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Allzeithoch: Vorstand Hellmann und die Eintracht.

Eintracht Frankfurt

Das Geld läuft auf dem Platz

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Eintracht Frankfurt freut sich über das beste Jahr der sehr langen Vereinsgeschichte.

Die jüngste Meisterleistung hat Eintracht Frankfurt erst vor einer guten Woche in Rom gezeigt, da fuhr die Mannschaft aus dem Herzen von Europa auf internationalem Geläuf den sechsten Sieg im sechsten Gruppenspiel ein – das hat zuvor noch kein deutsches Team geschafft, weder in der Europa League, noch in der Königsklasse. Auch der Pokalsieg, im Mai dieses Jahres, war triumphal, beinahe historisch, der Empfang in Frankfurt gigantisch.

Noch ein paar Rekorde? Fünf Treffer in einem Spiel wie Luka Jovic gegen Düsseldorf hatte bisher noch kein Eintracht-Akteur gepackt, ein höheres Ergebnis als jenes 7:1 gab es bisher auch erst dreimal, zuletzt vor fast vier Jahrzehnten, und drei solche Angreifer wie das aktuelle Trio infernale hatten die Frankfurter vielleicht in ihren Reihen, als noch Tony Yeboah stürmte. Es ist ein Jahr der Superlative, es ist das Jahr von Eintracht Frankfurt.

Axel Hellmann, der Marketingvorstand, legt die Latte nach ganz oben: „Es ist das beste Jahr in der Geschichte von Eintracht Frankfurt.“ Und ein paar Tage hat die Diva von einst ja schon auf dem Buckel, im März wird sie 120 Jahre alt.

Nicht nur sportlich bewegt sich die Eintracht auf Rekordniveau. „Wir haben auch wirtschaftlich Bestmarken aufgestellt.“ Im Jahr 2018 hat der Klub, exemplarisch genannt, allein zwölf Millionen Euro durch Merchandising umgesetzt, das sind vier Millionen mehr als im Jahr 2017. In 21 Heimspielen erreichte der Verein einen Zuschauerschnitt von 49 000, eine Million Besucher sahen die Partien insgesamt. Und auch in den Weiten des Internets schreiten die Hessen voran, die Reichweite habe enorm zugenommen: 650 000 Gefällt-Mir-Klicks auf Facebook, 225 000 Follower bei Instagram und 455 000 bei Twitter.

Der Gesamtumsatz wird rund 160 Millionen Euro betragen, „vielleicht auch etwas mehr“, wie Hellmann sagte, der Lizenzspieleretat liegt bei knapp 55 Millionen, und die Marktwertentwicklung spreche ebenfalls Bände, 230 Millionen Euro sei die Eintracht-Equipe mittlerweile wert. „Das zeigt, dass bei uns gut und hart gearbeitet wurde“, befand der 47-Jährige. „Das ist eine sehr gute Ausgangsposition für 2019.“ Zumal der Verein immer weiter wächst. „Unser Mitgliederzuwachs ist so groß wie nie und größer als bei jedem anderen Bundesligisten.“

Mittlerweile habe sich die Denke verändert, Hellmann spricht von einem Paradigmenwechsel. „Früher hatten wir ein hohes Festgeldkonto“, sagte er, da sei jetzt immer noch „ein bisschen was drauf“, aber man lege das Geld nun anders an, in Beine nämlich: „Heute ist unser Festgeldkonto auf dem Platz, unser Festgeldkonto ist unsere Büffelherde.“ Und das Ende der Fahnenstange sei nicht erreicht, „wir wollen das Team weiterentwickeln“.

Dazu bedarf es einer entsprechenden Infrastruktur. Der Bau einer neuen Geschäftsstelle samt Campus für die Profispieler auf dem Stadiongelände ist ja längst beschlossen. Doch das Projekt hängt momentan in der Warteschleife, es herrscht Stillstand. Sehr zum Leidwesen der Eintracht-Verantwortlichen. „Wir sind etwas irritiert und verärgert“, sagte Hellmann und nahm die Stadt aufs Korn. Eigentlich sollte der Erbpachtvertrag mit der Eintracht bis Weihnachten unter Dach und Fach sein, im März war darüber schon Einigkeit erzielt worden, doch „die Sache klemmt“, bedeutete Hellmann. Angeblich, so hört man aus dem Magistrat, gehe es unter anderem darum, in welche Amtskasse die Pacht der Eintracht fließe.

Hellmann warnt die Stadt

Dadurch verzögere sich der Baubeginn und die Fertigstellung, die für Juni 2020 avisiert war. Im besten Falle könne das Vorhaben nun im September 2020 abgeschlossen werden, was zur Folge hat, dass die Profiabteilung und auch die Geschäftsstelle, die zurzeit noch in den Tribünen untergebracht sind, erst nach Saisonbeginn werden umziehen können. Das wiederum bedeutet, dass der geplante Stadionausbau, auch im Hinblick auf die EM 2024, erst später beginnen könne.

Hellmann sieht noch ein weiteres Problem. Denn die Eintracht hat schon einen Wirtschaftsplan über die Baukosten von 30 Millionen Euro entworfen und will ihn von der Volksbank Mittelhessen finanzieren lassen. Die Verträge sind unterschrieben, doch keiner weiß, wie lange das Kreditinstitut seine Zinskonditionen aufrecht erhält. „Sie sind sehr geduldig“, sagte Hellmann und warnte die Stadt indirekt: „Wenn die Finanzierung aber platzen sollte, haben wir eine ganz andere Debatte.“

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