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Glasner warnt vor Überheblichkeit

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Von: Ingo Durstewitz

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Gibt klare Anweisungen: Trainer Oliver Glasner. Foto: dpa
Gibt klare Anweisungen: Trainer Oliver Glasner. Foto: dpa © dpa

Der Eintracht-Trainer hat eigentlich ein gutes Gefühl bei seiner neuen Mannschaft, wird aber dennoch nicht müde, vor einer zu laxen Haltung zu warnen

Oliver Glasner ist ein feinfühliger Mensch, empathisch, einer, der Schwingungen schneller empfängt als andere. Trotzdem hat der Eintracht-Trainer in diesen erst kühlen und nun brütend heißen Tagen im oberösterreichischen Windischgarsten die Antennen noch ein bisschen weiter ausgefahren als sonst, damit ihm nichts entgeht. Er spüre schon sehr genau, ob einer die Nase ein bisschen zu hoch trägt ob des historischen Triumphs von Sevilla und Fünfe mal gerade sein lassen. „Ich bin da hochsensibel“, sagt der 47 Jahre alte Fußballlehrer. Und tatsächlich habe er bei dem einen oder anderen zarte „Anflüge gespürt“. Dann kann er auch anders, der nette Herr Glasner, „dann werde ich laut.“

Prinzipiell aber, und das ist ihm sehr wichtig, sei er hochzufrieden mit dem, was sein Team in der einen Woche in den Kalkalpen angeboten habe. „Es ist die Bestätigung dessen, was ich erwartet habe.“ Nämlich Spieler, die sich „nicht schonen“ und „eine hohe Intensität“ an den Tag legen, die nicht so wirken, als sei der Kopf noch immer verdreht. Zumal nun, nach zwei Wochen Training am Stück, so langsam Beine und Kopf müder werden. „Die Herausforderung ist dann, nicht zu jammern, sondern sich dem stellen.“ Das habe seine Truppe gemacht. Wie immer eigentlich. „Das Gradmesser dafür ist das Training. Da sehe ich, wie sich die Jungs geben.“

Glasner ist der festen Überzeugung, dass die neu hinzugekommenen Fußballer für Bewegung und Dynamik im Kader sorgen. „Die Konkurrenzsituation sorgt für Druck.“ Keiner könne sich ausruhen, die Sinne sind geschärft. Durch Zugänge wie Mario Götze, Lucas Alario, aber auch Randal Kolo Muani habe das Ensemble einen Qualitätszuwachs erhalten, keine Frage, doch der Coach schränkt umgehend ein. „Wir werden jetzt nicht mit erhobenen Händen durch Frankfurt laufen und uns feiern, weil wir Riesentransfers getätigt haben“, sagt er. „Papier und Namen schießen keine Tore. Nur weil wir Europa-League-Sieger sind, heißt das nicht, dass wir es nächstes Jahr wieder werden. Nur weil einer 2014 das WM-Tor geschossen hat, bedeutet es nicht, dass er jetzt 15 Tore in der Bundesliga schießt.“

Glasners Botschaft: Was war, ist nichts wert. Was kommt, liegt in deinen Händen (Füßen). „Du musst dich in jedem Spiel beweisen. Wir haben Qualität, aber die müssen wir auf den Platz bringen. Was vor einem Jahr, fünf oder acht Jahren war, hilft uns in der neuen Saison nicht weiter.“ Der Trainer ist wachsam. Er weiß, wie schnell das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlägt, zumal die Eintracht mit anderen Augen gesehen und gejagd wird. Weshalb er die Losung ausgibt, bei sich zu bleiben, im Hier und Jetzt, und sich nur mit dem zu befassen, was sich aktuell beeinflussen lässt. „Für uns ist nicht wichtig, was in einem Jahr sein wird. Das weiß ich nicht.“ Die nahe Zukunft lässt sicher eher planen.

Die Zusammenstellung des Kaders lässt in Glasner allerdings sehr wohl die Hoffnung gedeihen, dass sein Team gewappnet sein wird für „die großen Challenges“, denn gerade in der Offensive ist die Mannschaft zweifelsfrei aufgepimpt worden. „Wir haben jetzt eine andere Variabilität“, sagt der Österreicher und schürt den Kampf um die Plätze. Die etablierten Kräfte hätten „weder einen Vorsprung noch einen Nachteil“, es gehe ausschließlich darum, „wer ist besser oder wer harmoniert besser oder wer passt besser zum Gegner“. Die Idee ist klar: Die Mannschaft soll nicht mehr so leicht auszurechnen sein, und dem Coach soll die Möglichkeit gegeben werden, situativ und doch vorausschauend handeln zu können. „Es gibt Spieler, die passen besser zu einem Gegner wie Magdeburg und andere besser zu einem wie Bayern oder Real Madrid.“ Diese neue Personalsituation will er jetzt, auch im Hinblick auf die hohen Belastungen, die auf die Eintracht warten, ausnutzen. „Ich schaue, welches Profil passt besser zu wem.“

Das war in der vergangenen Saison anders, da spielten stets dieselben, weil die Hinterbänkler zwar den Druck im Training hochhielten, aus verschiedensten Gründen aber ihre Leistung nie im Spiel abrufen konnten. Ein Freifahrtschein für die Dauerspieler. Das reichte in der Bundesliga nicht mehr, nur Platz elf, aber sehr wohl zum grandiosen Titelgewinn in Spanien.

Und in der neuen Saison? Glasner blickt so weit gar nicht voraus, das ist für ihn Kaffeesatzleserei. Doch Bayern, Dortmund, Leverkusen, Leipzig, nein, die werde die Eintracht eher nicht einholen. „Ich glaube nicht, dass sich Hierarchien so schnell verschieben werden“, bekundet der Trainer. Die Finanzkraft sei da nun mal entscheidend.

Vielmehr lenkt er den Blick aufs Wesentliche, versucht, fast schon verzweifelt, den Fokus auf das erste Pflichtspiel im Pokal beim 1. FC Magdeburg zu lenken. Als er am Donnerstag von einem österreichischen Journalisten zum Auftaktprogramm gegen Bayern und Real Madrid gefragt wurde, lächelte Glasner hintergründig: „Magdeburg ist auch ganz gut.“ Glasner ist das Pokal-Aus vor einem Jahr in Mannheim noch immer in „schmerzvoller“ Erinnerung. Deshalb sagt er deutlich: „Unsere Ausrichtung ist ganz klar so, am 1. August in Magdeburg in Bestform zu sein.“

Bis dahin ist gar nicht mehr so viel Zeit, weshalb der Coach seine Mannen in jedem Training bis zum Abwinken fordert, oft unterbricht, erklärt und analysiert. Fehler verzeiht er gerne, auch am Freitag (14.30 Uhr) im Testspiel in Bad Wimsbach gegen den FC Turin. „Du lernst auch, wenn etwas nicht funktioniert“, sagt er. Gerade die Neuen müssten noch Abläufe automatisieren und verstehen, „wie wir agieren wollen“.

Eines ist dem Fußballfachmann weiterhin ein Dorn im Auge, die fehlende Effektivität und das Verhalten im letzten Drittel. „Da haben wir bei aller Qualität noch Luft nach oben. Wir kreieren viele schöne Momente, aber der Abschluss ist nicht gut. Das, was die Jungs investieren, steht in keiner Relation zum Output.“ Doch Glasner, der Perfektionist, wird nicht locker lassen: „Ich gebe nie Ruhe.“

Der Eintracht-Trainer hat eigentlich ein gutes Gefühl bei seiner neuen Mannschaft, wird aber dennoch nicht müde, vor einer zu laxen Haltung zu warnen

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