Solche Bilder gibt es vorerst nicht mehr: Goncalo Paciencia (Mitte) darf zurzeit wie alle Eintracht-Spieler seine Wohnung nicht verlassen.
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Solche Bilder gibt es vorerst nicht mehr: Goncalo Paciencia (Mitte) darf zurzeit wie alle Eintracht-Spieler seine Wohnung nicht verlassen.

Eintracht Frankfurt

Goncalo Paciencia: Allein am Main

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Eintracht-Stürmer Paciencia sehnt sich nach seiner Familie in Portugal, bleibt aber zuversichtlich.

Wann immer Goncalo Paciencia sich derzeit in seiner Wohnung von A nach B bewegt, vom Sofa in die Küche, von der Küche ins Bad, vom Bad ins Schlafzimmer, begleitet ihn ein treuer Freund. Einer, der zwar nicht besonders gesprächig daherkommt, sogar ganz im Gegenteil. Der auch gewiss nicht zu jenen Freunden im Leben gehört, die selbst in diesen öden Corona-Tagen noch Garanten für gute Laune sind, der aber sehr wohl in der Welt von Goncalo Paciencia eine immens wichtige Rolle einnimmt. Der Angreifer von Eintracht Frankfurt baut zurzeit mehr denn je auf die zuverlässigen Dienste seines Fußballs.

Diese Anekdote hat Paciencia gestern Mittag zugeschalteten Reportern in einer Telefonkonferenz erzählt, und selbst wenn er ein wenig übertrieben haben sollte und er doch den einen oder anderen Gang ohne sein liebstes Arbeitsgerät am Fuß vollführt, ist eines offensichtlich. „Ich vermisse den Fußball, die Jungs und das Zusammensein in der Kabine.“ Er schnicke mit seinem Kumpel, dem Ball, zwar immer ein bisschen in der Wohnung rum, „aber leider kann ich ihn ja niemanden zupassen“.

Die Profis des Frankfurter Fußballvereins dürfen sich seit vergangenen Donnerstag nur noch im eigenen Heim bewegen, zwei Spieler und zwei Mitarbeiter des engen Mannschaftsumfelds sind an Covid-19 erkrankt, woraufhin der Rest der Truppe sofort in eine vierzehntägige Quarantäne verabschiedet wurde. Keine Spaziergänge mehr, geschweige den Sport in der Natur oder am Stadion im Stadtwald. Stattdessen heißt es: Strampeln.

Die Tour de France – wenn sie denn stattfinden würde – wäre wohl ein lohnendes Ziel. „Wir arbeiten jeden Tag eine Stunde auf dem Fahrrad“, schildert Paciencia. Dazu gebe es Übungen auf Matten zur Kräftigung und Stabilisierung des Körpers, die die Fitnesstrainer der Eintracht ihren Spielern in Videos vorturnen. „Ich versuche, jeden Tag eine andere Routine zu haben“, erzählt Paciencia, „mal stehe ich früher auf und mache mir ausgiebig Frühstück, mal später, dann ist es eher ein Brunch. Mein Trainingsprogramm ziehe ich aber immer durch.“ Denn, so die freudige Erwartung des 25-jährigen Portugiesen: „Wenn die Krise vorbei ist, werden wir wieder Fußball spielen.“

Ein Profi durch und durch, der freilich klug genug ist, um über seinen eigenen Kosmos, die Fußballwelt, weit hinauszuschauen. „Fußball ist zweitrangig, an erster Stelle steht die Gesundheit der Menschen“, sagt der Mann mit dem Zopf, der normalerweise so viel lacht und strahlt, vor allem beim Blick in seine Heimat aber sorgenvolle Töne anstimmt. „In Portugal wird es gerade jeden Tag schlimmer.“ Er stehe immer in Kontakt mit seiner Familie, täglich, fast stündlich. „Sie sind alle okay, aber ich habe kein gutes Gefühl bei dieser Entwicklung.“

„Ich wäre gerne bei ihnen“

Daher wäre der Junggeselle natürlich gerne, und das ist nur allzu verständlich, derzeit lieber in Porto statt in Frankfurt, lieber bei seiner Familie als allein in der Stadt am Main. „Wenn ich die Wahl hätte, wäre ich natürlich jetzt gerne bei ihnen. Aber das geht nicht.“ Beschweren wolle er sich darüber aber nicht, so ist es nun mal, sagt Paciencia. Und außerdem gebe es Menschen, „denen es schlechter geht. Ich bin gesund.“ Und das zählt momentan.

Noch finde er ja auch genügend Zeitvertreib, berichtet Paciencia: Das ihm auferlegte Sportprogramm zum Beispiel, oder Zocken an der Konsole, Netflix, Telefonieren, Kochen, mit den Teamkameraden virtuell Quatsch verzapfen (vordringlich mit Timothy Chandler und Jonathan de Guzman). Auch schaue er sich Fußballspiele aus vergangenen Tagen in voller Länge an, zum Beispiel welche von 1994 und 95, in denen seinen Vater Domingos noch für den FC Porto stürmte.

Und falls das alles nicht mehr ausreicht, steht Goncalo Paciencia ja immer noch sein stiller, aber treuer Freund zur Seite, stets dazu bereit, durch die Bude gekickt zu werden – wohlgemerkt mit aller gebotener Fürsorge: „Eine Scheibe ist noch nicht kaputt gegangen. Ich habe ja auch eine gute Technik“, sagt Goncalo Paciencia, lacht und fügt an: „Mein Motto ist: positiv bleiben.“

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