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Flugeinlage: Jan Zimmermann bei der Arbeit.
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Flugeinlage: Jan Zimmermann bei der Arbeit.

Promi-Tipp

Glücklich auf der Linie

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Jan Zimmermann spielte sowohl für die Frankfurter Eintracht als auch für die Lilien. Jetzt will er es bei 1860 München wissen.

Jan Zimmermann macht kein Hehl daraus, dass es ihm weh tut, wenn er auf die Bundesliga-Tabelle schaut und den SV Darmstadt 98 so weit abgeschlagen sieht. „Es ist extrem bitter, wie die Runde läuft“, sagt der mittlerweile auch schon 31 Jahre alte Torwart, der sich seit dieser Saison beim Zweitligisten 1860 München querlegt. Aber natürlich hängt sein Herz immer noch an den Lilien, „ich bin der größte Darmstadt-98-Fan“, sagt er. Man muss das verstehen: Zimmermann, in Offenbach geboren, hat vier Jahre in Darmstadt gespielt, er stand in 128 Begegnungen für die Lilien im Tor und gehörte zu jener Mannschaft, die das erste Kapitel in der wundersamen Geschichte des scheinbar ewigen Aufstiegs schrieb: Als die 98er die Relegation zur Zweiten Liga gegen Arminia Bielefeld in zwei denkwürdigen Spielen gewannen, stand „Zimbo“ bei den Blauen unter der Latte. Dann wechselte er zum 1. FC Heidenheim.

Dankbar für den Tritt

Er hat diesen Schritt in die Provinz nie bereut, obwohl danach das Märchen vom Böllenfalltor erst richtig Fahrt aufgenommen hat, ein Jahr später spielten seine Lilien sogar in der Ersten Bundesliga. „Ich hege keinen Neid oder Groll“, sagt er. Ohnehin sei schon lange klar gewesen, dass er Darmstadt verlassen würde. Er habe bis dahin sein ganzes Fußballerleben im Rhein-Main-Gebiet verbracht, darunter gut 16 Jahre bei Eintracht Frankfurt, für die er fünf Bundesligaspiele absolviert hat. „Ich wollte noch einmal was anderes erleben“, befindet er.

Für ihn war es der absolut richtige Schritt. Denn wer weiß, ob der Tumor in seinem Kopf rechtzeitig gefunden worden wäre, wenn er in Darmstadt geblieben wäre. Am 8. November 2014, im Spiel der Heidenheimer gegen den FC St. Pauli, hatte ihn Ante Budimir von St. Pauli bei einem Zweikampf mit dem Fuß am Kopf getroffen, er wurde ausgewechselt. Zimmermann zog sich eine Gehirnerschütterung zu, „nichts Weltbewegendes“, wie er damals sagte, ein paar Tage später trainierte er gar wieder. Der Heidenheimer Mannschaftsarzt Mathias Frey aber bestand auf einer MRT-Untersuchung zur endgültigen Abklärung. Zimmermann wollte erst nicht, legte sich dann doch in die Röhre. Plötzlich war sein Leben nicht mehr dasselbe: In der Schnittstelle zwischen Kleinhirn und Hirnstamm hatte sich ein Tumor eingenistet. Am 26. November wurde Zimmermann operiert, der Tumor war gutartig.

Dieser Schicksalsschlag hat sein Leben nicht grundlegend geändert, sagt Zimmermann, er sei ohnehin stets ein positiver Mensch. „Es ist ein Mahnmal, ein Antrieb, das Leben zu genießen. Wenn man so etwas überleben darf, dann muss man das Leben positiv sehen. Ich bin dankbar und stehe jeden Tag glücklich auf. Und wenn jetzt bei einer harten Trainingseinheit ein paar Spieler zu stöhnen beginnen, muss ich immer anfangen zu lachen.“

1860 ist ein unruhiger Verein

Zimmermann hat viel, viel Schlimmeres überstanden. Jedes Jahr muss er weiterhin zur Kontrolle, er gilt als gesund und ist längst wieder ins Tor zurückgekehrt. Und irgendwie ist er Ante Budimir, der inzwischen bei Sampdoria Genua kickt, dankbar für den Fußtritt – ohne ihn hätte man den Tumor womöglich nicht mehr rechtzeitig entdeckt. „Den Namen Ante Budimir werde ich mein Leben lang nicht vergessen.“

Mittlerweile steht Zimmermann bei 1860 München im Tor, sein alter Trainer aus Darmstadt, Kosta Runjaic, hatte ihn geholt. Von Heidenheim zu den Löwen – „das ist schon ein dramatischer Unterschied“, sagt Zimmermann. Größer könnte er nicht sein. „In München ist extrem viel los, es ist ein extrem unruhiger Verein mit hohen Ansprüchen.“ Zuletzt hat Zimmermann seinen Platz im Tor an Stefan Ortega verloren, nachdem er in den ersten 13 Spielen regelmäßig gespielt hatte.

Übergangstrainer Daniel Bierofka hatte sich nach dem Rauswurf von Runjaic entschieden, Ortega ins Tor zu stellen. „Ihn kannte er von früher, mich nicht“, sagt Zimmermann. Und als dann der neue Coach, der Portugiese Vitor Pereira, kam, hatte er keine Veranlassung, einen erneuten Torwartwechsel vorzunehmen. „Ich bin kein Typ, der den Kopf in den Sand steckt“, sagt Zimmermann, er wolle jetzt im Training alles daran setzen, den Trainer davon zu überzeugen, dass er in die Kiste gehört.

Schlechte Stimmung wird Jan Zimmermann deswegen nicht verbreiten, dafür hat er viel zu viel erlebt.

Sein Tipp: 1:1

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