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Thomas Schaaf hat die Eintracht verlassen.

Eintracht Frankfurt

Es gärt bei der Eintracht

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Auch drei Tage nach dem selbstgewählten Rücktritt des Trainers Thomas Schaaf kommt Eintracht Frankfurt nicht zur Ruhe. Die Demission des Fußball-Lehrers hat vielmehr scheinbar längst zugeschüttete Gräben frisch aufgerissen. Ein Kommentar.

Auch drei Tage nach dem selbstgewählten Rücktritt des Trainers Thomas Schaaf kommt Eintracht Frankfurt nicht zur Ruhe. Die Demission des Fußball-Lehrers hat vielmehr scheinbar längst zugeschüttete Gräben frisch aufgerissen. Von der zuletzt viel beschworenen Eintracht bei Eintracht Frankfurt ist einiges am Bröckeln. Vor allem überschütten sich die Beteiligten intern mit Vorwürfen, auch das Vertrauen untereinander ist angekratzt.

Es geht um Informationen, die ein Maulwurf aus internen Sitzungen brühwarm nach außen getragen haben soll, manch einer wittert gar eine groß angelegte Kampagne von Strippenziehern, die darin gipfelt, nicht nur den verdienten Trainer Thomas Schaaf vergrault zu haben, sondern auch direkt nach der Macht im Klub zu greifen. Das ist eine völlig übertriebene Darstellung.

Trainer Schaaf ist nicht über Aufsichtsräte oder Entscheidungsträger gestolpert, sondern über sich und sein gestörtes Verhältnis zur Mannschaft und daran, dem Team niemals ein Spielsystem mit auf den Weg gegeben zu haben. Das ist so. Und daran ändern auch alle nun getätigten Lippenbekenntnisse nichts. Viele sahen diese Defizite und diese Probleme. Und dass man dann kritisch hinterfragt, ist nicht nur das Recht, sondern die Pflicht aller Verantwortlichen.

Wie viel Moderne wagt der Klub?

Richtig ist allerdings, dass es Streit zwischen den Vorständen gab. Nicht nur wegen des Trainers. Es geht auch um die Richtung, die dieser Klub künftig einzuschlagen gedenkt. Wie viel Moderne wagt der Klub, wie sehr ist er geneigt, ins Risiko zu gehen, wie leicht löst er sich demnächst von der altbekannten „Zementierungstheorie“ des scheidenden Klubchefs Heribert Bruchhagen.

Dieser Richtungsstreit, der den Klub zu spalten droht, ist erst einmal zur Seite gelegt. Die beiden Parteien haben eine gemeinsame Plattform gefunden, auf der sich arbeiten lässt. Denn gerade jetzt, da Schaaf die Flucht angetreten hat, muss der Klub handlungsfähig sein. Er darf sich nicht zwischen den Mühlsteinen unterschiedlicher Interessen zerreiben lassen. Es stehen wichtige Entscheidungen an.

Gerade in der Trainerfrage darf der Eintracht kein Fehler unterlaufen. Der Coach ist der zentrale Pfeiler. Wenn sich Eintracht Frankfurt moderner und attraktiver aufstellen will, darf der Neue kein Kind der Bundesliga sein. Bruchhagen, dem es zuwider ist, sich von Außenstehenden treiben zu lassen, sollte über seinen Schatten springen, die „Augen-zu-und-durch-Mentalität“ („Kicker“) beiseite legen und sich öffnen. Eintracht Frankfurt braucht einen dynamischen, kommunikativen und kreativen Trainer.

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