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Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic reicht dem FFC-Macher Siegfried Dietrich die Hand zur Fusion.

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Eintracht und FFC Fusion: Eine Chance für beide

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Der professionelle Fußball in Frankfurt soll ab Sommer 2020 geschlechterübergreifend unter dem Dach der Eintracht verschmelzen. Der Kommentar.

Jedes Neugeborene der Stadt Frankfurt kommt zwangsläufig sehr früh mit dem Fußball in Berührung. Jungen werden mit einem Präsent begrüßt, dem ein Strampler von Eintracht Frankfurt beiliegt. Mädchen hingegen werden mit einem Stückchen Stoff vom 1. FFC Frankfurt bedacht. Ab dem nächsten Sommer ist eine solche Unterscheidung nicht mehr nötig. Der professionelle Fußball in der Mainmetropole soll ab Sommer 2020 geschlechterübergreifend unter dem Dach der Eintracht verschmelzen.

Eintracht Frankfurt: Fusion ist ein logischer Schritt

Das ist insofern logisch, weil ein großer Fußballverein erst dann seine Verantwortung in der gesellschaftlichen Ausrichtung umfänglich erfüllt, wenn er neben Männer- auch Frauenfußball sowie eine Nachwuchsförderung für Jungen und Mädchen anbietet. Eine Argumentationslinie, die der neue DFB-Präsident Fritz Keller nicht oft genug betonen kann. Noch verweigern sich Marken wie Borussia Dortmund oder der FC Schalke 04 beharrlich dem Gleichklang.

Im Willkommenspaket für Frankfurter Neugeborene steckt auch ein Strampler mit Eintracht-Logo.

Eintracht Frankfurt hat sich für einen Weg entschieden, der von einer zeitgemäßen Haltung zeugt. Anders als einst bei der Abmeldung der U23, die von Sportvorstand Fredi Bobic rückblickend bedauert wird. Der ehemalige Profi kam über seine Fußball spielende Tochter dazu, das elfte eingetragene Mitglied des 1998 gegründeten 1. FFC Frankfurt zu werden. Insofern schließt sich ein Kreis, dass Bobic dem FFC-Macher Siegfried Dietrich die Hand für die Fusion reicht.

Dietrich frohlockt

Der bisherige Manager und Investor steigt zum Generalbevollmächtigten für den Frauen- und Mädchenfußball in der Eintracht Frankfurt Fußball AG auf. An die Strahlkraft von Sportlerinnen glaubte der Sohn eines Theologieprofessors immer: Als Physiotherapeut behandelte er Tennisstars wie Gabriela Sabatini, kümmerte sich mit Katharina Witt um Eiskunstlaufgalas. Als der Frauenfußball in Deutschland zur Jahrtausendwende endlich wachgeküsst werden wollte, entwickelte Dietrich mit Geschick und Geschäftstüchtigkeit den FFC zur ersten Adresse, die mit Birgit Prinz die bekannteste deutsche Spielerin herausbrachte. 20 nationale und internationale Titel zieren den Briefkopf des reinen Frauenfußballvereins, der noch 2015 das Finale der Champions League gewann.

Doch schon bei den Feierlichkeiten am Römer spürte der Strippenzieher, dass die Konkurrenz zu mächtig wurde. Links und rechts zogen bald kraftvoll die unter dem Dach eines Männer-Lizenzvereins organisierten Klubs vorbei. Olympique Lyon und Paris St. Germain, FC Chelsea oder FC Barcelona sind international längst enteilt. VfL Wolfsburg und Bayern München wechseln sich seit sieben Jahren bei der Titelvergabe der Frauen-Bundesliga ab. Ohne neue Rahmenbedingungen würde der verwöhnte Frauenfußballstandort Frankfurt unweigerlich den Anschluss verlieren.An seinem 60. Geburtstag sagte Dietrich, er sprühe vor Ideen, Visionen und Motivation, um sein FFC-Baby wieder nach vorn zu bringen. Er muss es bereits 2020 verheiraten, die Eigenständigkeit auf- und den Namen abgeben, um wirklich voranzukommen.

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