+
Sein letztes Spiel für die Eintracht? Omar Mascarell (links), hier gegen den Münchner Joshua Kimmich, könnte den Klub verlassen.

Omar Mascarell

Ganz schön verklausuliert

  • schließen

Das Beispiel Omar Mascarell zeigt die Schwierigkeiten der Eintracht auf dem Transfermarkt.

Es ist gewiss nicht so, dass der Mittelfeldspieler Omar Mascarell bei Eintracht Frankfurt eine prägende Figur gewesen wäre – zumindest in der vergangenen Saison nicht. Natürlich hatte er seinen Anteil am Erfolg, er hat einige sehr gute Begegnungen gemacht, spielte auf einmal mehr nach vorne als zurück und war zuweilen eine wichtige Stütze. Aber eben nur temporär. Daran trug der Spanier keine Schuld, eine böse Achillessehnenverletzung hatte ihn lange außer Gefecht gesetzt, und als er wieder fit war, stoppte ihn ein Haarriss im Mittelfuß.

So kam er auf nur neun Einsätze in der Liga und drei im Pokal, immerhin schoss er in beiden Wettbewerben ein Tor. Das war ihm in der gesamten Vorsaison nicht gelungen. So wie es aussieht, wird kein weiterer Treffer und kein weiteres Spiel mit dem Adler auf der Brust zu den insgesamt 45 Pflichtpartien hinzukommen: Der 25-Jährige könnte die Hessen noch im Sommer verlassen. Eine Überraschung wäre das nicht.

Real Madrid, Mascarells Stammverein, hatte sich beim Transfer nach Frankfurt ein Rückkaufsrecht zusichern lassen, für gut vier Millionen Euro kann der Champions-League-Sieger seinen Spieler zurückholen, zwischen dem 2. und 15. Juli müsse eine entsprechende Option gezogen werden, wie die „Marca“ schreibt. Real werde von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, um ihn gleich weiter zu veräußern. Der technisch versierte defensive Mittelfeldspieler soll schon wie Sauerbier angeboten werden, die Madrilenen wollten nicht weniger als 15, im besten Fall mehr als 20 Millionen Euro rausschlagen, berichtet die „Bild“. Das scheint wenig realistisch, selbst wenn heutzutage ja vielerorts absolute Mondpreise gezahlt werden.

Auch der FC Schalke 04 gehört zu den Interessenten. „Ja, er wurde uns ebenfalls angeboten“, zitiert die Boulevardzeitung S04-Manager Christian Heidel. Doch ein Transfer nach Gelsenkirchen sei, wie Heidel in Anlehnung an den berühmten Niko Kovac sagte, „angesichts der Ablöse-Dimension Stand heute nicht vorstellbar“. Dabei schätzt der Sportchef den Eintracht-Motor durchaus: „Omar ist ein Topspieler, er kombiniert das Spielerische mit dem Kämpferischen.“

In Frankfurt sind sie von der Entwicklung nicht überrascht, sie deutete sich in den vergangenen Wochen an, auch wenn die Eintracht-Verantwortlichen zuvor nicht davon ausgegangen waren, dass der spanische Renommierklub den Akteur tatsächlich zurückbeordern würde, die Beziehungen untereinander gelten als zu tief und gefestigt. Doch bei zehn bis 15 Millionen Euro spielen auch die guten Kontakte eine eher untergeordnete Rolle.

Die Eintracht hofft im Zuge des sich anbahnenden Mascarell- Transfers auf ein Entgegenkommen Reals bei Abwehrspieler Jesus Vallejo, den man gerne zurückholen würde. Mascarell übrigens fühlt sich in Frankfurt durchaus wohl, doch auch er will nun an die dicken Geldtöpfe. Es ist kein Geheimnis, dass es andernorts noch deutlich mehr zu verdienen gibt als in Frankfurt, obwohl die Eintracht ihre wirtschaftliche Situation ja schon erheblich verbessert hat.

Doch allein in der Bundesliga gibt es mindestens acht Klubs, die über ein höheres Budget verfügen. Dass die Frankfurter da an Grenzen stoßen, wird immer wieder mal deutlich.

Lukas Hradecky hat sich für 5,5 Millionen Euro Jahresgehalt Bayer Leverkusern angeschlossen, Marius Wolf geht für sieben Millionen Euro (inklusive Prämien) Entlohnung nach Dortmund, Niko Kovac streicht zukünftig bei den Bayern ein astronomisch hohes Gehalt ein. Und auch Mascarell würde an einem anderen Standort mehr einstreichen können, er wäre schon in der vergangenen Saison nach Hoffenheim gewechselt, wenn ihm die Achillesehnenoperation keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte.

Und so wird der Mann aus Teneriffa die Eintracht wohl für vergleichsweise „kleines“ Geld verlassen. Doch natürlich muss man auch sehen, dass den Hessen nach dem Fast-Abstieg vor zwei Jahren die Hände gebunden waren. „Als Fredi Bobic zu uns kam, musste er erst mal Spieler verkaufen, um neue holen zu können“, sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing. Omar Mascarell kostete seinerzeit eine Million Euro – das Rückkaufsrecht der Madrilenen musste die Eintracht schlucken, um den Spieler zu bekommen.

Ähnlich soll es sich bei Trainer Niko Kovac (für 2,2 Millionen Euro nach München) oder Marius Wolf verhalten haben. Der Durchstarter der Saison wechselt für lumpige fünf Millionen Euro nach Dortmund. Ein Beispiel, das die Macht der Berater zeigt. Roger Wittmann, der clevere und knallharte Agent, habe seinerzeit auf diese Klausel bestanden, obwohl – und das ist das Kuriose – sein Mandant damals gerade mal eine Handvoll Bundesligaspiele vorzuweisen hatte. Ansonsten, so hieß es, werde er Wolf woanders unterbringen. Natürlich kann man als Verein die Muskeln spielen lassen und auf seiner Position beharren. Doch dann besteht die Gefahr, den Spieler zu verlieren. Und man kann argumentieren, dass eine Ausstiegsklausel in Höhe von fünf Millionen Euro für einen seinerzeit lange verletzten Ersatzspieler nicht so wenig ist. Hinterher, klar, ist man schlauer.

Im Übrigen richtet sich auch die Existenz der Klauseln oder ihre Höhe an dem Gehalt des Spielers (oder auch des Trainers) – insofern lässt sich auch leicht ermessen, in welcher Kategorie etwa Niko Kovac oder eben ein Akteur wie Marius Wolf anzutreffen waren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare