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Stenderas Torjubel zeigt, welche Steine da von den Schultern purzeln.
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Stenderas Torjubel zeigt, welche Steine da von den Schultern purzeln.

Marc Stendera

Der große Moment des Marc Stendera

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht-Mittelfeldspieler Marc Stendera ist der Mann des Tages, weil seine beiden Tore dem Spiel der Eintracht in Hannover die Wende geben.

Fünf Minuten vor dem Ende ging nichts mehr. Marc Stendera war bei einer letzten Grätsche auf die Hand gefallen, sie schmerzte. Dazu, räumte er hinterher ein, „war ich platt. Ich habe alles gegeben“. Immerhin spulte er 11,6 Kilometer ab, mehr als jeder andere Frankfurter. Marc Stendera wollte ausgewechselt werden. Unter dem Beifall der Eintracht-Anhänger trabte er vom Platz, zwei Treffer hatte er erzielt, und fünf Minuten und ein wenig Nachspielzeit später war es amtlich: Marc Stendera war der Matchwinner. „Er war der, der das Spiel entschieden hat“, lobte Trainer Armin Veh.

Kein Zweifel: Ohne Marc Stendera wäre Eintracht Frankfurt richtig in die Krise geschliddert, er hat die Partie in Hannover geprägt wie kein Zweiter. Kein Wunder, dass er unmittelbar nach dem Schlusspfiff noch „überwältigt“ war von den Reaktionen. Aber man hat schon bei seinem Torjubel gesehen, welche Steine da von Schultern gepurzelt waren.

Es war der erste Doppelpack „in meiner langen Karriere“, sagte er nach dem Spiel beim Frage- und Antwortspiel am Flatterband. Er hat ja erst 44 Bundesligaspiele auf dem Buckel und vor dem Spiel ganze drei Toe erzielt. Er hätte sich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können für seine beiden Tore. Es waren seine ersten in dieser Runde, nah dran war er auch schon im Heimspiel gegen Berlin, doch da krachte sein Schuss ans Lattenkreuz. Nie waren sie wertvoller als in dieser Phase der Saison, zwei Treffer, die der Eintracht Ruhe bringen sollten.

Marc Stendera, das große Talent, hat seine Chance eindrucksvoll genutzt. Noch vor einer Woche, beim 1:5-Debakel zu Hause gegen Borussia Mönchengladbach gehörte der 19-Jährige zu den Sündenböcken. Da wirkte er viel zu behäbig, kam nie in die defensiven Zweikämpfe, wirkte schlapp und pomadig. Er sollte das Spiel der Frankfurter ankurbeln, eine Aufgabe, die für ihn ein paar Nummern zu groß schien. Auch seine Position, auf der linken Seite in der Raute, fiel dem großen Paradigmenwechsel zum Opfer. In Hannover spielte der U19-Europameister von 2014 als zweiter Sechser neben Stefan Reinartz, aber deutlich offensiver.

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Und er spielte richtig gut. Selbst in der ersten, grottenschlechten Halbzeit war es allein Stendera, der sich wenigsten ab und an daran versuchte, für einen konstruktiven Spielaufbau zu sorgen. Das gelang nicht immer. Aber der Junge war wenigstens gut im Spiel. Ob er sich auf der Sechs wohler fühle, ist er hinterher gefragt worden. „Ich fühle mich überall wohl, so lange ich spielen kann.“ Er ist immer noch froh, überhaupt regelmäßig spielen zu können. Als Stammspieler, hat er im Sommer noch im FR-Interview gesagt, fühle er sich nicht, er wolle der Mannschaft nur helfen, und aufgeregt sei er weiterhin vor jedem Bundesligaspiel. Und dann kamen jene 15 Minuten, in denen Marc Stendera mit seinen beiden sehenswerten Treffern die Partie wendete. Es war die Viertelstunde des Marc Stendera. Es waren fast identische Treffer, einmal mit links von der Strafraumgrenze und nach einem schönen Haken zum 1:1, das andere Mal mit Wucht aus halbrechter Position. Beide Tore waren technisch anspruchsvoll und „richtig gut rausgespielt, keine Abstaubertore“, lobte Veh.

Beide Male wurden die Treffer mittels Kopfballablagen vorbereitet. Einstudiert war das nicht, räumte der Mittelfeldspieler ein, „das war eher Zufall“. Dafür waren die Abschlüsse richtig gelungen, es waren seine einzigen beiden Schüsse aufs Tor. Veh hat das nicht gewundert: „Er macht sich keinen Kopf.“ Später wollte Stendera seine beiden Tore nicht allzu hoch gehängt wissen, „der Sieg war wichtig“. Er lobte die Mannschaft, auf die er „stolz“ sei und die sich den Allerwertesten aufgerissen habe. „Jeder hat für den anderen gekämpft. Wir haben uns in jeden Zweikampf geschmissen.“ Auch Stendera ordnete sein Spiel sogleich dem Teamgedanken unter. „Wir haben zuletzt zu viele Gegentore gefangen, deshalb war die Devise, erst einmal hinten dichtzumachen.“ Deswegen hätten sich nur wenige Möglichkeiten zum Konterspiel geboten.

In den vergangenen Tagen hat Trainer Armin Veh seinem großen Talent immer wieder geraten, mehr den Abschluss zu suchen, torgefährlicher zu werden. „Wenn er auf der offensiven Sechs spielt, muss er mehr in den Strafraum rein.“ Diese Vorgabe hat Stendera vorbildlich erfüllt. „Das hat er gut gemacht“, lobte Veh. „Dafür kriegt er ein Extra-Schnitzel“, scherzte der Coach.

Das Bonmot hat einen Hintergrund: In der Vorbereitung hat Veh seinen Spieler, der ein Problem mit der Geschwindigkeit hat, angehalten, seine Ernährung umzustellen, um noch fitter zu werden. Das hat der 19-Jährige auch getan, er hat einen Ernährungsberater zu Rate gezogen – und isst jetzt auch vegan.

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