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Der große Eintracht-Plan

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Von: Ingo Durstewitz

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Sportvorstand Fredi Bobic (hier mit Sportdirektor Bruno Hübner, rechts), hat einen Plan ausgearbeitet, wie er die Eintracht für die Zukunft wappnen will.
Sportvorstand Fredi Bobic (hier mit Sportdirektor Bruno Hübner, rechts), hat einen Plan ausgearbeitet, wie er die Eintracht für die Zukunft wappnen will. © Imago

Eintracht Frankfurt hat seine Transferpolitik verändert, um erfolgreich zu sein. Der Verein versucht nun, Werte zu schaffen.

Die Diskussion um die Gesichter der Eintracht, die Säulen des Klubs und modernes Söldnertum wird in Frankfurt nicht seit Jahren hinweg regelmäßig geführt, aber nun zumindest schon den zweiten Sommer in Serie. Klar ist, dass der Durchlauf in Frankfurt schneller als an anderen Standorten und die Verweildauer kürzer ist. Die Zahl der identitätsstiftenden Spieler nimmt zudem ab, die der ausländischen Fußballer wächst. Was im Übrigen in keinem kausalen Zusammenhang steht, selbstverständlich können Spieler aus der Fremde genauso Idole sein oder werden wie hierzulande geborene Profis. Es geht eher um Zugehörigkeit, Treue und Identifikation, um Aushängeschilder und Galionsfiguren. 

Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing befeuert die Debatte in einem Gespräch mit dem „Kicker“: „Ich hätte gerne zwei, drei Figuren, mit denen sich die Kurve identifiziert. Die Truppe steht für einzelne Figuren, die der Held sind. Das fehlt momentan.“ Das ist korrekt. Fredi Bobic, der Sportvorstand, weiß das auch. Er nimmt diese Veränderung aber billigend in Kauf, weil der Weg alternativlos sei. In der „Bild“ verteidigt er seinen Kurs: „Dass sich die Kader verändern, damit haben sich die Fans heutzutage abgefunden. Spieler wechseln schnell von A nach B. Es ist normal, dass sich die Gesichter der Mannschaften verändern.“ 

Bobic hat die Eintracht binnen eines Jahres gewaltig umgekrempelt, auf allen Feldern, aber natürlich vor allem auf dem sportlichen Sektor. Die Mannschaft ist eine klassische Multi-Kulti-Truppe – wie sie besser zur Multi-Kulti-Stadt Frankfurt nicht passen könnte. Das hat wiederum nichts damit zu tun, dass die Sportliche Leitung keinen Wert darauf legt, deutsche Spieler zu verpflichten, das wäre Nonsens. 

Bobic betont bei jeder Gelegenheit, dass die Hessen immer zuerst den einheimischen Markt beobachten und versuchen, ihn abzugrasen. Doch gerade hier stößt die Eintracht an ihre Grenzen: Deutsche Spieler auf einem bestimmten Niveau seien viel zu teuer, zudem ist die Vertragsgestaltung schwieriger, weil die Berater sehr viel mehr Klauseln eingearbeitet haben wollen – nicht zum Vorteil des Vereins. Die Frage, wofür die Eintracht stehe, findet Bobic etwas merkwürdig: „Wir stehen für Bundesliga-Fußball – und zu unserem Verein, zu unserer Stadt.“ 

Wer genauer hinschaut, erkennt, dass sich die beiden sommerlichen Transferperioden unter Bobics Ägide voneinander unterscheiden. Vor einem Jahr war die Eintracht – aufgrund der üppigen Investitionen im Winter zuvor – dazu verpflichtet, einen Transferüberschuss zu erzielen. 

Die Folge war, dass viele Leihspieler kamen, die den Verein jetzt auch prompt wieder verlassen haben. Das ist nun anders, die Frankfurter haben fast alle Akteure fest verpflichtet oder aber eine Kaufoption nach dem Leihgeschäft vereinbart. „Jetzt wollen wir Substanz aufbauen“, sagt der Sportchef. „Wir haben jeden Spieler fest in der Hand.“ 

Bobic hat einen Plan ausgearbeitet, wie er die Eintracht für die Zukunft wappnen und weiter nach oben führen will. Diese Idee ist umstritten, und es ist unbenommen, dass ein Klub Ikonen braucht. Aber die Sportliche Leitung hat zumindest ein Konzept. Ob das verfängt, ist ungewiss. Viele Fehler dürfen sich die zwölf Scouts um Chef Ben-Manga nicht erlauben. 

Intern sind viele der Meinung, dass die Eintracht unter den vergangenen Jahren leidet, als sie es nicht schaffte, eine langfristige Perspektive mit einem klaren Konzept zu erarbeiten. Ganz sicher hatte es die Eintracht damals, nach dem Einzug in die Europa League, verpasst, die Mannschaft aufs nächste Niveau zu hieven. Die Chance dazu war gegeben. 

Der Verein versucht nun, Werte zu schaffen. Der Weg ist deutlich umrissen: Spieler für relativ viel Geld kaufen (wie jetzt Sebastian Haller für sieben und Jetro Willems für sechs Millionen) und sie für ein Vielfaches weiterveräußern. „Wir müssen Spieler für fünf, sechs Millionen verpflichten und sie für 35 Millionen abgeben“, sagte Finanzchef Oliver Frankenbach unlängst. Oder aber eigene Talente schmieden und zu Gold machen. Das Langzeit-Ziel ist so umrissen: Das Gehaltsgefüge sukzessive – und nicht rapide auf einen Schlag – nach oben schrauben und qualitativ gutklassige Spieler im nächsten Schritt dann langfristig an den Verein binden. Das können auch ruhig Profis sein, die mehr Identifikation in die Eintracht tragen.

Die Verantwortlichen wissen nämlich um die aktuelle Fluktuations-Problematik. Das zeigt auch das Einlenken bei Torwart Lukas Hradecky, der seinen Vertrag nicht nur erfüllen, sondern verlängern soll. Der Schlussmann ist einer dieser positiven Typen, die jeder Verein braucht. Leistungsträger, Führungsspieler und Publikumsliebling – das ist so ziemlich der Idealfall für Eintracht Frankfurt. 

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