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Jungs, ist das euer Ernst?
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Jungs, ist das euer Ernst?

Eintracht Frankfurt

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  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Bei Eintracht Frankfurt reagiert nach dem grotesken Scheitern im DFB-Pokal die blanke Angst. Nicht nur die Mannschaft, auch Trainer Armin Veh steht in der Kritik.

Es wurde dann doch noch ein langer Abend im „Blauen Engel“. Allerdings kein schöner. Die Stimmung im besten Hotel in Aue war mehr als gedrückt, sie war im Keller. Und die hohe Frankfurter Führung um Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing grübelte bei mehr als einem Glas Rotwein bis weit nach Mitternacht über die Gründe des niemals zu erwartenden, geradezu grotesken Scheiterns im DFB-Pokal an einem biederen Drittligisten.

Es ist, so viel lässt sich ohne Gegenrede feststellen, einiges faul im Staate Eintracht. Da stimmt vieles nicht, wenig läuft zusammen. Die Mannschaft hat sich komplett in eine Sackgasse manövriert, sie ist bis ins Mark verunsichert, verstört und hat nicht die Spur einer Ahnung, wie sie aus diesem Loch wieder herauskommen will.

Selbst Trainer Armin Veh wirkt zunehmend ratlos. „Es ist ja kein Zufall, dass wir uns auch in der Bundesliga schwer tun“, presste er hervor. Warum nur bekommt er das Problem nicht in den Griff? Wie ernst, ja fast schon dramatisch die Lage zu sein scheint, verdeutlich die gestrige Mitteilung per SMS eine Stunde vor Beginn des eigentlich öffentlichen Übens: „Das Training ist auch für Medien nicht öffentlich und es gibt auch keine Interviews. Auch nicht mit dem Trainer.“ Da sollen die Reihen geschlossen und die Kräfte gebündelt werden. Die Eintracht verschanzt sich im Stadtwald.

Und der Fußball-Lehrer muss sich ein paar kritische Fragen gefallen lassen. Mit seiner Aufstellung in Aue jedenfalls lag er daneben: Zwei Sechser (Slobodan Medojevic und den formschwachen Stefan Reinartz) gegen einen biederen Drittligisten zu nominieren, zeugt nicht von großem Grundvertrauen. Dazu stellte er Marc Stendera auf den linken Flügel. Weshalb hat er Stendera, dank dessen lichter Momente die Partie in Hannover gewonnen werden konnte, nicht einfach im Zentrum belassen, dort, wo er sich generell wohler fühlt?

Warum verzichtete er auf eine zweite Sturmspitze (Luc Castaignos oder Luca Waldschmidt)? Wieso brachte er in der zweiten Hälfte Bastian Oczipka für Constant Djakpa? Das war nun nicht die größte Baustelle. Und weshalb setzte er nach dem Rückstand nicht alles auf eine Karte und zog seine letzte Wechseloption? Die ließ er verstreichen.

Dies mögen nicht die allerbesten Ideen des Trainers Veh gewesen sein, doch die derzeitigen Probleme liegen tiefer.

Im Erzgebirge trat die Mannschaft völlig verunsichert auf, als hätte sie Angst vor der eigenen Courage, vor einem Ausscheiden oder vor was auch immer. Rational lässt sich das nicht erklären, der 2:1-Sieg in Hannover hätte die mentale Blockade lösen und für neues Selbstvertrauen sorgen müssen. Nach dem wichtigen Erfolg in Niedersachsen war die Stimmung deutlich entspannter.

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Viele hatten die durchaus berechtigte Hoffnung, dass die Eintracht die Kurve bekommen und einen ersten Schritt aus der Krise gemacht hatte. Unterschätzt werden die Hessen den Underdog aus dem Erzgebirge nicht haben, alle betonten vorher die Bedeutung der Partie. Das macht es ja noch schlimmer: Nicht die Einstellung, sondern die fußballerische Vorstellung war das Alarmierende.

Die drittklassigen Auer stellten, und das muss die zwei Klassen höher beheimatete Eintracht neidlos anerkennen, das bessere Team. Die spielerische Armut der Frankfurter war frappierend. So gut wie kein Pass findet mehr seinen Adressaten, der ursprüngliche Ansatz der Ballzirkulation und des Kombinationsfußballs hat sich verflüchtigt. Obwohl das mal die Stärke der Hessen war, obwohl diese Spielformen im Training permanent geübt werden. Es ist keine Spielfreunde, keine Kreativität mehr vorhanden, es regiert die blanke Angst.

Das hat damit zu tun, dass das Gros der Leistungsträger in eine veritable Formkrise geschliddert ist. Gleich sieben Stammkräfte (Russ, Oczipka, Hasebe, Reinartz, Aigner, Seferovic und auch Kapitän Meier) bekommen fast gar nichts mehr auf die Reihe und stecken knöcheltief im Formtief. Wie will man das kompensieren? Das ist schlichtweg nicht möglich. An Veh ist es nun, seine Spieler aufzubauen, sie zu verbessern, ihnen Wege aus der Krise aufzuzeigen – oder sie auszutauschen. Die Leistungseinbrüche bei Stefan Aigner, Makoto Hasebe oder Bastian Oczipka sind rational nicht zu erklären. Sie müssen im tiefenpsychologischen Bereich zu begründen sein. Veh ist jetzt als Mentalcoach gefragt.

Überdies tragen die vielen personellen Wechsel und taktischen Umstellungen sicherlich nicht zu mehr Stabilität bei. Die frappierenden Tempodefizite sind weitgehend bekannt, auch das Versäumnis, die Vakanz auf dem linken Flügel nicht geschlossen zu haben, kommt wie ein Bumerang zurück. Und: Kann Veh Krise?

Gegen die Bayern nur nicht untergehen

Seine Stärken, ganz klar, liegen darin, den Erfolg zu moderieren, Leute mit auf die Reise zu nehmen. Nicht umsonst ist er als Menschenfänger bekannt, er ist ein Kommunikator, der einen in seinen Bann schlagen kann. Genau diese Idee stand ja bei seiner Rückkehr dahinter. Doch Erfolg ist derzeit meilenweit entfernt. Veh wird im Umfeld zunehmend kritischer gesehen, an ihm lassen viele Anhänger kaum noch ein gutes Haar. Sein Kredit ist aufgebraucht, besonders groß war der Rahmen ohnehin nicht: Es ist nicht vergessen, dass ihm der Klub vor eineinhalb Jahren nicht mehr gut genug war. Oder kommt gar irgendwann der Punkt, an dem er – erneut – den Bettel hinwirft? Bislang hat er das kategorisch ausgeschlossen.

Wie also krabbelt Eintracht Frankfurt aus der Krise? Am Freitag gegen den FC Bayern München geht es im Grunde nur darum, sich einigermaßen aus der Affäre zu ziehen. Das nächste Knackpunktspiel ist eine Woche später bei der ebenfalls schwächelnden, aber mit neuem Trainer, Huub Stevens, bestückten TSG Hoffenheim. Jetzt muss man gemeinsam an einer tragfähigen Strategie feilen, mit Klubchef Heribert Bruchhagen, Sportdirektor Bruno Hübner, mit Veh. Es müssen Analysen auf den Tisch, wie man den Karren wieder flott bekommt. Die Zeit drängt, es darf keineswegs wie in der letzten Saison zu lange gewartet werden.

Und vielleicht müssen die Spieler tatsächlich aus ihrer Wohlfühloase gerissen werden. Sie sollten sich mehr mit ihrem Beruf auseinandersetzen, vielleicht sollte man ihnen vor Augen führen, dass an einem Standort nur 30 Kilometer weiter südlich jeden Tag der Kampf ums sportliche Überleben ausgerufen wird. Diese Galligkeit, diese Verbissenheit sucht man bei der Eintracht-Mannschaft vergebens.

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