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Fingerzeige: Michael Fink guckt sich um.

Michael Fink und SGE

Gutes Auge

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Von 2006 bis 2009 ackerte Michael Fink für Eintracht Frankfurt. Jetzt scoutet er in Watzenborn-Steinberg.

Neulich hat sich Michael Fink mal wider an die alten Zeiten erinnert. Sein Blick ging weit zurück, bis ins Theater der Träume in Old Trafford. Damals im November 2009 hat er gemeinsam mit Fabian Ernst im defensiven Mittelfeld dem Ausnahmeteam von Manchester United die Räume verstellt.

Er spielte seinerzeit beim türkischen Spitzenklub Besiktas Istanbul und in der Champions League, und das sind so Momente, die vergisst man nicht so leicht. 1:0 hatten die Türken gewonnen, doch es reichte nicht zum Einzug ins Achtelfinale, es sollte der einzige Sieg in der Champions League bleiben. Für Michael Fink war es dennoch ein beeindruckendes Erlebnis. Vier Spiele bestritt der in Waiblingen geborene Fink in der Königsklasse, nicht schlecht für einen, der nie der filigrane Techniker, der Überflieger war, aber ein sehr solider, zuverlässiger Fleißarbeiter, einer mit Auge.

Michael Fink war zeit seiner aktiven Karriere einer für die Kärrnerarbeit. Kein Weg war ihm zu weit, kein Ball je verloren. Fink war das Musterbeispiels eines Profis, der sich in den Dienst der Mannschaft stellte, unspektakulär, aber immens wichtig. Und hinterher, wenn die Arbeit auf dem grünen Rasen getan war, zählte der meinungsstarke Spieler auch zu jenen, die selten an den Reportern am Flatterband vorbeilief. Fink hatte auch was zu sagen.

Wechsel zu Besiktas Istanbul

Bei Eintracht Frankfurt ackerte er drei Jahre lang, von 2006 bis 2009, Friedhelm Funkel war Trainer, er kam auf 100 Spiele. Es war die Zeit, da sich die Eintracht nach und nach in der Bundesliga zu etablieren suchte, da war viel Schwarzbrot dabei, aber eben auch ein halbes Jahr Europa, die große Bühne, Uefa-Cup mit Spielen in Kopenhagen, Newcastle, Vigo oder bei Fenerbahce. Es war eine schöne Zeit, die Michael Fink auch gar nicht missen will. Und doch wechselte er nach den drei Frankfurter Jahren nach Istanbul, zu Besiktas. „Das war eine super Erfahrung“, zeigt sich der Vater eines zehn Wochen alten Jungen begeistert von Istanbul. „Die Atmosphäre in den Stadien war sensationell, die Leute unglaublich fanatisch.“

Fink hat sich wohl gefühlt, er hat sogar Türkisch gelernt. Dazu lief es auch sportlich anfangs ausgesprochen gut, er zählte gleich zum Stammpersonal. Erst im zweiten Jahr wurde es weniger schön, Bernd Schuster kam als Trainer, „und er hat nicht so sehr auf mich gestanden“. Fink hat sich ausleihen lassen, erst für einen Abstecher zurück in die Bundesliga zu Borussia Mönchegladbach, wo er mithalf, den Abstieg zu verhindern. Es war just das Jahr, in dem Eintracht Frankfurt nach der Rückrunde der Schande in die zweite Liga abstieg und die Gladbacher in der Relegation gegen Funkels Bochumer siegten.

Nach Stationen bei Samsunspor und Erzgebirge Aue spielte der mittlerweile 36-Jährige noch zwei Jahre in der Regionalliga bei Waldhof Mannheim, wo er zeitweise auch als Spielertrainer tätig war. Doch weil Fink nicht im Besitz des erforderlichen A-Trainerscheins war und der Verband nicht bereit war, die Sondergenehmigung zu verlängern, löste Fink seinen Vertrag im Januar 2018 auf. Als Coach war er im übrigen am Waldhof durchaus erfolgreich: Er holte 20 Punkte aus neun Spielen.

Fußball mit Charly

Mittlerweile hat Michael Fink, der in Rumpenheim sesshaft geworden ist, seine aktive Karriere beendet. Und natürlich ist er dem Fußball treu geblieben. Seit Februar ist er beim Hessenligisten Teutonia Watzenborn-Steinberg tätig, dort soll er eine Scouting-Abteilung aufbauen. Er sei „ein absoluter Kenner der Szene“, sagt etwa Watzenborns Vorsitzender Dominik Fischer. Die Verpflichtung hat maßgeblich Daniyel Cimen vorangetrieben, der die Hessenliga-Mannschaft trainiert. Fink und Cimen kennen sich seit gemeinsamen Eintracht-Zeiten, sie sind dick befreundet, zudem: Fink war Trauzeuge bei Cimen, Cimen bei Fink. „Wir wollen seine Kontakte und sein Netzwerk nutzen“, sagt Coach Cimen, dessen Team auf Sicht den Aufstieg in die Regionalliga anstrebt. Derzeit liegt die Elf auf dem fünften Tabellenplatz, ganz vorne rangiert Hessen Dreieich, die Mannschaft von Rudi Bommer, auch ein ehemaliger Eintrachtler. Seine Zukunft sieht Fink dennoch eher auf Trainerebene.

Der Kontakt zur Eintracht ist nie ganz abgerissen, mit Marco Russ und Alex Meier hat er noch zusammengespielt, die Entwicklung, die die Eintracht genommen hat, gefällt Fink. Demnächst wird er sogar wieder das Trikot der Eintracht tragen, Karl-Heinz Körbel hat ihn für die Traditionsmannschaft verpflichtet. Fit ist Michael Fink allemal: Aktuell spielt er, sofern es die Zeit zulässt, beim Verbandsligisten Hanau 93 - dort kickt Ervin Skela, noch so ein Ex-Eintrachtler.

Sein Tipp: 3:1

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