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Peter Fischer verliert Stimmen – Gegenwind für Mister Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Peter Fischer bleibt Peter Fischer, aber vielleicht nimmt er sich ein wenig zurück.
Peter Fischer bleibt Peter Fischer, aber vielleicht nimmt er sich ein wenig zurück. © Jan Huebner

Der polarisierende Vereinspräsident Peter Fischer wird für vier Jahre wiedergewählt, muss aber Stimmeinbußen hinnehmen – das kommt nicht überraschend.

Frankfurt – Kurz vor Mitternacht sah Volkstribun Peter Fischer dann tatsächlich so aus, wie er es auch artikulierte: Nen Drink und ne Kippe wären jetzt ganz cool. Der baumlange Präsident von Eintracht Frankfurt wirkte nicht schwer angeschlagen, aber doch geschlaucht und ein kleines bisschen geknickt, aber irgendwie auch erleichtert. Er hatte es ja kommen sehen. Seine Wiederwahl als Vereinsoberhaupt, klar, war irgendwie nur Formsache, doch das Ergebnis bewegte sich dieses Mal nicht in dem üblichen Rahmen, das sonst nur Diktatoren erzielen – oder eben Peter Fischer. „Nur“ 420 Personen stimmten für eine achte Amtszeit des 66-Jährigen, 106 votierten gegen das Enfant Terrible, 99 enthielten sich.

Fischer steckte den vermeintlichen Liebesentzug tapfer weg. „80 Prozent - das ist nach 22 Jahren ein verdammt gutes Ergebnis, ich gehe gestärkt in die nächsten vier Jahre.“ Auf fast 80 Prozent der Stimmen, genau 79,85, kommt man freilich nur dann, wenn man die 99 Enthaltungen herausrechnet, andernfalls bleibt ein mageres Ergebnis von 67,2 Prozent Zustimmung. Kein Wunder, dass am Riederwald der Begriff Götterdämmerung durch den Saal waberte.

Eintracht-Präsident Fischer – öffentlichkeitswirksame Statements brachten zuletzt Gegenwind

Soweit ist es noch nicht, und Peter Fischer war, wie er versicherte, darauf vorbereitet, dass er in diesem Jahr nicht, wie 2018, mit 99 Prozent der Stimmen wiedergewählt werden würde, zumal dieses Mal geheim und nicht per Handzeichen votiert wurde. Er habe eigentlich mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet, sagte er zu später Stunde. Das habe er durch viele Gespräche mit den Menschen aus der Kurve und den Ultras eruieren können, die auch bei ihm zu Hause waren und ihn „mit großem Respekt“ vorwarnten: „Es wird Enthaltungen und Gegenstimmen geben.“

Hintergrund seien einige Äußerungen des ewigen Peter in den letzten Wochen und Monaten, etwa seine Einstellung zum Piks in den Oberarm zum Schutz vor Covid („Wer nicht geimpft ist, gehört nicht dazu“). Oder auch sein Auftritt in Helsinki beim europäischen Supercupfinale gegen Real Madrid, als er auf dem Fanfest vor weiteren Krawallen und Verfehlungen der Fans warnte und sich sogar einen hitzigen Disput mit einem Zwischenrufer lieferte: „Ich lass dich jetzt hier rausschmeißen. Ich habe keinen Bock mehr auf so eine Idiotenscheiße.“

Das Resultat vom Montag kann man durchaus als Machtdemonstration der Ultras verstehen, die ihre Muskeln haben spielen lassen und „ihrem“ Präsidenten einen kleinen Denkzettel erteilt haben – ohne sogar im großen Stile Stimmung gegen ihn zu machen oder ihn in einer konzertierten Aktion wirklich zu schaden. Das ist schon erstaunlich, zumal die Eintracht und gerade Peter Fischer als sehr fannah gelten, für den Geschmack nicht Weniger sogar einen zu ausgeprägten Kuschelkurs fahren oder zumindest gefahren sind. „Kapitalmaßnahme, Impfen, mein Auftritt in Helsinki – das Ganze ist ein bisschen politisiert“, drückt es Fischer aus.

Peter Fischer bei Eintracht Frankfurt – Präsident und Dauer-Einheizer

Zudem: Auch viele „normale“ Mitglieder sind genervt vom Auftreten des Präses und sind der Meinung, Fischer habe verbal als erster Repräsentant des Klubs ein bisschen zu oft über die Stränge geschlagen („Will aus dem Pokal saufen, besser als Sex“). Viele wünschen sich ein präsidialen, würdevolleren Stil und keinen Dauer-Einheizer. Andererseits: Peter Fischer ist Peter Fischer, da weiß man, was man bekommt, einen Streiter für die gute Sache, einen beherzten Kämpfer gegen Rassismus, einen, der halt gerne mal einen Spruch raushaut, was er gewiss übertrieben hat in den vergangenen Monaten rund um die fabelhafte Europapokalreise seiner Eintracht. Vielleicht aber hat ihn das Votum der Basis auch zum Nachdenken gebracht.

„Ich bin, wie ich bin“, sagte er. „Ich bleibe der Peter Fischer, den Ihr kennt. Und dafür muss ich auch genug Prügel einstecken.“ Fischer, der übrigens erstmals andeutete, in den kommenden Jahren seine Nachfolge regeln zu wollen, macht es gerne, er hat viel bewirkt und geleistet. Für seine Eintracht, seine große Liebe, die ihm vieles verzeiht – und ihn trotzdem zum Oberhaupt wählt. Nicht mehr mit überwältigender Mehrheit, aber mit genügend Stimmen. Das ist eine Verpflichtung, auch für einen, der 22 Jahre im Amt ist. (Ingo Durstewitz)

Ein weiteres heikles Thema der Mitgliederversammlung drehte sich um die Suche nach potenziellen Investoren. Hierbei müssen die Verantwortlichen den Spagat zwischen Mitgliedervotum und finanzieller Notwendigkeit schaffen.

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