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Eintracht 1:1 gegen Barcelona: Großer Kampf ohne Happy End

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Der passt: Ansgar Knauff trifft per Traumtor zum zwischenzeitlichen 1:0.
Der passt: Ansgar Knauff von Eintracht Frankfurt trifft per Traumtor zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen Barcelona. © IMAGO/Jan Huebner

Die Eintracht feiert ein emotionales Fußballfest gegen den FC Barcelona, ergattert ein Remis und hat noch alle Chancen auf den Einzug ins Halbfinale der Europa League.

Frankfurt – Am Ende hat es für das Wunder, Teil eins, doch nicht ganz gereicht. Natürlich hatten sie alles versucht, die Frankfurter, sie hatten die Stadt mobilisiert, ach was, die ganze Region. Eine Viertelmillion Eintracht-Fans wollten hinein ins Waldstadion, um den Gladiatorenkampf gegen den Weltklub FC Barcelona zu erleben, letztlich durften nur 48.000 Menschen dem Spektakel beiwohnen. Und sie wurden nicht enttäuscht, es war ein rassiges Duell auf hohem Niveau, eine prickelnde Atmosphäre, mit Choreo angelehnt an die kürzlich verstorbene Klublegende Jürgen Grabowski („Auferstehen werden nur Götter“), es war eine Begegnung voller Leidenschaft und Adrenalin. Ohne Happy End. Aber mit der Aussicht darauf, am Donnerstag in einer Woche im legendären Camp Nou.

Zum Schluss hatte es nicht klappen sollen mit dem so wichtigen Heimsieg der Eintracht im Viertelfinalhinspiel der Europa League gegen den spanischen Topklub FC Barcelona. Mit einem 1:1 (0:0) im Rücken wird Eintracht Frankfurt in knapp einer Woche versuchen müssen, das Unmögliche möglich zu machen und Barca tatsächlich aus dem Wettbewerb zu werfen. Das Halbfinale bleibt das Ziel. 20.000, 25.000, 30.000 Fans werden dann in Spanien dabei sein und versuchen, ihr Team nach vorne zu peitschen. Die Eintracht, so viel ist klar, hat auf internationale Bühne mal wieder ein Ausrufezeichen gesetzt und den deutschen Fußball würdig vertreten. Selbst wenn es zum Sieg nicht gereicht hatte. Noch lange nach dem Abpfiff feierten die Fans ihre Mannschaft.

Eintracht Frankfurt gegen Barcelona: Kurzer Schreckmoment zu Beginn

Trainer Oliver Glasner entschied sich erwartungsgemäß für die Formation, der er schon in den vergangenen Wochen regelmäßig vertraute, baute also keine zusätzliche defensive Absicherung ein, lediglich die zuletzt in der Liga gesperrte Abwehrkante Martin Hinteregger ersetzte den Strategen Makoto Hasebe. Auch dies keine Überraschung.

Die Eintracht hatte zunächst einen kurzen Schreckmoment zu überstehen, als Ferran Torres nach genau zwei Minuten und 14 Sekunden abzog und Torwart Kevin Trapp den Ball über die Latte lenken musste. Das machte der Nationaltorwart unter den Augen von Bundestrainer Hansi Flick gewohnt souverän. Danach aber legten die Hausherren die Scheu ab und zeigten, dass sie sich keineswegs nur als Sparringspartner für die Glorreichen aus Katalonien, dekoriert mit allein fünf Champions-League-Titeln, sehen wollten. Schon nach fünf Minuten eröffnete sich dem rechten Läufer Ansgar Knauff eine prima Gelegenheit, Daichi Kamada hatte den Neuzugang mustergültig bedient, doch Knauff entschied sich dazu, den Ball noch einmal anzunehmen, statt direkt zu schießen: So wurde sein Schuss noch abgeblockt. Kann man besser machen, kann er besser machen, hat er dann auch besser gemacht, sehr viel besser.

Die noch sehr viel größere Gelegenheit hatte Djibril Sow nur drei Minuten später, Jesper Lindström spielte den Schweizer Internationalen mit einem klugen Rückpass frei, doch Sow schoss den Ball aus zehn Metern völlig freistehend mit seinem schwachen linken Fuß am linken Pfosten vorbei. Das war schon früh im Spiel die riesige Möglichkeit,die 100-prozentige gar, in Führung zu gehen. Und gerade, wenn man eine europäische Spitzenmannschaft wie den FC Barcelona in Bedrängnis oder letztlich gar zum Fallen bringen will, müssen solchen Chancen verwertet werden, denn allzu viele Hochkaräter wird man gegen Barca natürlich nicht bekommen. Darauf wies Coach Glasner noch vor der Partie eindrücklich hin: „Wir werden vielleicht zwei, drei, vier Chancen bekommen, da müssen wir dann effizient sein.“ Waren sie aber nicht die Frankfurter. Zumindest in der ersten Hälfte nicht.

Eintracht Frankfurt hatte Partie gegen Barcelona weitgehend im Griff

Erschwerend kam hinzu, dass der umsichtige und mit langer Leine wedelnder Schiedsrichter Srdjan Jovanovic einen zunächst gepfiffenen Strafstoß für die Hessen zurücknahm (39.). Sergio Busquets hatte mit langem Bein den Frankfurter Stürmer Rafael Borré zu Fall gebracht, doch er hatte zunächst die Fußspitze an den Ball gespitzelt – das hatte Schiri Jovanovic erst am Monitor in der Review-Area erkannt und den Elfer folgerichtig zurückgenommen.

Insgesamt aber hatte die Eintracht die Partie weitgehend im Griff, sie war sehr präsent und aggressiv, laufstark und mutig. Die Frankfurter zeigten den Spaniern sehr früh sehr deutlich, dass sie doch etwas mehr als das Standard-Programm abspulen würden müssen, um etwas mitnehmen zu können aus Frankfurt – doch dazu schienen die Katalanen lange nicht bereit. Es war alles andere als eine Offenbarung, was sie da auf den Rasen warfen, was auch Barca-Ikone Xavi sichtlich ärgerte. Der Trainer rief seine Mannen mehrfach zur Räson und beschwerte sich lautstark über die laxe Einstellung. Lange erfolglos.

Die Eintracht blieb ihrer Linie treu, auch im zweiten Durchgang. Sie attackierte den turmhohen Favoriten frech und mutig, sie setzte nach und immer wieder Nadelstiche. Lange dauerte es nicht, ehe diese Courage belohnt wurde: Nach einer abgewehrten Ecke von Filip Kostic sprang der Ball zu Ansgar Knauff, der die Kugel aus 20 Metern mit rechts in den Winkel des Barca-Tores jagte (48.). 1:0, das Waldstadion glich einem Tollhaus. Und vielleicht wären die Fans vollends eskaliert, hätte der freistehende Jesper Lindström nur eine Minute besser gezielt und den Ball nicht drüber, sondern in den Kasten geschossen.

Eintracht Frankfurt 1:1 gegen Barcelona: Für die SGE war mehr drin

So aber passiert das, was im Fußball so häufig passiert und was ein weit verbreitetes Phänomen ist: Mit der Führung im Rücken zog sich die Eintracht immer weiter zurück, überließ den Spaniern das Feld und sie das Spiel aufziehen. Da half es auch nicht, dass Eintracht-Coach Glasner mit den Armen ruderte und versuchte, seine Mannen wieder zu mehr Aktivität zu animieren und sie aus der eigenen Hälfte heraustreiben wollte. Barca übernahm die Kontrolle und kam schließlich auch zum Ausgleich nach einer traumhaften Kombination, die den Fußballliebhaber mit der Zunge schnalzen lässt: Nach Tiki-Taka in Reinkultur war es schließlich Ferran Torres, der den Ausgleich machte (66.). Die Eintracht behielt aber den Kopf oben, spielte wieder mutiger nach vorne und zeigte, dass sie nicht bereit war, den Gästen das Feld zu überlassen. Selbst als Verteidiger Tuta mit Gelb-Rot vom Platz musste (78.), stemmte sie sich leidenschaftlich gegen die nun drohende Niederlage. Am Ende hieß es 1:1 in einem Spiel, in dem für die Frankfurter mehr drin gewesen wäre - und nach dem sich der FC Barcelona nicht zu sicher fühlen sollte. Das Halbfinale hat diese Eintracht noch lange nicht abgehakt.

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