1. Startseite
  2. Eintracht

Gute Freunde kann niemand trennen

Erstellt:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Sie verbindet nicht nur dieselbe Idee von Fußball: Kölns Trainer Steffen Baumgart...
Sie verbindet nicht nur dieselbe Idee von Fußball: Kölns Trainer Steffen Baumgart... © dpa

Warum Kölns Trainer Steffen Baumgart und Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche sich gegenseitig dankbar sind.

Im Februar 2018 waren sich die Meister der hiesigen Fußballkunst einig. Diese Mannschaft, der SC Paderborn, würde schon sehr bald wieder auf bedeutenderer Bühne antreten dürfen. „Die werden hundertprozentig aufsteigen“, orakelte etwa Arjen Robben, dessen Chef, Bayern-Trainer Jupp Heynckes, ergänzte: „Das ist guter Fußball, der hier gespielt wird. Nächstes Jahr gucke ich mir das in der zweiten Liga an.“ Sie sollten Recht behalten.

Nun soll es sich an dieser Stelle nicht um die Paderborner Rückkehr in die Zweitklassigkeit drehen, dafür aber um deren damalige Macher: Trainer Steffen Baumgart und Sportchef Markus Krösche. Zwei Männer also, die auch privat freundschaftlich verbandelt sind, die an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) mit ihren jetzigen Klubs, dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt, als Gegner aufeinandertreffen. Wichtig zu wissen: Wegweisend für Baumgart wie Krösche sollte eben jenes Paderborner Duell mit dem FC Bayern vor vier Jahren gewesen sein.

0:6? Na und?

Ein Rückblick: Steffen Baumgart hatte Zweifel. Zweifel daran, ob der Paderborner Weg, jener der bedingungslosen Attacke, im Pokalduell zwischen Drittligist und Rekordmeister doch eine Spur zu waghalsig sein könnte. Krösche, Liebhaber dieses Fußballstils, verneinte. Lieber Steffen, soll er in etwa gesagt haben, lass es uns einfach probieren. Und wenn’s schiefgeht, dann ist’s halt schiefgegangen. Es ging schief, 0:6. Und irgendwie auch wieder nicht. Denn Paderborn spielte erstaunlich gut, mutig, offensiv, hatte Chancen. „Spiel verloren, Herzen gewonnen“, titelte der „Spiegel“. Fortan zweifelten Baumgart und Krösche nie mehr ernsthaft an ihrer Spielidee.

Bis heute stehen sie für diesen Stil, sicherlich adaptiert an ihre jeweilige Umgebung, im Grundsatz aber sind sie ihm seither treu geblieben. Steffen Baumgart, das Unikum aus Rostock, einst Stürmer, ebenso wie DDR-Bereitschaftspolizist und ausgebildeter KFZ-Mechaniker, ist gerade dabei, den jahrelang taumelnden Tanker aus der Stadt am Rhein in ruhige Fahrwasser zu schiffen. Die Kölner spielen in der Premierensaison des 50-Jährigen erfrischend unbedarft. Der FC attackiert früh, provoziert Ballgewinnen weit in des Gegners Hälfte, ist trotz qualitativ durchwachsenem Personal guter Achter. Selbst der Europapokal scheint möglich. Dieselbe Mannschaft, die bei Überschreiten der Mittelllinie in der vergangenen Saison erzitterte, hat plötzlich ihr Selbstvertrauen entdeckt.

Der wieder erstarke Stürmer Anthony Modeste, gerade rechtzeitig für das Frankfurt-Spiel zurückgekehrt von einer Corona-Zwangspause, fungiert als Zielspieler eines zielstrebigen Teams. Zweifelsohne ist aber Mützenträger und Hundebesitzer Baumgart der Vater des aktuellen Kölner Aufschwungs.

„Steffen hält das Fußballspiel relativ einfach, bringt seine Taktik authentisch rüber. Die Jungs gehen für ihn durchs Feuer“, erklärte der ehemalige Weggefährte Krösche einst, betonte unlängst im FR-Interview bei allen Gemeinsamkeiten und gegenseitigem Respekt aber auch: „Wir sind dann doch komplett konträre Typen.“ Typen, die ohne den jeweils anderen kaum dorthin gelangt wären, wo sie jetzt sind.

...und Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche.
...und Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche. © dpa

Auch interessant

Kommentare