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"Wir haben super Vibes in der Mannschaft", sagt Marco Russ: Augen zu und träumen.

Marco Russ

"Es geht ans Eingemachte"

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Eintracht-Stopper Marco Russ über viele Endspiele, seine Fitness und die Gerüchte um Trainer Kovac.

Die erste Trainingseinheit nach knapp drei freien Tagen ist selten angenehm. „Ich komme da immer ganz schwer rein, von Null auf 100, das brennt“, sagte Routinier Marco Russ. Im Grunde hat er die Zeit auf dem Sofa verbracht, er brauchte das, um „die Seele baumeln zu lassen“. Andere, wie Kevin-Prince Boateng etwa, fuhren mit der Familie mal eben ins Disneyland. Ansonsten sprüht Marco Russ, 32, voller Tatendrang und hat auch einiges mitzuteilen über....

... neue Ziele: Bislang hat Trainer Kovac noch keine ausgegeben, wir müssen ja noch auf die Nationalspieler warten. Dann wird er uns ein Ziel vorgeben. Es bringt ja nichts, darum herum zu reden. Wir sind momentan so dick im Geschäft. Und ich denke, wir streben die Vizemeisterschaft an (lacht). Nein, wir haben noch ein hartes Programm vor uns. Nichtsdestotrotz sind wir guter Dinge, und wenn wir den Punkteschnitt halten, dann ist auf jeden Fall etwas drin, Europa League oder Champions League - das wird sich zeigen. Dafür müssen wir in den letzten Spielen aber nochmal an unser Limit gehen.

...internationale Ambitionen: Wenn man die ganze Saison so lange da oben dabei war, dann will man am Ende nicht auf Platz acht oder neun landen - und die ganze harte Arbeit war umsonst. Wir wollen versuchen, unseren Platz zu verteidigen, ob es dann vier, fünf oder sechs wird, muss man dann abwarten. Wir können die Tabelle lesen, wir wissen, welche Riesenchance wir dieses Jahr haben und die wollen wir nicht so einfach aus der Hand geben. Dieser Verantwortung sind wir uns bewusst. Wir können einiges schaffen. Nur: Wenn wir die Leistung nicht bringen, kullert man auch schnell wieder runter.

...die Bedeutung des Erreichen des internationalen Geschäfts für den Klub: Man hat ja gesehen, was los war, als wir zuletzt europäisch unterwegs waren. Jedes Heimspiel war ausverkauft, sogar gegen Baku, auswärts war der Gästeblock voll. Das ist eine Riesensache. Wenn wir in die Champions League kommen sollten, hat Uwe Bein gesagt, wäre das gleichbedeutend mit einer Deutschen Meisterschaft. Für den Verein, für die Region wäre das natürlich sensationell. Jeder andere sitzt dienstags, mittwochs auf der Couch und trinkt sein Bierchen und wir hätten die Chance, in den großem Ensemble mitzuspielen. Europa League wäre für die Fans schon Wahnsinn, von der Champions League brauchen wir dann gar nicht zu reden.

...die Strategie für die nächsten Spiele: Wir sollten in die nächsten Begegnungen gehen, als wäre jedes Spiel ein Endspiel, um den Platz, den wir haben, zu verteidigen.

...den nächsten Gegner Werder Bremen: Ich erwarte da ein zweikampfbetontes, läuferisch intensives Spiel. Die Bremer haben gepunktet, haben sich freigewurstelt, sie sind heimstark. Das wird sehr schwer, aber auch Zeit, dass wir auswärts wieder punkten. Dafür müssen wir die Tugenden zeigen, die uns zuletzt ausgezeichnet haben.

...den eigenen Fitnessstand: Wir alle sind momentan in einer Phase, in der das Training dosiert wird. Wir haben eine lange Saison hinter uns gebracht. Jetzt geht es um das Feintuning für die letzten Spiele. Ich selbst bin in Top-Form dank des Trainers. Es zahlt sich aus. Das war schon unter Felix Magath so, von der Körperlichkeit war es top und selbst diese Einheiten hat man irgendwie überstanden. Ich bin zufrieden, ich bin immer dabei, jetzt geht es für alle ans Eingemachte.

...die Gerüchte um Trainer Kovac: Da müsste sich ja die halbe Bundesliga Gedanken machen, die Trainer der halben Bundesliga werden ja gehandelt. Aber: Niko Kovac steht nicht zu Unrecht auf der Liste, genauso wie andere Trainer, die erfolgreich arbeiten. Wir als Mannschaft machen einfach so weiter.

...sein Bedauern darüber, wenn Kovac ginge: Ich würde es auf jeden Fall bedauern, definitiv. Die Arbeit, die er in den vergangenen zwei Jahren geleistet hat, ist großartig - die Mannschaft als Fastabsteiger auf Platz vier geführt zu haben. Das zeigt, dass viel harte, aber auch gute Arbeit drinsteckt. Aber der Trainer weiß auch, welches Standing er im Klub hat, welche Freiheiten er hat.

...seine Rolle in der Abwehrkette: Keiner von uns kann sich sicher fühlen, dann lässt die Konzentration und Leistung nach. Außer bei David Abraham, der zu Recht der absolute Chef hinten ist, sieht man, dass viel rotiert wird, Makoto Hasebe ist auch eine Bank. Im Grunde kämpfen drei Mann um einen Platz, Carlos Salcedo, Simon Falette und ich. Man sieht aber auch, dass wir konstant unser Level halten, egal, wer spielt. Keiner fällt ab. Das zeugt halt auch von einer Qualität, die wir die vergangenen Jahre nicht hatten.

...den Druck durch starke Konkurrenz: Klar, der Druck ist da - und man muss auch seine Leistung abrufen. Aber ich habe es auch anders erlebt, unter Michael Skibbe etwa oder auch Armin Veh. Da wusste man genau, dass man von 34 Spielen 31 macht, wenn du nicht gesperrt oder verletzt bist. Das war auch nicht gut. Wir müssen im Training richtig reinhauen. Es kann sich praktisch keiner sicher sein.

...das Niveau dieser Eintracht-Mannschaft: Ich glaube, das ist momentan die beste Eintracht-Mannschaft, in der ich gespielt habe. Unter Veh und mit Rode und Schwegler waren wir auch stark. Was die heutige Mannschaft aber auszeichnet, ist dieser Spirit. Wir haben einen ganz, ganz großen Zusammenhalt, wir haben super Vibes in der Mannschaft. Auch nach Niederlagen ist es nicht so, dass der eine gegen den anderen geht. In der Kabine haben wir ein super Miteinander. Das passt. Ich kann mich an keine Mannschaft erinnern, die das je besser machte.

Aufgezeichnet von Thomas Kilchenstein

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