Hut zaubern, sollte Hradecky auf den letzten Drücker gehen? Vorstand Axel Hellmann hofft darauf, dass der Tormann sich in irgendeine Richtung bekennt: „Der Ball liegt bei Hradecky.“

Klar ist, dass die Hängepartie mittlerweile viele Menschen nervt. Vielleicht ist es an der Zeit, Fakten zu schaffen. So oder so.

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