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Brasilianer unter sich: Chris (links) und Ronaldinho.

Promi-Tipp

Der Gladiator

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Ex-Eintracht-Spieler Chris hat acht Jahre für die Hessen die Knochen hingehalten. Jetzt macht er brasilianische Profis fit und tippt das Spiel der Eintracht gegen Wolfsburg.

Am Donnerstag hat sich Christian Maicon Hening die Eintracht in der Europa League vor Ort nicht entgehen lassen, auch morgen will er im Stadion sein, das ist Ehrensache. In beiden Vereinen hat er Spuren hinterlassen, in Wolfsburg, wo er beim VfL unter Felix Magath zum Ende seiner Karriere noch einmal für ein Jahr tätig war, und in Frankfurt bei der Eintracht, „meiner zweiten Heimat“, dort natürlich ein bisschen mehr. 

Acht Jahre hat er für die Hessen die Knochen hingehalten, von 2003 bis 2011, er hat vieles erlebt, Höhen und Tiefen. Er hat mit der Eintracht in der zweiten Liga gespielt und im Pokalfinale gegen Bayern München, er war international gegen Newcastle, Celta Vigo und in der K.o.-Phase gegen Fenerbahce am Ball gewesen, und er ist mit der Eintracht abgestiegen. Er war einer, auf den man sich verlassen konnte. Heribert Bruchhagen, seinerzeit Vorstandsvorsitzender, hat den Brasilianer, den alle nur Chris rufen, so geadelt: „Er ist unserer härtester Spieler.“ Weil er keinem Zweikampf aus dem Weg gegangen war, weil er sich unerschrocken ins Getümmel gestürzt hat, weil er Schmerzen aushalten konnte. Ex-Trainer Michael Skibbe nannte ihn „Gladiator“, einer, der nie Angst zeigte. 

Dabei, und das ist das kuriose, war Chris ein eleganter Fußballer, einer, der in der Defensive oder als Libero stets spielerische Lösungen gefunden hat. Er hatte ein gutes Auge und die technischen Fähigkeiten, das Spiel von hinten aufzubauen. Das hat man jetzt vor zwei Wochen gesehen, als Chris bei den Eintracht All-Stars spielte gegen Ronaldinho und Co. zugunsten benachteiligter Kinder im Frankfurter Stadtwald. Chris wirkte da noch wie ein Aktiver, dabei hat er, inzwischen 40 Jahre alt, seine Karriere längst beendet. Ronaldinho, „der Fußball von einer anderen Welt spielte“ (Chris), kennt den im brasilianischen Blumenau geborenen Chris sehr gut, sie spielten vor Jahrzehnten einst in der gleichen Stadt in Porto Alegre, Ronaldinho bei Gremio und Chris bei International. „Der Kontakt ist nie abgerissen. Er hat mich gefragt, ob ich dabei bin und ich habe zugesagt“, erzählt Chris.

Das war eine willkommene Gelegenheit, nach Deutschland zu kommen. Inzwischen lebt Chris mit Ehefrau Bianca und dem achtjährigen Enzo wieder in seinem Heimatland, in Curitiba, im Süden Brasiliens und eine seiner ersten Stationen als Aktiver. Seine Frau studiert Bio-Medizin an der Uni, derweil sich der Sohnemann nicht so für Fußball interessiert, eher für Capoeira, den brasilianischen Kampftanz. 

Der Schmerzensmann

Chris ist beim Fußball geblieben, arbeitet als Spielerberater, er spricht fünf Sprachen, portugiesisch, spanisch, italienisch, deutsch, englisch. „Ich will brasilianischen Spieler beim Wechsel nach Deutschland helfen. Ich weiß, was man mitbringen muss, um sich durchzusetzen.“ Er selbst kam 2003 nach Deutschland, spielte erst beim FC St. Pauli, ehe er unter Trainer Willi Reimann und gemeinsam mit Andreas Möller zur Eintracht wechselte. 

Derzeit tingelt er durch Deutschland, frischt Kontakte auf, baut sein Netzwerk aus. Bei Marcel Schäfer, Manager beim VfL Wolfsburg, hat er vorgefühlt, Markus Pröll, den ehemaligen Eintracht-Torhüter, will er in diesen Tagen in Köln besuchen. Auch zu Fredi Bobic besteht ein Draht.

Ohnehin hat er den Kontakt nach Frankfurt gehalten, mit Marco Russ, Christoph Preuß, Alex Meier, Peter Fischer telefoniert er regelmäßig. „Frankfurt war eine überragende Zeit“, sagt er, die beste seiner Karriere, auch wenn er oft und schwer verletzt war. In den acht Jahren bei der Eintracht gab es kaum eine Saison, die der kopfballstarke Defensiv-Allrounder komplett hatte durchspielen können, in den acht Jahren machte er 145 von 272 möglichen Spielen. Und eine Heimsuchung waren seine Blessuren allemal: Bandscheiben-Operation, Schulterbruch, Leistenbruch, Sprunggelenksverletzung, Syndesmosebandriss, Muskelfaserrisse und immer wieder Schmerzen im Rücken. Die haben ihn zeitweise verzweifeln lassen, Schmerzen, die ein entzündeter Nerv am Rücken verursachte. „Ich konnte meinen kleinen Sohn nicht mehr auf den Arm nehmen. Ich konnte nicht mehr aus dem Bett aufstehen. Ich konnte nicht mehr für meine Familie arbeiten. Ich hatte kein Leben mehr“, hatte Chris vor Jahren einmal der FR erzählt.

Das ist vorbei. Chris fühlt sich fit, der Rücken macht längst keine Probleme mehr. Und ein bisschen freut er sich momentan auch für „seine“ Eintracht, die „sensationell“ spielt. Derzeit kann „die Eintracht jeden schlagen“. Wolfsburg natürlich auch.

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