Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Noch zwei Gründe, warum wir gar nicht verlieren können: 1.) Marco, 2.) Fabian.
+
Noch zwei Gründe, warum wir gar nicht verlieren können: 1.) Marco, 2.) Fabian.

Satire

Elf gute Gründe fürs Finale

Alle Autoren
    schließen
  • Stefan Behr
    Stefan Behr
  • Georg Leppert
    Georg Leppert
  • Thomas Stillbauer
    Thomas Stillbauer

Pokal-Halbfinale heute in Gladbach: Wir Frankfurter sollen "krasser Außenseiter" sein. Hallo?

Immerhin stehen wir in der Bundesligatabelle einen Platz vor denen! Und elf weitere Gründe, warum die Eintracht ins Endspiel einzieht.

1. Flüsse

Treffen sich zwei Flüsse. Sagt der eine: „Ich bin der mächtige Knippertzbach! Mythen und Sagen umranken meinen Lauf. Einst suchte ein Kaiser an meinen Ufern eine Furt, fand aber keine und hüpfte einfach über mich hinweg. Ich selbst entspringe in der Weltstadt Mönchengladbach und fließe mehr als 6700 Meter dahin, ehe sich meine Wasser in die ebenfalls mächtige Schwalm ergießen. An meinen Gestaden suchten und fanden Künstler wie Heinz Sielmann, Walter Moers und Joko Winterscheidt ihren Musenkuss, dorten finden sich auch Bauten von Weltruhm wie die Knippertzmühle und das nicht minder pittoreske Regenrückhaltebecken …“ Sagt der Main: „Bitte, hör auf! Ich kann das Wasser nicht mehr halten …“

2. Tiere

Eintracht Frankfurt hat den stolzen Adler Attila als Maskottchen, der die Spiele würdevoll von der Seitenlinie aus verfolgt. Borussia Mönchengladbach wird von einem Pferd namens Jünter vertreten, das fahnenschwenkend übern Platz eiert. Peinlich. Außerdem: Ein Pferd stand bei uns schon in den 70er Jahren hinterm Tor. Wenigstens hatte es einen anständigen Namen: Schöppche.

3. Angeber

Der Mönchengladbacher macht sich gerne dicke und nannte sich bis 1950 Münchengladbacher. Laut Wikipedia erfolgte die Namensbereinigung, „um Verwechslungen mit München zu vermeiden“. Lächerlich! Eher könnte man Frankfurt a. M. mit Frankfurt/O. verwechseln als die bajuwarische Nekropole mit dem Düsseldorfer Vorort! Nächste Schutzbehauptung: Der Name diene der Differenzierung zwischen Mönchengladbach, wo einst Mönche gehaust haben sollen, und Bergisch-Gladbach, wo es bergisch sei. Klingt ebenso blöd. Wahrscheinlicher ist eine Umbenennung aus Angst vor Sanktionen der Fifa-Ethikkommission wegen fußballerischer Hochstapelei.

4. Lieder

Für Eintracht Frankfurt singt vor Heimspielen der Polizeichor: „Im Herzen von Europa liegt mein Frankfurt am Main.“ Für Gladbach singt eine Band namens B.O., die früher Songs der Böhsen Onkelz nachspielte: „Und geht das Spiel auch mal verloren, dann macht uns das gar nichts aus, denn dann fahren wir zum Auswärtsspiel und machen einen drauf!“ Aua, diese Schmerzen.

5. Verschwörungen

Nach der Einschätzung vieler führender Wissenschaftler existiert die Stadt Mönchengladbach gar nicht. Zwar finden sich immer wieder Zeugen, die behaupten, von menschenähnlichen Wesen an einen lichtdurchfluteten Ort namens „Borussia-Park“ entführt und dort mehr als zwei Stunden gegen ihren Willen festgehalten worden zu sein. Dieser Park aber soll sich in einem metaphysischen stadtähnlichen Gebilde namens „Mönchengladbach“ befinden, das allerdings keiner der Besucher selbst gesehen haben will. Die Berichte gelten als unglaubwürdig und werden wissenschaftlich dem übermäßigen Genuss von Altbier in Verbindung mit Schundliteratur zugeschrieben. Wahrscheinlicher ist, dass Mönchengladbach genau wie Paderborn, Castrop-Rauxel, Buxtehude und Atlantis auf die Liste eingebildeter Orte gehört.

6. Soßen

Treffen sich ein Frankfurter, ein Mönchengladbacher und ein Kölner in einer Gladbacher Kneipe. Fragt der Wirt: „Was wollt ihr trinken?“ Sagt der Kölner: „Ein Kölsch.“ Sagt der Gladbacher: „Ein Alt.“ Sagt der Frankfurter: „Na gut, wenn ihr alle keinen Alkohol trinkt, dann nehm’ ich ein Wasser.“ Aber Spaß beiseite: Wer nach Mönchengladbacher Spezialitäten Ausschau hält, stößt auf englischsprachige Internetseiten, die Altbier („does not taste old at all“), food and more preisen. Wer laaaange sucht, findet „eine ganz besondere Spezialität: das Onjeschwedde“ aus Rheydt und Wickrath. Es handelt sich demnach um ein „Brot, das vom Aussehen her an Stuten erinnert“, womit wir also schon wieder zurück bei den Pferden sind. Oder? Statt darauf weiter herumzureiten, nur zwei Worte, die keine Fragen offenlassen: Grüne Soße. Guten Appo.

7. Fernsehen

Alle Jubeljahre mal kommt unsere Eintracht im Fernsehen. Also nicht auf Sky, wo man auch Sandhausen gegen Heidenheim sehen kann, sondern in der ARD. Und die Bilanz der Adlerträger war zuletzt fast makellos. Relegationsspiel in Nürnberg (ARD)? Gewonnen. Relegationshinspiel gegen Nürnberg? Immerhin unentschieden. Und heute? Überträgt die ARD.

8. Yeboahs

Bei Eintracht Frankfurt spielte Anthony Yeboah. Er erzielte an die 150 Tore in deutschen und englischen Topligen und Pokalwettbewerben, war Ghanas Fußballer des Jahres und pulverisierte (hochgerechnet) Gerd Müllers Torrekord (wenn das Knie gehalten hätte). Bei Gladbach spielt Kwame Yeboah. Er hat zwölf Tore geschossen, davon zwei in der australischen A-League und zehn in der Regionalliga West.

9. Versager

Der Mönchengladbacher kriegt nichts gebacken. Als einzige Stadt Deutschlands hat Mönchengladbach zwei Hauptbahnhöfe (Mönchengladbach und Rheydt). Aber trotz zweier potenzieller Verbrechensbrennpunkte kommen sie an Frankfurt in der Kriminalstatistik nicht heran. Ein absolutes Armutszeugnis! Beweise gefällig? Laut offizieller Kriminalstatistik sank die Zahl der M’gladbacher Handtaschenraube in den Jahren 2014 und 2015 von 23 auf zwölf. Harharhar!

10. Traditionen

Die Borussia (gegründet 1900) ist keineswegs der älteste, vornehmste und ehrwürdigste der Mönchengladbacher Fußballclubs. Das ist  der 1. FC Mönchengladbach (1894), der unter anderem Legenden wie Günter Netzer hervorgebracht hat. Aufgrund schicksalhafter Wendungen empfängt der 1. FC derzeit in der Ernst-Reuter-Kampfbahn ausschließlich Gäste aus der Landesliga Niederrhein 1. Der guten Ordnung halber aber gehörte eigentlich der 1. FC als Gast ins Waldstadion und die Borussia auf den Bieberer Berg.

11. Zahlen

Mönchengladbach hat rund eine halbe Million weniger Einwohner als Frankfurt. Mit anderen Worten: Die Eintracht-Fans, die heute da anreisen, lassen die Bevölkerungszahl in eine Höhe schnellen, die man dort überhaupt nicht gewohnt ist. Pferde, die mit Fahnen über eine Wiese eiern – in Ordnung. Aber so viele Menschen auf einmal? Besonders erschütternd: Wenn man auf der Wikipedia-Seite für Frankfurt auf das Wort „Stadtteile“ klickt, erhält man eine Liste der 46 prächtigen Frankfurter Stadtteile, von der Altstadt bis Zeilsheim. Wenn man jedoch auf der Wikipedia-Seite für Mönchengladbach das Wort „Stadtteile“ anklickt, erhält man eine Erklärungstafel darüber, was ein Stadtteil ist, ein Teilort, Ortsteil, Gemeindeteil oder Ortschaftsbestandteil. Seufz. Außerdem liegt Frankfurt 42 Meter höher. Wichtig in Zeiten des Klimawandels.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare