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Frust: Haris Seferovic.

Haris Seferovic

Göttlicher Fuß

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Haris Seferovic vergibt Chancen am laufenden Band und muss nun mit Hausarrest rechnen. In der Hinrunde ist der Schweizer deutlich hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben.

Spät am Abend hat Haris Seferovic via Facebook einen kleinen Blick in sein Innerstes gegeben, verbunden mit den besten Wünschen für das neue Jahr. „Leck mich am A...! Was hatte ich heute für einen göttlichen Fuß“, schrieb er ironisch. Das konnte er sich leisten, denn seine vielen Fehlschüsse waren folgenlos geblieben. Hauptsache, „drei Punkte nach einer komplizierten Hinrunde. Danke Frankfurt.“

Unmittelbar nach Schlusspfiff, gerade erst hatte der Schweizer Nationalspieler seine fünfte glasklare Möglichkeit vergeben, war Seferovic nichts als ein Häufchen Elend. Zerknirscht saß er auf dem Hosenboden und konnte die Tränen nicht zurückhalten. Die Kollegen hielten kurz inne im Jubel und versuchten, ihn wieder aufzubauen. „Das hat mir geholfen“, sagte er.

Zuvor hatte der 23 Jahre alte Stürmer viele beste Möglichkeiten vergeben. Allein dreimal (52., 61. und 90.) war er mutterseelenallein auf den Bremer Torwart Felix Wiedwald zugelaufen, ein viertes Mal war Wiedwald gar nicht mehr im Tor, und einen fünften Hochkaräter vergab er, ebenfalls freistehend, indem er ausrutschte. Nicht auszudenken, wenn die Bremer noch zum Ausgleich gekommen wären, Haris Seferovic wäre der große Sündenbock gewesen. „Ich hätte drei Tore machen müssen. Aber der Ball wollte einfach nichts ins Tor rollen“, sagte der Stürmer nach dem Duschen. „Hätten wir 25 Punkte, hätte Haris heute zwei Buden gemacht“, sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. Immerhin schoss der Schweizer mit bosnischen Wurzeln allein siebenmal aufs Tor, so viel wie sonst keiner. Und er bereitete mit einer Energieleistung den entscheidenden 2:1-Siegtreffer durch Stefan Aigner vor. So konnte sich Seferovic zumindest mit dem Sieg trösten. „Mit den drei Punkten haben wir uns selbst beschenkt.“

In dieser Hinrunde ist Seferovic hinter den Erwartungen zurückgeblieben – wie die ganze Mannschaft. Drei Tore hat er erzielt, fünf Vorlagen gegeben. Im vergangenen Jahr hatte er zum gleichen Zeitpunkt sieben Mal getroffen. Auch gegen Bremen begann er stark, hatte in der Anfangsphase viele Bälle, fast jeder Angriff lief über ihn. Dann ließ er immer mehr nach. Dazu kam er im zweiten Abschnitt kaum noch aus dem Abseits heraus. Nun freut sich der 23-Jährige auf den Urlaub. Den wird er zu Hause verbringen, glaubt man seinem Facebookeintrag. „Vom Vater“ erwarte er jetzt „Hausarrest, weil ich heute blind war“.

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