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Hass genug für ein Derby wäre da: Frankfurt-Fans mit Banner gegen Mainz(elmännchen).

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Die ganze Wahrheit über Derbys

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Rhein-Main-Derby, Nachbarschaftsduell oder Mainz gegen Frankfurt? Was macht ein Fußballspiel eigentlich zum Derby? Ein Kommentar.

Wenn Eintracht Frankfurt auswärts ein Spiel gegen den FSV Mainz 05 bestreitet, gibt es im Vorfeld zwei sich wiederholende Konstanten: Eintracht-Fans reisen mit dem Schiff nach Mainz, und allseits diskutieren Fußballfans darüber, ob das jetzt ein Derby ist oder nicht.

Was macht ein Spiel eigentlich zum Derby? Die Nähe der Stadien zueinander? Das klingt nach der logischsten Erklärung, funktioniert auch häufig, aber nicht immer. Das Spiel zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen nennt man gemeinhin das „Nord-Derby“, obwohl zwischen den Stadien mehr als  100 Kilometer liegen.  Zwischen der Frankfurter Arena und dem Stadion am Bornheimer Hang sind es gerade mal 10 km. Aber kaum einer nennt das Spiel der beiden Frankfurter Vereine gegeneinander ein Derby. Es fehle der Paarung an tradierter Rivalität oder schlicht an sportlicher Ausgeglichenheit, so heißt es.  

Sind also historische Rivalitäten und/oder die Augenhöhe beim sportlichen Wettkampf Derby-Parameter? Dann scheidet Frankfurt-Darmstadt aus, bei gerade mal acht Partien, die man in über 50 Jahren Bundesliga gegeneinander absolviert hat. Übrigens halb so viele wie gegen 1899 Hoffenheim, der Inbegriff des derbylosen Emporkömmlings. Auch die hessische Mutter aller Derbys scheidet aus, das Spiel gegen Offenbach: Immerhin dümpeln die ungeliebten Nachbarn seit vier Jahren in der vierten Liga herum und verabschiedeten sich vor 33 Jahren aus der Bundesliga.  Das sollte man bei dieser – und eigentlich jeder – Gelegenheit erwähnen.

Rivalen, Hass und Perspektive

Wer spricht wann vom Derby? Damit beginnt in der Regel der vermeintliche Emporkömmling, also der Club mit weniger vorzuweisenden Bundesligajahren. Er versucht sich dadurch zu erhöhen, indem er sich in der Emotionalität und Tradition auf die Höhe des Alteingesessenen begibt. Der will  ihm diese Ehre aber nicht zugestehen, weshalb nur vom Nachbarschaftsduell die Rede ist.  Sportliche Perspektiven spielen sowieso keine Rolle. Wer neu in der Bundesliga ist, und das gilt für alle Aufsteiger nach 1979, der will dazugehören und dafür braucht es Rivalität, einen Hassgegner, Trennlinien. Man ist immer nur so authentisch wie das Derby, das man in der Bundesliga sein eigen nennt. 

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Die, die schon da sind, wollen ihren elitären Kreis nur ungern erweitern. Sie haben die Zugehörigkeit durch Jahrzehnte des Leidens dem Zahn der Zeit abgerungen und häufig ist sie das Letzte, was ihnen geblieben ist, im Angesicht des sportlichen Niedergangs. So machen die Mainzer aus dem Spiel gegen Frankfurt ein Derby, die Wolfsburger aus der Partie gegen Hannover, die Leverkusener aus dem Spiel gegen Köln und die Hoffenheimer aus dem Aufeinandertreffen mit Stuttgart. Die  Zweitgenannten wenden  sich entweder amüsiert ab oder verweisen wütend auf ihre Duelle gegen Offenbach, Braunschweig, Düsseldorf und Karlsruhe (in der Reihenfolge).

Derby, das ist etwas sehr Emotionales und hängt vor allem vom Standpunkt in der Geschichte ab. Es gibt kein wahres Derby, nur die Diskussion darüber und die ist Teil der Folklore, die den Fußball so liebenswert macht.

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