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Hoch das Bein: Makoto Hasebe (vorne) und Co machen sich auf dem Rasen in Nikosia warm.

Limassol - Frankfurt

Die große Chance auf die nächste Runde

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Für Eintracht Frankfurt ist die Europa League mehr Segen als Fluch. Auf Zypern können die Hessen das Weiterkommen sichern. Sie sollten diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen.

Als die Frankfurter Entourage am Mittwoch am frühen Nachmittag nach einem knapp vierstündigen Direktflug die Insel der Aphrodite erreichte, umspielte die Reisegruppe angenehme 21, 22 Grad, ein leichtes Lüftchen wehte und die Zuversicht, schon am Donnerstagabend die Qualifikation für das Sechzehntelfinale der Europa League am 21. Februar nächsten Jahres in der Tasche zu haben, war mit Händen zu greifen.

Tatsächlich kann aktuell die Chance ja kaum größer sein, mit einem Sieg gegen Apollon Limassol im GPS Stadion zu Nikosia (18.55 Uhr/live Dazn) den so häufig zitierten Sack zuzumachen - noch vor den ausstehenden Spielen zu Hause gegen Olympique Marseille und, am letzten Spieltag, bei Lazio Rom. Beide Teams gelten als deutlich stärker als die Zyprioten, die vor 14 Tagen in Frankfurt glatt mit 0:2 unterlagen.

Die Europa League ist bislang aus Frankfurter Sicht eine prima Spaßveranstaltung. Drei Partien, drei Siege, 8:2 Tore und die schwersten Brocken schon mal aus dem Weg geräumt, dazu bislang bereits 4,63 Millionen Euro von der Uefa kassiert – die Zwischenbilanz fällt erfreulich aus und deutet rosarote Perspektiven an, die vor der Auslosung des Wettbewerbs nicht unbedingt vorherzusagen waren. Eintracht Frankfurt kann Europa, Eintracht Frankfurt hat diese besonderen Spiele auch zu etwas Besonderem genutzt.

Im Konzert der Größeren

Tatsächlich genießen die Frankfurter die internationalen Auftritte, selbst Stimmungskiller wie ein leeres Stadion zu Beginn in Marseille, schreckt niemanden ab. Im Gegenteil: „Wir freuen uns auf die Spiele“, hat Trainer Adi Hütter zuletzt nach dem 3:0-Auswärtssieg in Stuttgart gesagt, als die Frage nach der nächsten Herausforderung aufkam. Von Belastung, Mühsal oder Müdigkeit keine Spur. „Wir haben das nicht zum Thema gemacht.“

Aktuell haben die Hessen offenbar genau das richtige Maß gefunden zwischen des Festtagen auf europäischer Bühne und dem Schwarzbrot in der Liga. Die Eintracht führt ihre Gruppe H verlustpunktfrei an und steht in der Liga auf Platz fünf, beides war nicht wirklich erwartet worden. Insgesamt ziehen die Frankfurter aus ihren internationalen Auftritten mittlerweile viel an Substanz, vielleicht saugen sie daraus auch Honig.

Die zusätzlichen Spiele haben bislang noch keine negativen Auswirkungen auf die direkt folgenden Bundesligaspiele gezeigt: Nach dem Marseille-Spiel trotzte die Eintracht RB Leipzig zu Hause ein 1:1 ab, nach Rom gewann sie in Hoffenheim 2:1, nach Limassol spielten sie 1:1 in Nürnberg, da allerdings hingen die Frankfurter leicht durch. Fast sieht es so aus, als beflügelte die Europa League die Eintracht-Profis. Die vielen Spiele stecken die Hessen, körperlich auf einem guten Niveau, bislang erstaunlich gut weg.

Das war vor fünf Jahren beim letzten Europacup-Auftritt anders. Da brachen die Frankfurter in der Liga gewaltig ein, gerieten trotz (oder wegen) der prima Auftritte im Ausland zu Hause in Abstiegsgefahr. Allerdings waren die sportlichen Verantwortlichen beim letzten Mal auch der Auffassung, sofort nach den Spielen nach Hause zu fliegen - was zur Folge hatte, dass die Reisegruppe mitunter schon mal um 5.05 Uhr auf Rhein-Main gelandet war, und doch so gut wie kaum Schlaf gefunden hatte. Im Nachhinein hat sich diese Idee als nicht besonders gut entpuppt.

Statt noch eine Nacht vor Ort im Hotel zu verbringen, saßen die Kicker oft eine ganze Weile am Flughafen herum oder tingelten durch die Duty-Free-Shops, ehe die Chartermaschine weit nach Mitternacht endlich abhob. Vor fünf Jahren brachen die Frankfurter danach regelmäßig ein, kassierten allein in fünf Spielen in der ominösen 86. Minute Gegentore. Und mussten im Winter mit Alexander Madlung und Tobias Weis nachbessern. Da war Europa Fluch und Segen zugleich.

Fünf Jahre später sieht die Lage deutlich besser aus. Bislang ist Europa allein ein Segen, ohne negative Auswirkungen auf den Alltag. Und mit einem Sieg auf Zypern hätte die Eintracht endgültig Gewissheit, dass die Reise weitergeht. Zudem wäre der ganz große Druck erst einmal aus dem Kessel, die Eintracht hätte eine Etappe auf ihrem Weg bereits absolviert und könnte in der Tat in den dann noch ausstehenden Spiele Kräfte sparen.

Und wer weiß, ob man Marseille und Rom noch einmal auf dem falschen Bein erwischt. Auf der anderen Seite haben es Adi Hütter und das ganze Team geschafft, just diesen Druck zu einer beachtlichen Leistungsexplosion zu nutzen. Und da war es unerheblich, ob die Frankfurter als Außenseiter (wie gegen Marseille und Rom) oder als Favorit (gegen Limassol) ins Spiel gegangen sind. 

Die Gelegenheit ist günstig, vorzeitig für einen Paukenschlag zu sorgen und sich als einer der Ersten für die nächste Runde zu qualifizieren. Die Eintracht spielte weiter im Konzert der Großen mit, dann sogar bei den noch Größeren. Eintracht Frankfurt sollte diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen. Leichter wird es nicht mehr.

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