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Fans aus Frankfurt brennen auf der Tribüne Pyrotechnik ab.

Kein Fan-Ausschluss

Eintracht Frankfurt kommt mit einem blauen Auge davon: Uefa verhängt nur Geldstrafe

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Die Uefa verurteilt Eintracht Frankfurt aufgrund der Vorkommnisse in Mailand zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro.

Kurz nach 15 Uhr erreichte Eintracht Frankfurt am Donnerstag die unerwartete, aber für den Klub überaus frohe Botschaft aus Nyon: Die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Uefa hat den hessischen Bundesligisten nicht, wie befürchtet, zu einem Zuschauerausschluss beim nächsten Auswärtsspiel in der Europa League gegen Benfica Lissabon verurteilt. Stattdessen erhalten die Frankfurter eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro, zudem wurde der Bewährungszeitraum für eine mögliche Ausschlussstrafe um weitere zwölf Monate von zwei auf drei Jahre verlängert. Für die Partie am 11. April (21 Uhr) in Portugal erhalten die Hessen demnach 3200 Eintrittskarten, fast 65.000 Zuschauer fasst das Lissabonner Estadio da Luz.

Damit ist Eintracht Frankfurt erneut mit einem sehr blauen Auge davongekommen. Allenthalben war selbst beim Klub damit gerechnet worden, dass die Eintracht, die einschlägig vorbelastet ist und auf Bewährung spielte, nach den Vorkommnissen in Mailand in der nächsten Begegnung auf die Unterstützung ihrer Fans verzichten muss. Drei Raketen waren gezündet worden, zudem zehn bis 15 Bengalos, und damit war eine Gefährdung von Menschen durch Pyrotechnik gegeben. 

Die Hoffnung, noch einmal ohne eine saftige Strafe davonkommen zu können, war bestenfalls als „vage“ verortet worden. Vor allem, weil die Uefa im ersten Urteil nach den Vorfällen in Rom glasklar festgestellt hatte: Sollten ähnliche Dinge noch einmal passieren, also das Abbrennen von Pyrotechnik, sei ein Fanausschluss für das nächste Spiel zwingend gegeben. „Wir dürfen uns nichts mehr erlauben, das haben wir nun schwarz auf weiß“, sagte damals Vorstand Axel Hellmann.

Eintracht Frankfurt muss sich Gedanken machen

Umso größer war darum die Freude und Erleichterung in Frankfurt. Nicht nur Eintracht-Vorstand Hellmann, der derzeit im Urlaub in Abu Dhabi weilt, waren viele Steine von der Seele gepurzelt: „Wir können uns glücklich schätzen, dass man uns noch diese letzte Chance gelassen hat. Ich habe die große Hoffnung, dass nun jeder begriffen hat, wie mit dieser Verantwortung umzugehen sein wird“, ließ sich der 47-Jährige zitieren. Und weiter: „Wir werden nach Abschluss dieses Wettbewerbs – wann immer er für uns beendet sein sollte – intern gemeinsam mit der Fanszene diskutieren, wie es mit Blick auf zukünftige europäische Wettbewerbe weitergeht, um nicht wieder vor einem Zuschauerausschluss zu stehen.“

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In der Tat sollte sich der Klub ernsthafte Gedanken machen, wie er dieses Problem in Zukunft zu lösen gedenkt - gerade auch weil absehbar scheint, dass Eintracht Frankfurt auch fürderhin international spielen wird. Es kann ja nicht sein, dass von Spieltag zu Spieltag die Verfehlungen einzelner, weniger Eintracht-Fans vor Gericht in der Schweiz verhandelt werden müssen. Über kurz oder lang würde das dann in einem (vorübergehenden) Ausschluss der Mannschaft von den europäischen Wettbewerben enden - von den finanziellen Einbußen und einem Imageverlust ganz zu schweigen.

Seit Jahren bekommt Eintracht Frankfurt einen kleinen Teil seiner Fanszene nicht in den Griff, die sich trotz klarer Vorgaben an Absprachen nicht hält. In Mailand etwa, das hatten auch die Ultras untereinander so abgesprochen, sollten unter keinen Umständen Raketen gezündet werden. Immerhin distanzierten sich nach der Zündelei sofort das Gros der etwa 15.000 mitgereisten Anhänger von diesen Chaoten. Selbst die Ultras Frankfurt entschuldigten sich für diesen Vorfall und hatten „interne Konsequenzen“ angekündigt.

Kommission erlässt eine „Lex Eintracht“

Das Urteil war der Eintracht am Donnerstagnachmittag ohne Begründung zugestellt worden. Das ist bei derartigen schriftlichen Verfahren nicht unüblich. Offensichtlich hat die Disziplinarkommission in Nyon der Argumentationslinie der Eintracht folgen wollen. Die Ächtung der Raketenabschüsse durch die Ultras war offensichtlich genauso ein Plus wie das friedliche Auftreten der 15.000 Fans im Vorfeld in Mailand. Da sei „nicht mal eine Espresso-Tasse kaputt gegangen“, hatte Sportanwalt Christoph Schickhardt, dessen Kanzlei mit dem Fall betraut war, dieser Tage gesagt. 

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Dennoch hat sich die Uefa vermutlich auch deswegen ein Stück weit verbogen, weil die friedfertigen Anhänger von Eintracht Frankfurt diesen Wettbewerb wie kaum andere bereichern und aufwerten. Ein wenig hat die Kommission auch eine „Lex Eintracht“ erlassen. Allerdings produziert die Eintrachte mit ihren phantasievollen Choreographien genau die tollen, bunten Bilder, die die Uefa natürlich gern sehen möchte und auch zur Aufwertung ihres im Schatten der Champions League stehenden Wettbewerbs so dringend notwendig braucht.

Dazu nehmen die Frankfurter die Spiele in der Europa League ernst, anders als viele andere Klubs, die teilweise ihre Spieler schonen. Und schließlich sind die Stadien voll, wenn Eintracht Frankfurt dabei ist - zu Hause sogar, ohne dass überhaupt bekannt war, wann und gegen wen die Hessen spielen. Und die Stimmung ist prima. All dies dürfte für die Frankfurter gesprochen haben – und diese Argumente hat die Uefa ganz offensichtlich höher angesiedelt als ihr eigenes, erstes Urteil. Nun muss sich freilich Anwalt Schickhardt beim Wort nehmen lassen, der sich genau dieses Urteil gewünscht hatte: „Ich verbürge mich für diese Fans, dass in Lissabon nichts passiert.“

Adi Hütter erhält keine weitere Strafe

Trainer Adi Hütter, der im Heimspiel gegen Inter Mailand auf die Tribüne verbannt und ein Spiel gesperrt wurde, wird derweil keine weitere Strafe erhalten. „Mit der Sperre beim Auswärtsspiel in Mailand ist die Strafe gegen Cheftrainer Adi Hütter offiziell abgegolten“, teilte die Eintracht mit.

Donezk bestraft

Schachtjor Donezk ist nicht so glimpflich wie Eintracht Frankfurt davongekommen. Der ukrainische Spitzenklub wurde am Donnerstag von der Uefa wegen rassistischer Vorfälle und gezündeten Feuerwerkskörpern beim Heimspiel in der Europa League am 14. Februar gegen die Eintracht in Charkiw zu einem Teilausschluss der Fans verurteilt. Beim nächsten Spiel muss im Sector 13 ein Uefa-Banner mit dem Motto #Equal Game angebracht werden. Zudem wurde der ukrainische Meister zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro verdonnert. (FR)

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