Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ob er auch in  der neue Saison in Frankfurt spielt? Nikos Liberopoulos,  der griechische Stürmer.
+
Ob er auch in der neue Saison in Frankfurt spielt? Nikos Liberopoulos, der griechische Stürmer.

Nikos Liberopoulos

Ein ganz schlauer Spieler

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen

Nikos Liberopoulos hat seinen Wert für die Eintracht unter Beweis gestellt, bald wird sich zeigen, wo er in Zukunft spielt.

Natürlich ist Nikos Liberopoulos nur eingewechselt worden, um ein bisschen Zeit zu schinden. Der Dreier, dieser unerhoffte Coup in Dortmund, war zum Greifen nahe, wenige Minuten, zwei, drei, trennten die Eintracht noch vom ersten Sieg seit 19 Jahren im BVB-Heiligtum, und dann kam der 34 Jahre alte Haudegen in die Partie für Benjamin Köhler. Liberopoulos, dieser ausgebuffte, abgezockte Profistürmer, sollte noch irgendwie den Ball halten, das kann er, die Sekunden sollten verrinnen. Doch Liberopoulos dachte nicht daran.

Er bekam die Kugel auf links, und jeder dachte, er würde nun irgendwie verzögern, den Kurzpass suchen mit Alex Meier oder den Ball zur Eckfahne treiben, doch der 60-fache griechische Nationalspieler drehte sich einmal kurz, dann blick er hinüber auf die andere Seite, er sah Patrick Ochs freistehen, und er passte den Ball präzise und diagonal über fast die gesamte Breite des Spielfelds. Ochs tauchte frei auf vor dem Dortmunder Tor, irgendwie wollte er die Kugel mit rechts ins Tor schlenzen, das ging schief, der Ball strich am Pfosten vorbei, und der Rotschopf ging sogar von Wadenkrämpfen geschüttelt zu Boden. Doch es sollte nichts mehr anbrennen, die Eintracht fuhr die drei Punkte sicher heim.

Nun hatte Liberopoulos keinen Bärenanteil am Erfolg, eher einen verschwindend geringen, doch diese eine Szene kurz vor Schluss steht stellvertretend für die fußballerische Klasse des Routiniers. In Frankfurt wissen die Verantwortlichen, was sie an diesem vorbildlichen Fußballer und Menschen haben. "Er ist ein Vollblutprofi", lobt Trainer Michael Skibbe, der voller Hochachtung über Liberopoulos spricht. Der hagere Angreifer ist integer, ein tadelloser Sportsmann, einer, an dem sich gerade die jungen Spieler orientieren. Marcos Alvarez, der talentierte Nachwuchsstürmer, befand unlängst: "Alles, was er macht, hat Hand und Fuß. Vor dem Tor ist er eiskalt. Zu ihm kann man nur aufschauen."

In den Spielen der Rückrunde kam Liberopoulos, der seine Karriere in der griechischen Nationalelf im vergangenen Jahr beendete, nicht so zum Zuge, er stand da vorne allein auf weiter Flur, er war, salopp formuliert, der ärmste Hund, weil er nun mal auch nicht mehr der Schnellste ist und immer zwei, drei Kontrahenten gegen sich sah. Er konnte allerdings die Bälle auch nicht mehr so halten, er wirkte irgendwie überspielt, und jetzt, in Dortmund, saß er erstmals und auch folgerichtig auf der Bank.

Das hat natürlich auch damit zu tun, dass die Eintracht inzwischen Halil Altintop geholt hat, der ist sieben Jahre jünger, sehr viel schneller und so ziemlich am Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Da muss ein 34-Jähriger mal zurückstecken, Liberopoulos macht das klaglos, er ordnet sein Ego dem Mannschaftsgedanken unter. Zumal Altintop mit seiner Explosivität als einzige Spitze natürlich einen großen Wert für die Mannschaft hat. Liberopoulos ist ein anderer Spielertyp, ein gerissener, gewitzter Mann, der den Ball hält und verwertet, der seine Mitspieler klug einsetzt. Aber eben keiner mehr, der zum Tor zieht, der da ist, wo es brennt.

Liberopoulos, und das ist durchaus kurios, ist 2008 nur von AEK Athen losgelöst worden, weil sich der damalige Frankfurter Neuzugang Ümit Korkmaz im ersten Trainingslager gleich den Mittelfuß gebrochen hatte. Die Eintracht war zum Handeln gezwungen, und Liberopoulos erwies sich als Glücksgriff. Wenn er nicht, in blanker Not, verpflichtet worden wäre, würde die Eintracht heute wahrscheinlich eine Klasse tiefer antreten müssen. Das ist natürlich sehr hypothetisch, doch Liberopoulos hatte ungemein großen Anteil am Klassenerhalt in der vergangene Spielzeit, er erzielte neun Tore, er war nach der Verletzung von Ioannis Amanatidis quasi unersetzlich.

Und nun? Wie geht es weiter mit dem Mann, den Trainer Michael Skibbe als "ganz schlauen Spieler" bezeichnet. Sein Vertrag läuft aus im Sommer, und seine Zukunft ist ungewiss. Die Eintracht will im März, April abschließend entscheiden, ob sie dem alten Hasen noch mal einen Einjahresvertrag anbietet. "Das hängt auch davon ab, was mit Ioannis Amanatidis wird", sagt Skibbe. Der Trainer ließ aber schon mal durchblicken, dass er ihn gerne halten würde. Und auch Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen ist nicht abgeneigt.

Doch ob Liberopoulos, der mittlerweile sehr manierlich deutsch spricht und in jeder freien Minute die Sprache büffelt, tatsächlich bleiben will, ist nicht klar. Seine Ehefrau erwartet im März das dritte Kind, die Frage wird sein, ob der Lebensmittelpunkt dann nicht besser in der Heimat liegen soll. "Das gilt es abzuwägen", sagt sein Berater Paul Koutsoliakos. Liberopoulos, dessen ist sich der Berater sicher, könne in Griechenland noch zwei, drei Jahre spielen. Sollte die Familie indes in Frankfurt bleiben, müsste sie ein größeres Haus suchen und eine Haushaltshilfe holen. Aber das wird wohl eher ein kleineres Problem sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare