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Eintracht Frankfurt: Krösche formuliert ambitionierte Ziele

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Von: Thomas Kilchenstein

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Durch die Blume formuliert der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche für die neue Saison erstaunlich ambitionierte Ziele.

Frankfurt – Selbst eine knappe Woche nach dem Triumph ist der Europapokal-Sieg der Frankfurter Eintracht für Markus Krösche „noch immer nicht so greifbar“, dabei hat der Sportvorstand den schweren Pott beinahe immer dabei. Im Proficamp im Stadtwald steht er, zum TV-Auftritt am Sonntagmorgen hat er ihn mitgenommen, auch am Montag bei der Saisonabschlusspressekonferenz war das gute Teil nicht weit. Der Erfolg im zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb hat die Dinge im Klub verändert, die Wahrnehmung ist jetzt eine andere, eine komplett andere. Eintracht Frankfurt ist jetzt Champions League, nicht mehr Tabellen-Elfter, nicht mehr graues Mittelmaß. „Für die künftige Ausrichtung des Klubs ist das ein großer Meilenstein“, sagt Krösche. Dieser Husarenritt von Sevilla kann die Frankfurter Eintracht in ihrer Entwicklung um Jahre nach vorne bringen, sie können mehrere Schritte überspringen, können sich sportlich deutlich potenter aufstellen - wenn sie es klug und geschickt anstellen. „Diese Chance“, sagt Krösche, „wollen wir nutzen.“

Aber alles mit Bedacht und Vernunft. „Harakiri-Transfers wird es mit uns nicht geben“, stellt der Sportvorstand gleich klar, eine Änderung der grundsätzlichen Philosophie und Transferstrategie sei keinesfalls vorgesehen, es gebe in der Vergangenheit viele abschreckende Beispiele von neureich gewordenen Klubs, die danach schnell Schiffbruch erlitten. Und der 41-Jährige lässt keine Zweifel daran, dass die Eintracht trotz 60 Millionen Euro Einnahmen aus dem internationalen Geschäft „auf Transfererlöse angewiesen“ sei, auch weil die Pandemie in den letzten beiden Jahren ein Minus von 70 Millionen Euro verursacht hat.

Eintracht Frankfurt: Noch kein Angebot für Filip Kostic

Wer den Verein verlassen werde, könne er nicht sagen, das hänge von der Karriereplänen der Profis ab: „Jeder Spieler hat seine eigene Agenda.“ Konkrete Angebote für irgendeinen Profi seien bisher jedenfalls nicht eingegangen, auch keines aus Tottenham, die angeblich 30 Millionen Euro für Filip Kostic ausgeben wollen. Andererseits habe die Eintracht deutlich an Attraktivität gewonnen, seit sie im „sportlich interessantesten Wettbewerb“ vertreten ist. Und viele Spieler, die schon eine Weile da seien, hätten „sich neu verliebt in die Eintracht“.

Die Führungsriege: Oliver Frankenbach, Markus Krösche und Axel Hellmann.
Die Führungsriege: Oliver Frankenbach, Markus Krösche und Axel Hellmann. © dpa

Sicher ist aber: Eintracht Frankfurt wird sich verstärken. Neben den fixen Verpflichtungen Randal Muani (Nantes), Faride Alidou (HSV) und Jérome Onguéné (Salzburg) seien die Zusagen von Aurelio Buta (Antwerpen) und Hrvoje Smolcic (Rijeka) nur noch Formsache, auch Sebastian Polter aus Bochum und Ridvan Yilmaz (Besiktas) sind im Blickfeld. Darüber hinaus muss der aufgeblähte Kader abgespeckt werden, diese Gespräche hat Krösche bereits geführt. Er sei ein „Freund klarer Ansagen“, sagt er. „Die Spieler wissen Bescheid“, wie Eintracht Frankfurt mit ihnen plant - oder auch nicht. Aber natürlich wird die Eintracht stark darauf achten, dass ihr höchstes Gut, der Teamspirit, durch eine personelle Fluktuation nicht verloren gehe. Und da hätten Spieler, die nicht zum Stamm zählten, etwa Timothy Chandler oder Goncalo Paciencia eine nicht zu unterschätzenden Anteil am Erfolg. Paciencia beispielsweise nannte Krösche einen „überragenden Typ“, ein „wichtiger Baustein des Erfolgs“, das gleiche gilt für die Stimmungskanone Chandler. Das alles will sehr genau austariert sein. Trainer Oliver Glasner, dessen Stärken Krösche in „der Vermittlung von Inhalten“ sieht, wird auf diese weichen Faktoren weiterhin besonders achten.

Dass dem Kader dennoch eine gewisse spielerische Qualität zugeführt werden muss, wird spätestens dann deutlich, als Markus Krösche über die Ziele für die neue Saison spricht, und die Ambitionen der Hessen sind nicht gering: Die Gruppenphase in der Champions League überstehen, in der Bundesliga „ernsthaft“ um internationale Plätze spielen, also um Platz fünf oder sechs, im Pokal mehr Spiele als in der letzten Runde absolvieren. Zusammengefasst: „Wir wollen eine Mannschaft, die in allen drei Wettbewerben auf hohem Level durchspielt.“ Eine Mannschaft also, die alle drei Tage 100 Prozent zu bringen in der Lage sei. Diese Mannschaft habe man in diesem Jahr nicht gehabt.

Eintracht Frankfurt: „Überragende Europa League, bescheidene Bundesliga-Saison und ein schlechter DFB-Pokal“

Natürlich hat der Europapokal-Gewinn alles überstrahlt, „was wir erreicht haben, ist außergewöhnlich“: Aber Krösche und die sportliche Führung haben nicht die Augen vor der anderen Seite der Medaille verschlossen, „es war nicht alles Gold, was glänzte.“ Krösche brachte sein erstes Jahr als Sportvorstand prägnant auf diesen Nenner: „Überragende Europa League, bescheidene Bundesliga-Saison und ein schlechter DFB-Pokal. Wir sind noch sehr weit weg vom Ideal.“

Gerade die Rückrunde mit lediglich 15 mickrigen Punkten „hat uns überhaupt nicht gefallen“, auch die Hinrunde begann stotternd, die ersten sechs Partien konnten nicht gewonnen werden. Nur die sieben Siege in November und Dezember retteten die Bilanz, streute den Verantwortlichen aber keinen Sand in die Augen. In der Liga habe man wahrlich nicht geschafft, was in der Europa League klappte. Da surfte die Eintracht auf der Welle, ließ sich vom selbst produzierten Flow mitreißen, spätestens nach dem Sieg bei Betis habe er, Krösche, gewusst, dass man Außergewöhnliches erreichen könnte. Im Grunde, sagt er, sei ihm erst im Finale beim 0:1 durch den Kopf geschossen: Was passiert eigentlich, wenn wir verlieren? Ist ja nicht passiert. (Thomas Kilchenstein)

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