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Glasner streichelt sein Eintracht-Team

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Eines seiner leichteren Tore: Rabdal Kolo Muani schießt den Ball aus einem Meter ins leere Tor.
Eines seiner leichteren Tore: Rabdal Kolo Muani schießt den Ball aus einem Meter ins leere Tor. dpa © dpa

Vor dem „grandiosen Spiel“ gegen den SSC Neapel entledigt sich die Frankfurter Eintracht sehr souverän und professionell ihrer Pflichtaufgabe.

Natürlich war, kaum war der graue Alltag bewältigt, schon der nächste Gegner das Thema, der bekanntlich immer der schwerste ist. Dieses Mal stimmte die leicht abgedroschene Plattitüde allemal, der SSC Neapel, hoch dekorierter Kontrahent an diesem Dienstag in der Champions League und im Stadtwald, dürfte um eine Kleinigkeit widerborstiger auftreten als das Werder Bremen am frühen Samstagabend tat. Entsprechend routiniert wurde der sehr harmlose Bundesliga-Zehnte am 21. Spieltag erst 2:0 (1:0) geschlagen und dann vergessen. Vermutlich erinnert sich schon in einer Woche kaum noch jemand an diese 90 Minuten, in denen Eintracht Frankfurt sich im Kern darauf beschränken konnte, die Tore rechtzeitig zu schießen, Kräfte zu sparen und die Partie „kontrolliert nach Hause“ zu bringen, wie Trainer Oliver Glasner resümierte. „Unser Plan ist voll aufgegangen“, fasste der in die Startelf zurückgekehrte Ansgar Knauff das Spiel zusammen. Er und Philipp Max auf der anderen Seite bildeten eine starke Flügelzange (siehe Bericht auf Seite S2).

Wie die Eintracht diese Bundesligapartie angegangen war, sprach sehr für ihre Professionalität und Seriosität. In keiner Phase des Spiels hatte man den Eindruck, dass etwas anderes als die Liga in den Köpfen der Frankfurter steckte, keine Champions League, kein Neapel, keine Vorfreude auf den großen Tag am Dienstag, wenn erstmals in der Vereinsgeschichte ein Achtelfinale in der Königsklasse aufgerufen wird. Aber auch keine Überheblichkeit, kein Laissez-faire. Die Hessen spulten sehr erwachsen, sehr abgehangen ihr Pensum herunter, erledigten den Job. Und taten das mit einiger Souveränität - allerdings auch ohne zu glänzen. Wie ernst sie das nahmen, zeigte eine kleine Szene in der Nachspielzeit: Da sprang Glasner fuchsteufelswild in seiner Coaching-Zone umher, stand bald vor Ärger auf dem Rasen, schimpfte wie ein Rohrspatz, weil ihm ein, zwei lässige Aktionen der Einwechselspieler Faride Alidou und Rafael Borré nicht gefallen hatten.

Dass Glasner hinterher seine Truppe einen Ticken zu überschwänglich lobte, von einem „tollen Auftritt“ sprach, von „Bravour“ und „großartig“ sowie einer rundherum „sehr zufriedenen“ Vorstellung, mag damit zusammenhängen, dass er noch ein paar Streicheleinheiten an seine Recken vor dem Highlight-Spiel verteilen wollte. An Selbstbewusstsein kann es ja nie mangeln, und mit diesem Spiel habe man sich „weiteres Selbstvertrauen“ geholt, sagte der Fußballlehrer. „Jeder Sieg tut gut.“

In der Tat aber hatte die Eintracht ihre „Aufgabe bewältigt“, wie Sportvorstand Markus Krösche trocken sagte, schnörkellos, unaufgeregt. Angesichts der anderen Ergebnisse dieses Wochenendes war der 2:0-Erfolg nötig, um dranzubleiben an den Plätzen, die schönste Hoffnungen wecken. Der Abstand auf den siebten Platz beträgt jetzt schon acht Punkte, das ist ein ordentliches Polster und nach oben ist der Rückstand keineswegs besorgniserregend. Wieder einen Champions League-Platz zu erreichen, wäre nach Auffassung von Mario Götze „sensationell“, auch unter die Top-Sechs zu kommen, empfindet der Techniker als „super schön“. Machbar ist das allemal.

Hinterher waren sich die meisten Beobachter einig, dass Werder Bremen, personell durchgeschüttelt, ein sehr dankbarer Gegner gewesen war. So mutlos und ohne jede Traute ist lange kein Klub mehr im Stadion aufgetreten, selbst Niclas Füllkrug, bester deutscher Torschütze, wunderte sich zuweilen, wie es sein Team schaffte, selbst „in den Angriffen vorne noch einmal nach hinten zu spielen“ und jedwede Risikobereitschaft vermissen zu lassen. Der Auftritt der Norddeutschen war an Biederkeit kaum zu überbieten. Oder, um es mit Glasner zu sagen: „Unser Leistung war so, dass Bremen bieder gewirkt hat.“

Fest steht: Die Hausherren ließen in 90 Minuten genau einen Schuss aufs Tor zu, und da stand der Schütze (Füllkrug) im Abseits, die Frankfurter verschlossen ihr Allerheiligstes, unterbanden früh jedwede Bremer Versuche. „Toll“ hätten alle verteidigt, sagte Glasner, der sich hochzufrieden darüber zeigte, „wie wach wir waren, wie diszipliniert“ die Spieler agierten. Ein Kristijan Jakic etwa, der in 2023 bislang kaum gespielt hatte und für Makoto Hasebe als Libero aufgeboten wurde, bescheinigte er einen „sehr guten Auftritt“. Der Kroate bereitete nicht nur die frühe Führung vor, sondern hatte zudem „alle Standards geklärt“, bis dato eine große Schwäche der Hessen. Zudem bringe er eine „brutale Aggressivität“ auf den Platz, seine „Verteidigungsmentalität“ tue dem Team und speziell der in der Vergangenheit nicht immer sattelfesten Abwehr gut. Keineswegs auszuschließen, dass er gegen den SSC Neapel erste Wahl ist - trotz aller spielerischen Defizite. Er sei ein absoluter Profi, assistierte Krösche, „wenn er gebraucht wird, ist er auf den Punkt da.“

Dazu legten die Frankfurter bei ihrem Pflichtsieg stolze 127 Kilometer zurück, ein Spitzenwert und Beleg dafür, wie ernsthaft sie trotz turmhoher Feldüberlegenheit die Partie genommen hatten, die durch ein Eigentor von Marco Friedl (8.) und dem zehnten Treffer von Randal Kolo Muani (52.) bald entschieden war, so dass die Hessen in den Verwaltungsmodus schalten und sich mental dem SSC Neapel widmen konnten.

Und für dieses „grandiose Spiel“ (Götze) hat der Trainer längst einen Plan. Nach „vielen Stunden“, in denen er Neapel auf Video studiert habe, sei ihm der eine oder andere „Ansatzpunkt“ aufgefallen, wie dem italienischen Tabellenführer beizukommen sei, der aktuell, wie der Österreicher vermutet, „einen besseren Lauf hat als einst Barcelona“. Dennoch: „Ein paar Ideen haben wir“, sagt Glasner. Ob der an einem grippalen Infekt leidende Sebastian Rode mittun kann, ist offen: „Frau krank, Kind krank, Vater krank“, zählte der Coach auf. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Vermutlich hat Manager Krösche Recht, wenn er sagt, die Mannschaft müsse am Dienstag „einen Schritt mehr tun“ als gegen Bremen. Aber Hallo: „Wir haben genau die gleichen Chancen wie Neapel.“

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