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Neapel ist ein heißes Pflaster

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Von: Thomas Kilchenstein

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Trifft verlässlich: Napoli-Torjäger Victor Osimhen (links).
Trifft verlässlich: Napoli-Torjäger Victor Osimhen (links). © AFP

Der SSC Neapel, Gegner von Eintracht Frankfurt im Achtelfinale der Champions League, gilt aktuell als das beste Team Europas, weil er den Kollektivgedanken über alles stellt

Luciano Spalletti, ein Mann, der fast ein dutzend italienischer Mannschaften in seiner bald 30 Jahre währenden Trainerkarriere angeleitet hat, ließ sich nach der Auslosung nur mit einem lapidaren Satz zum Gegner zitieren: „Eintracht Frankfurt hat die Europa League gewonnen, also muss es ein starker Gegner sein.“ Dass das so ist, weiß gerade er, der 63-Jährige Trainerfuchs der Società Sportiva Calcio (SSC) Neapel, ganz genau: Er war es, der an der Linie stand, als die Hessen erstmals durch Europa sausten und seinen damaligen Klub Inter Mailand im Achtelfinale nach einem 0;0 in Frankfurt mit 1:0 im Giuseppe-Meazza-Stadion schlugen. Luka Jovic hatte früh getroffen.

Nun also gibt es ein Wiedersehen, aber dass die Neapolitaner als absoluter Favorit in diese beiden Begegnungen gehen, ist unstrittig. Ohnehin gilt der SSC derzeit als eines der heißesten, stärksten Teams in Europa. Wenn es nach Jürgen Klopp vom FC Liverpool geht, der just in der Champions League mit 1:4 von Neapel verhauen wurde, dann sind die Süditaliener momentan „vielleicht das Team mit der besten Form“.

SGE-Gegner: Zuhause von Fußballgott Maradona

In der Serie A sind die im Stadion Diego Armando Maradona (55 000 Zuschauer) spielenden Hellblauen aktuell das Maß aller Dinge, 13 Spiele, keine Niederlage lediglich zwei Remis zu Beginn der Runde, natürlich Tabellenführer mit 35 (von 39 möglichen) Punkten, sechs Zähler Vorsprung vor dem ersten Verfolger AC Milan. Der SSC Neapel stellt die drittbeste Abwehr (zehn Gegentore), schießt die meisten Tore (32) und hat dabei bereits gegen die ersten fünf der Tabelle gespielt- und selbst den AC Mailand im eigen Stadion besiegt. Und viele hoffen, endlich wieder an die Jahre anknüpfen zu können, als mit Maradona (1984 bis 1991) der Süden über den Norden triumphierte. Mit Maradona am Ball wurde die Napoli auch letztmals italienischer Meister, 1990 war das, vor einer halben Ewigkeit von 32 Jahren.

Dass die feurigen Neapolitaner, ausgerüstet von der Nobelmarke Armani, derart fulminant in die Runde starten würden, hatte vorher kein Mensch erwartet. Ja, die Tifosi wollten Präsident Aurelio de Laurentiis, ein Neffe des früheren Filmmoguls Dino, an den Kragen, weil er vor der Saison die Stars Lorenzo Insigne, Kalidou Koulibaly, Fabian Ruiz, Arkadiusz Milik und Torjäger Dries Mertens verkauft hatte - dafür haben sie für zehn Millionen Euro den Georgier Khvicha Kvaratskhelia geholt, einen pfeilschnellen, dribbelstarken Linksaußen, der alles in Grund und Boden spielt und bislang in 17 Pflichtspielen acht Tore erzielt und zehn Vorlagen gegeben hat. Zuvor kickte der bis dahin Namenlose unter dem Radar bei Dinamo Batumi und Rubin Kasan. Zuletzt im Spitzenspiel gegen Bergamo fehlte er allerdings aufgrund von Rückenproblemen, bis Februar sollte er wieder fit werden. Auch Stürmer Victor Osimhen (bislang acht Tore in der Liga und früher mal in Wolfsburg) aus Nigeria, der polnische Mittelfeldspieler Piotr Zielinski und der Mexikaner Hirving Lozano sind bärenstark. Giovanni Simeone, der Sohn des Atletico-Rumpelstilzchen Diego, stürmt zudem, der Slowene Stanislav Lobotka gilt als Taktgeber und Abräumer im defensiven Mittelfeld. Und hinten hilft Jesus - Juan Jesus, ein baumlanger Brasilianer.

Eintracht Frankfurt: Neapel als Schwere Aufgabe in der Champions-League

Der SSC Neapel, sechsmaliger Pokalsieger, zweimaliger Meister und Ex-Klub des ehemaligen Frankfurters von Amin Younes (2018 bis 2020) kommt über die mannschaftliche Geschlossenheit, einen echten Weltstar sucht man vergeblich, doch das Kollektiv mit jeder Menge internationaler Topakteure funktioniert bestens. Die Mannschaft hat trotzdem einen Marktwert von 480 Millionen Euro.

Eine Besonderheit am Rande: Der SSC leistet sich, als einer der ganz wenigen Klubs, zwei räumlich getrennte Fankurven - Curva A und Curva B. Es besteht keine Rivalität unter den beiden Kurven, obwohl während der Partien voneinander völlig unabhängige Fangesänge intoniert werden. In Curva B finden sich die älteren, gemäßigteren Fans. Heiß geht es dennoch zu im alten San Paolo, ganz sicher.

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