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Eintracht Frankfurt vor letztem Pflichtspiel: Die Drohung des Oliver Glasner

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Von: Ingo Durstewitz

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Im Dialog: Trainer Oliver Glasner mit Mario Götze.
Im Dialog: Trainer Oliver Glasner mit Mario Götze. © IMAGO/Sven Simon

Eintracht Frankfurt will das herausragende Jahr mit einem Sieg beim Nachbarn FSV Mainz 05 krönen, weshalb der Cheftrainer die Latte einfach ein bisschen höher legt.

Frankfurt – Vor dem letzten Bundesligawochenende des Jahres ist Eintracht Frankfurts Trainer Oliver Glasner gefragt worden, ob er befürchte, dass seine sechs WM-Fahrer, allen voran natürlich Rio-Held Mario Götze, kurz vor der Abreise in die Wüste vielleicht nicht mehr so ganz bei der Sache sind.

Nicht mal 24 Stunden nach der letzten Eintracht-Partie beim Nachbarn FSV Mainz 05 am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) geht es schließlich für die Herren Trapp, Lindström, Kamada, Sow, Jakic und eben Götze mit ihren Nationalteams nach Katar, da wäre es ihnen nicht zu verdenken, wenn das alles überstrahlende Großereignis schon im Hinterkopf spuken würde oder man womöglich mal das Füßchen besser zurückzieht, um nicht kurz vor dem Karrierehighlight eine blöde Verletzung zu riskieren. Oliver Glasner hat da aber gar keine Bedenken, nullkommanull. „Ich habe vollstes Vertrauen in meine Spieler“, sagt der 48-Jährige. „Sie werden mit 100 Prozent Einstellung und Willen auf dem Platz sein.“

Eintracht Frankfurt: Glasner wusste von Götze-Nominierung

Schon vor dem letzten Spiel gegen die TSG Hoffenheim seien ja Akteure wie Djibril Sow, Jesper Lindström oder Kristijan Jakic von ihren Nationaltrainern über ihre Nominierung informiert worden, und sie seien darob nicht von der Rolle gewesen, „sondern haben die richtige Antwort auf dem Platz gegeben.“ Zur Erinnerung: Feuerwerk gegen Hoffenheim. Obwohl die WM-Einladung manch einen tief berührte, den furchtlosen Kämpfer Kristijan Jakic übermannte es sogar auf dem Trainingsplatz. „Er ist in Tränen ausgebrochen.“

Das ist Mario Götze nicht, die Berufung durch Bundestrainer Hansi Flick erfolgte ja nicht Knall auf Fall, sondern nahm einige Zeit in Anspruch. In diesem ganz speziellen Fall mit der besonderen Vorgeschichte waren viele Abwägungen und intensive Gespräche erforderlich: Götze mit Flick. Götze mit Glasner. Flick mit Glasner. „Wir wussten es schon ein bisschen früher als alle anderen“, sagt der Coach schmunzelnd.

Eintracht Frankfurt: Glasner rät Götze, Nominierung für WM 2022 anzunehmen

Er habe seinem erfahrenen Spielleiter zugeraten, die Einladung anzunehmen. „Meine Message war: Wenn du Lust hast, dann mach es. Es geht um dich und dein Wohlbefinden. Und wenn du dich damit wohlfühlst, dann ist es die richtige Entscheidung.“ Götze wollte, unbedingt. „Er freut sich darauf“, berichtet Glasner. „Er hat Bock darauf.“

Er, der Cheftrainer, mache sich auch keine großen Sorgen um den körperlichen Zustand seiner WM-Teilnehmer nach deren Rückkehr, schließlich machen die verbliebenen Spieler nach der letzten Begegnung des Jahres auch keinen Urlaub. Schon am Montag steht die einwöchige Japan-Reise an, anschließend wird weiter trainiert und noch zweimal in aller Freundschaft gespielt: Am 2. Dezember gegen den SV Sandhausen und am 9. Dezember bei Atalanta Bergamo. Erst danach geht es in den dreiwöchigen Urlaub. „Wir habe hier zwar nicht die mentale Belastung, aber ein ähnliches Programm wie die Nationalspieler.“ Zumindest wie die, die nicht ins Halbfinale einziehen. Die Viertelfinalspiele sind für den 9. und 10. Dezember angesetzt.

Zum Spiel

Mainz: Zentner – Bell, Fernandes, Caci – Widmer, Kohr, Aaron – Stach, Lee – Ingvartsen, Onisiwo.

Frankfurt: Trapp - Tuta, Jakic, Ndicka - Ebimbe, Sow, Kamada, Knauff - Lindström, Götze - Kolo Muani.

Der Eintracht fehlen: Lenz (Oberschenkel), Hasebe (Innenbandanriss im Knie), Buta (Reha nach Knie-OP).

Vorher will der Fußballlehrer mit seiner Mannschaft alles daran setzen, die Erfolgswelle weiter zu reiten und das herausragende Jahr mit einem Dreier in Mainz abzurunden. Dass es ausgerechnet vor dem letzten Duell zu einem Spannungsabfall und daraus resultierenden Rückschlag kommen könnte, glaubt der Österreicher nicht: „Ich habe nicht das Gefühl, dass es in Mainz zu einem Einbruch kommt. Dafür sehe ich keine Zeichen.“

Eintracht Frankfurt: Glasner hält Mainz 05 für gefährlichen Kontrahenten

Die in einer kleinen Schaffenskrise steckenden Rheinhessen hält Glasner für einen gefährlichen Kontrahenten. „Ganz klare Spielanlage“, befindet er. „Körperliche Robustheit, viel Power und Schwung. Das wird eine richtige Herausforderung für uns.“ Die er womöglich ohne Kapitän Sebastian Rode und Kristijan Jakic angehen muss. Rode leidet noch immer unter Wadenproblemen, der Heilungsprozess habe sich „nicht so entwickelt, wie wir gehofft haben“, wie Glasner betont. Und Jakic macht der Knöchel zu schaffen, mit dem er im Hoffenheim-Spiel nach dem Rutter-Foul umgeknickt war und der nun dick angeschwollen ist. Bei beiden entscheidet sich kurzfristig, ob es für einen Einsatz reicht.

An der Marschroute ändert sich nichts, die Eintracht will ihr Spiel durchdrücken. Nach dem verzückenden Auftritt gegen Hoffenheim legt der Coach die Latte sogar noch ein bisschen höher. „Wir wollen an unsere Leistungen anschließen und noch eins draufpacken. Wir haben noch viel, viel, viel Luft nach oben“, sagt Glasner, und man beachte die dreifache Steigerung. Worte, die sich fast wie eine Drohung für die Konkurrenz anhören müssen. Denn viel besser, schneller und zügelloser als die Eintracht gegen die TSG kann man zumindest offensiv nicht spielen. „Aber wir hatten nicht die absolute Verteidigungsmentalität“, moniert der gestrenge Trainer. Vor lauter Euphorie und Begeisterung habe seine Mannschaft ab und an ihre Defensivaufgaben vergessen und prompt zwei Tore geschluckt. „Wir müssen nicht mit sieben, acht Mann beim Gegner im Strafraum sein, wir brauchen eine Balance im Spiel.“

Bei Eintracht Frankfurt läuft das Offensivspiel

Am Angriffsspiel hat der Coach freilich nichts zu mäkeln, „da läuft vieles, wie wir uns das vorgestellt haben“. Götze und Kamada sind ein kongeniales Duo als Spielmacher, vorne und über Außen sind die Sprinter unterwegs. Wie auf rechts Eric Dina Ebimbe. „Er hat wahnsinnig viel Speed, Dynamik und Tiefgang“, lobt Glasner. Und: Der Trainer konnte fast immer dasselbe Personal aufbieten. Gut für die, die immer spielen. Schlecht für die anderen. „Da gibt es auch Leidtragende“, räumt der Coach ein.

Doch die müssten ihren Unmut herunterschlucken. „Wir achten darauf, dass es keinen Stinkstiefel in der Kabine gibt. Das würden wir nicht akzeptieren.“ Doch er habe keinen ausgemacht. „Die Jungs haben einen tollen Charakter“, der Teamgedanke stehe über allem. Selbst ein unzufriedener Spieler wie Rafael Borré zieht mit und die anderen nicht runter. Eine Überraschung wäre es dennoch nicht, wenn der Stürmer die Eintracht noch im Winter verlassen würde. Knapp zehn Millionen Euro würde der Euro-Held kosten. (Ingo Durstewitz)

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