Torjubel! Siegesjubel! Auch Klassenerhaltsjubel? Vorbereiter Filip Kostic (links) und 1:0-Schütze André Silva. Foto: Reuters
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Torjubel! Siegesjubel! Auch Klassenerhaltsjubel? Vorbereiter Filip Kostic (links) und 1:0-Schütze André Silva. Foto: Reuters

Ilsanker trifft erstmals und doppelt

Großer Schritt für Eintracht Frankfurt zum Klassenerhalt

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Beim wichtigen 3:0-Erfolg von Eintracht Frankfurt beim SV Werder Bremen wird Stefan Ilsanker zum Matchwinner.

Es hätte sicherlich einen würdevolleren Rahmen geben können für das 100. Bundesligaduell zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt, als das nahezu menschenleere Weserstadion. Doch die Atmosphäre wird den Hessen nach einem verbissen geführten Geisterspiel zweier Traditionsvereine ziemlich egal gewesen sein: Mit einem 3:0 (0:0)-Erfolg beim Abstiegskandidaten von der Weser verbuchte die Eintracht einen vielleicht schon entscheidenden Dreier für den Ligaverbleib. „Wir haben auf jeden Fall eine Riesenschritt gemacht, wir sind jetzt zehn Punkte vor Bremen“, sagte Torhüter Kevin Trapp erleichtert, „jetzt wollen wir natürlich weitermachen.“

Der Ertrag aus den beiden Dienstreisen in den Norden – sechs Punkte in Wolfsburg und Bremen binnen fünf Tagen – hätte für die zuvor so auswärtsschwachen Frankfurter nicht besser sein können. Dem 1:0 von André Silva mit einem Kopfball (60. Spielminute) ließ der eingewechselte Stefan Ilsanker mit einem Doppelschlag noch das 2:0 und 3:0 (81. und 90.) folgen. „Bei meiner Torgefährlichkeit in den letzten Jahren haben sie mich wohl allein stehen lassen“, sagte Ilsanker mit einem Schmunzeln auf den Lippen und fügte dann ob seiner Premierentreffer in der Bundesliga an: „Das ist das Ketchupflaschen-Prinzip – erst kommt gar nichts, dann alles.“

Im Anschluss des Nachholspiels hatte es der Eintracht-Tross ausgesprochen eilig: Noch am selben Abend hob ein Charter vom Bremer Flughafen in Richtung Mannheim ab, um nur keine Nacht in fremden Betten zu verbringen. Ursprünglich hatte die Partie ja im Rahmen des 24. Spieltags am Sonntag, den 1. März stattfinden sollen, musste dann aber wegen einer Orkanwarnung für die Frankfurter Europa-League-Partie in Salzburg verlegt werden.

Eintracht-Trainer Adi Hütter vertraute bis auf eine Position sowohl beim Personal als auch bei der Taktik dem Befreiungsschlag in der Autostadt. Nur Almamy Touré ersetzte auf der rechten Außenbahn Timothy Chandler, ansonsten ließ der Österreicher die erfolgreiche Elf zusammen. Daichi Kamada und Mijat Gacinovic sollten die einzige Spitze Silva unterstützen.

Klassenerhalt rückt näher

Im Weserstadion herrschte zwar auf den Tribünen mit den verwaisten grün-weißen Schalensitzen das größtmögliche Kontrastprogramm zum Abstiegsendspiel vor vier Jahren, als die Hanseaten noch die Hessen in die Relegation entsandten, aber in der Intensität auf dem Platz boten sich sehr wohl Parallelen an. Gleich nach drei Minuten handelte sich der Bremer Bartels nach einem harten Einsteigen gegen Gacinovic die Gelbe Karte ein. Es sollte der Auftakt zu einer umkämpften Auseinandersetzung sein, wobei die Bremer Reservisten einen lautstarken Fantrupp spielten. Die Eintracht spielte durch Silva, der an Werder-Keeper Jiri Pavlenka, scheiterte die erste gute Gelegenheit heraus (11), ehe Torwart Trapp bei einem Distanzschuss von Davy Klaassen eingriff (15.).

Die anfangs sichtbaren spielerischen Vorteile der Frankfurter verpufften allmählich, als würde das Bremer Gewese auf Tartanbahn und Tribüne Eindruck machen. Auch Werder-Trainer Florian Kohfeldt betätigte sich dabei als Einpeitscher, der mit Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner aneinander geriet. Ähnlich zerfahren sollte das Geschehen auf dem Rasen werden.

So dauerte es lange bis zur nächsten aufregenden Szene: David Abraham hatte im Zweikampf mit Klaassen ziemlich töricht die Hand benutzt, so dass sich bei Schiedsrichter Patrick Ittrich der Videoassistent meldete. Eine ganze Weile währte die Unterbrechung aus dem Kölner Keller, so dass Ittrich auf dem Platz ausrief, um was es geht: „Wir müssen klären, ob es Abseits war.“ Die kalibrierten Linien ergaben – Glück für die Eintracht – eine knappe Abseitsstellung. Und damit hatten sich auch die Hoffnungen der Heimelf auf einen Elfmeter zerschlagen (38.).

Die Pause nutzte vor allem die Eintracht, um wieder besser in die Ordnung zu finden. Über die zentralen Stabilisatoren Makoto Hasebe und Sebastian Rode in Abwehr und Mittelfeld sollte der Kombinationsfluss verbessert werden. Doch gelang es den Gästen nicht, die weiterhin umkämpfte Partie mit längeren Ballbesitzpassagen zu prägen. Analog zu Durchgang eins sorgte ein Videobeweis für Spannung, als einem Treffer von Dominik Kohr wegen einer ebenfalls hauchzarten Abseitsposition die Anerkennung verweigert wurde (59.). Doch groß grämen musste sich die Eintracht nicht, denn nur eine Minute köpfte Silva ziemlich unbedrängt nach Klasseflanke von Filip Kostic unhaltbar in die Maschen. Der Vorsprung verlieh den Adlern ganz offenkundig Oberwasser. Gacinovic hätte nach einem feinen Solo eigentlich erhöhen müssen, schob die Kugel aber am Pfosten vorbei (72.).

Dass die Frankfurter in der Schlussphase weiterhin nach vorne spielten und nicht das eigene Tor verrammelte, sprach für deren Weiterentwicklung. Der Lohn: Der 19 Sekunden zuvor eingewechselte Ilsanker drückte nach einer Ecke und Kopfballverlängerung des ebenfalls von Hütter ins Spiel gebrachten Bas Dost das Spielgerät zur 2:0-Entscheidung über die Linie.

Dem Österreicher glückte nach einem weiteren Standard sogar noch das 3:0 – diesmal hatte Jonathan de Guzman geflankt. Verständlich, dass der Jubel entsprechend groß ausfiel. Die Eintracht hat in der Krise dem Druck stand gehalten und empfängt nun den FSV Mainz 05 zum Nachbarschaftsduell (Samstag 15.30 Uhr). Im Frankfurter Stadtwald kann das Abstiegsgespenst dann endgültig für den Rest dieser Geisterspielsaison verscheucht werden.

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