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Eintracht Frankfurt
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Glasner (r.) und Angerschmid (l.) gemeinsam an der Seitenlinie. (Archivfoto)

SGE-Trainer

Oliver Glasner holt alte Weggefährten zur Eintracht – Das birgt Risiken

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Der neue Frankfurter Trainer Oliver Glasner schart alte Weggenossen um sich, denen er blind vertraut. Das liegt auf der Hand, birgt aber auch Gefahren – wie in Wolfsburg zu sehen.

Frankfurt - Der ewige Assistent Armin Reutershahn, vor Jahren mal als „Mutter aller Co-Trainer“ bezeichnet, hat insgesamt zehn Jahre als rechte Hand der Cheftrainer bei Eintracht Frankfurt verbracht. Erst unter Friedhelm Funkel, von 2004 bis 2009, dann noch einmal von 2016 bis jetzt, erst unter Niko Kovac, später mit Adi Hütter. Zuletzt hatte es sich so eingespielt, dass drei Co-Trainer dem Chef assistierten, in den vergangenen drei Jahren noch Christian Peintinger. Und in dieser Zeit ist bei Armin Reutershahn die Erkenntnis gewachsen, dass man auch künftig beruflich zusammenarbeiten werde, man habe sich sportlich und menschlich bestens verstanden. Da ist was zusammengewachsen, was kein Wunder ist, weil Trainer sehr viel Zeit miteinander verbringen, sei es auf dem Platz, sei es in Analyse-, Video- oder Spielersitzungen. Zuweilen mehr als mit ihren Familien. So was schweißt zusammen. Der Wechsel mit den beiden Österreichern zu Borussia Mönchengladbach war für den inzwischen 61 Jahre alten Reutershahn ein logischer Schritt.

Seit einiger Zeit geht der Trend dahin, dass Cheftrainer den engsten Mitarbeiterstab zum neuen Arbeitgeber mitbringen. Früher war es meist nur ein Co., mittlerweile sind es mindestens zwei fleißige Helferlein, die mehr tun als Hütchen aufzustellen. Inzwischen sind Trainer in den Trainingseinheiten häufig in einer reinen Beobachterwarte, das eigentliche Training und die Inhalte vermitteln Co- und Athletiktrainer. Diese Arbeitsteilung macht Sinn in einer immer komplexer werdenden Trainingsbetrieb mit oft 22 bis 24 Spielern.

Auch der fachlich einen hervorragenden Ruf genießende neue Frankfurter Coach Oliver Glasner, 47, bringt seine Vertrauten mit in den Stadtwald, seine Landsleute Michael Angerschmid, 46, und Ronald Brunmayr, 46, langjährige Weggefährten. Alle drei, die bei der Eintracht Verträge bis 2024 unterschrieben, haben lange gemeinsam bei der SV Ried in Oberösterreich gespielt und trainiert. Angerschmid wurde Interims- und später Co-Trainer, als Glasner noch aktiv war.

Eintracht Frankfurt: Team im Team

2014 übernahm Glasner das Traineramt bei der SV Ried von Angerschmid. Ein Jahr später liefen die Wege der beiden beim Linzer ASK wieder zusammen – und trennten sich seither nicht mehr. Die letzten sechs Jahre coachten sie vertrauensvoll gemeinsam knapp 250 Spiele – mit Erfolg: Den LASK führten sie in die Europa League, das Duo Glasner/Angerschmid mit Unterstützung von Landsmann Thomas Sageder, der jetzt eine Auszeit nimmt, den VfL Wolfsburg in die Champions League. Auch Brunmayr, Ex-Profi und achtfacher österreichischer Nationalspieler, kennt Oliver Glasner seit vielen, vielen Jahren, auch er spielte in Ried und coachte beim LASK, auch mal die zweite Mannschaft, vornehmlich aber die Jugend. Zuletzt trainierte der 46-Jährige den Zweitligisten Blau-Weiß Linz.

Trainer Oliver Glasner ist daran gelegen, möglichst enge Vertraute um sich zu scharen, Menschen, denen er bedingungslos vertraut, denen er womöglich auch freundschaftlich verbunden ist. Das liegt auf der Hand, wenn man derart intensiv zusammenarbeitet. Da muss man sich auf seine Mitstreiter verlassen können. Zudem soll der 47-Jährige kein Freund von Widerspruch sein.

Diese Geschlossenheit birgt die Gefahr, dass sich der Trainerstab abkapselt, sich als eigene Einheit betrachtet, in die kaum ein Außenstehender Zutritt erhält. Dies war, so heißt es aus Insiderkreisen, ein Problem beim VfL Wolfsburg: Die drei Österreicher galten als verschworener Haufen, an den kaum einer herankam, auch nicht mit gut gemeinten Ratschlägen, nicht einmal Sportgeschäftsführer Jörg Schmadtke. Die Kommunikation mit Glasner soll auf das allernötigste beschränkt gewesen sein. Wie es hieß, lebte diese Clique in Wolfsburg beinahe in einer eigenen kleinen Welt. Zuweilen wirkten sie wie ein Team im Team, ließen sich nicht in die Karten blicken. Das kam bei der Sportlichen Führung und bei Teilen der Mannschaft nicht so gut an; erst unlängst hat VfL-Kapitän Josuha Guilavogui öffentlich schmutzige Lieder über Glasner gesungen.

Dass man auf neuen beruflichen Stationen gerne auf alte Weggenossen vertraut, macht auch beim Sportvorstand nicht Halt: Markus Krösche brachte aus Leipzig Timmo Hardung als Leiter der Lizenzspielerabteilung mit und stellte Ole Siegel als persönlichen Referenten ein. Der 31-Jährige war bis Sommer 2020 für die Profis des SC Paderborn verantwortlich – jener Klub, für den Krösche 13 Jahre tätig war. Den eigenen Leuten vertraut man eben mehr. (Thomas Kilchenstein)

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