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Hätte keinen Zentimeter kleiner sein dürfen: 1,90-Meter-Mann Sebastien Haller grätschte den Ball mit gestrecktem Bein ins Netz.

1. FC Nürnberg - Eintracht Frankfurt

Glückliche Punktlandung in Nürnberg

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Sebastien Haller rettet Eintracht Frankfurt nach dürftiger Leistung in Nürnberg mit seinem Tor in der Nachspielzeit einen Zähler.

Es war Sebastien Haller, der Eintracht Frankfurt ganz spät noch zu einem fast schon nicht mehr erwarteten Erfolgserlebnis verhalf und zu einem ordentlichen Gefühl an einem schlechten Tag. Als alle schon damit gerechnet hatten, dass die Hessen nach fünf Siegen hintereinander erstmals wieder verlieren würden, sprintete der Torjäger in den Fünfmeterraum und drückte die präzise Hereingabe von Danny da Costa mit dem rechten Fuß über die Linie - der glückliche 1:1 (0:0)-Ausgleich in der dritten Minute der Nachspielzeit.

„Wir können mit dem Punkt mehr als zufrieden sein“, sagte der ziemlich angefressene Frankfurter Torhüter Kevin Trapp wenige Minuten nach Abpfiff ins Mikrofon von TV-Sender Eurosport, „das war einfach schlecht von uns, das muss man so sagen. Ich weiß nicht, ob wir zu viel gewonnen haben und die Stimmung zu gut war. Wir dürfen nicht glauben, dass wir Nürnberg einfach so weghauen.“ Ähnlich äußerte sich auch Fredi Bobic, der Frankfurter Sportvorstand sprach von einem Auftritt, „mit dem ich überhaupt nicht zufrieden bin.“ Und: „Das Spiel war so mies wie das Wetter. Eiskalt.“

Bei nasskaltem, unangenehmen Wetter schien es den Frankfurtern lange Zeit etwas an der nötigen Kraft, damit verbunden auch an den letzten Konzentration zu mangeln, ehe sie sich in der Schlussphase noch einmal zu einer Energieleistung aufrafften. Der Aufsteiger aus Nürnberg investierte dagegen viel, spielte mit viel Herzblut und ließ die Frankfurter selten zur Entfaltung kommen. Nach 78 Minuten ging der Club durch Adam Zrelak in Führung.

Bei den Hessen, die nie an die Form der letzten Wochen anknüpfen konnten, machte sich der Kräfteverschleiß doch deutlich bemerkbar. „Es war eine intensive Woche“, sagte Mittelfeldmann Jonathan de Guzman, „wir waren mental und physisch ein bisschen müde.“

Zweifelsohne, die Beine waren schwer, und es dauerte lange, bis die Frankfurter Tormaschine in Gang kam. Aber dann war Haller entscheidend zur Stelle, das ist unbestritten eine erstaunliche Qualität. „So wie wir gespielt haben, haben wir einen Sieg nicht verdient“, sagte Trainer Adi Hütter. „Den Punkt, den man als glücklich bezeichnen kann, nehmen wir gerne mit.“

In der Anfangsphase waren die couragiert auftretenden Gastgeber sofort besser in der Partie. Kaum eine Minute war absolviert, da strich schon der erste Fernschuss am hessischen Gehäuse vorbei, in dem wieder Nationaltorwart Trapp stand.

Der Schlussmann, über dessen Einsatz noch ein Fragezeichen gestanden hatte, war rechtzeitig fit geworden; auch die leicht angeschlagenen Defensivkräfte da Costa und David Abraham hatten spielen können. Im Grunde hatte Eintracht-Trainer Hütter nur auf einer Position gegenüber dem Europa-League-Spiel vom Donnerstag einen Wechsel vorgenommen: Für Sebastien Haller stürmte Fünferpacker Luka Jovic.

Im ersten Abschnitt sah es lange danach aus, als müsse die Eintracht der Belastung durch die vielen Englischen Wochen Tribut zollen: Die Hessen wirkten zunächst nicht so spritzig, die Wege in die Spitze, die wehtuen, wurden nicht gefunden, oft wurden sie nicht einmal gesucht. 
Der Club freilich hatte zunächst das Heft des Handelns in der Hand; er kontrollierte die Partie, war ballsicher, spielte aus einer gut stehenden Abwehr heraus. Nach einer Viertelstunde hatte Trapp seinen ersten Auftritt, als er einen Fernschuss von Tim Leibold parierte, kurz darauf hatte er sogar Glück, dass ein Schuss von Törles Knöll vom Pfosten zurück ins Feld sprang. Der Club versteckte sich keineswegs, agierte mit viel Selbstvertrauen. Das zeigt vielleicht auch diese Tatsache, dass FCN-Trainer Michael Köllner noch 40 Minuten vor dem Anpfiff in aller Ruhe bei Eurosport die Situation beim Club erläuterte.

Eine knappe halbe Stunde benötigte die Eintracht, bis sich ihr eine erste Chance bot: Es war Jovic, der nach einer feinen Flanke von Filip Kostic, erneut sehr stark in Defensive und Offensive, den Ball bei seinem Fallrückzieher aber nicht traf. So richtig funktionierte die zuletzt so hoch gelobte Angriffsreihe nicht. Vor allem Ante Rebic rieb sich oft in unnützen Zweikämpfen auf, ihm versprangen viele Bälle, seine Abschlüsse waren schlampig. Negativbeispiel war der aussichtsreiche Konter in der 38. Minute, als der Kroate trotz Überzahlspiel der Eintracht aus dieser prima Gelegenheit zu wenig machte.

Am Spielgeschehen sollte sich auch in der zweiten Hälfte nicht viel ändern. Die Nürnberger blieben ihre Linie treu, suchten ihr Heil im Vorwärtsgang. Allerdings waren ihre Versuche nicht sonderlich zielgerichtet, ernsthaft in Gefahr brachten sie das Frankfurter Allerheiligste lange Zeit nicht. Dennoch wirkte die Eintracht weiter nicht sonderlich geradlinig. Von dem von Hütter propagierten „Powerfußball“ war lange Zeit wenig zu sehen, was angesichts der kurzen Regenerationszeit nicht verwunderlich war.

Knapp 25 Minuten vor dem Ende versuchte Hütter noch einmal, neue offensive Impulse zu setzen: Er wechselte Allan Souza für Mijat Gajinovic und Haller für Rebic ein. Doch in den letzten 20 Minuten bekamen die Nürnberger wieder mehr Zug nach vorne. Und kamen tatsächlich zum 1:0. Eine Flanke von Virgil Misidjan köpfte der kurz zuvor eingewechselte Zrelak ins Tor. Es schien die Entscheidung, doch in einem beeindruckenden Schlussspurt sorgte Haller noch für ein versöhnliches Ende an diesem nasskalten Tag. Und für die „Mentalität, die wir an den Tag gelegt“, zollte Hütter der Mannschaft trotz alledem noch ein Kompliment.

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