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Kann ja nichts dafür, dass er nicht spielt, aber trotzdem nach ihm gefragt wird: Stefan Aigner, Edelreservist.

Schalke 04 - Eintracht Frankfurt

Furchtlos nach Schalke

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Eintracht-Trainer Armin Veh fährt optimistisch nach Schalke und ist nur von Fragen nach Stefan Aigner genervt.

Vor ein paar Tagen hatte Armin Veh die Begegnung in Hamburg als Spiel auf Augenhöhe bezeichnet. Und Schalke 04, der heutige Gegner im zweiten Auswärtsspiel binnen vier Tagen, auch ein Kaliber, mit dem sich die Eintracht locker messen könne? „Also, wenn das ein Spiel auf Augenhöhe sein soll, dann würden sie auf Schalke etwas falsch machen“, hob der Eintracht-Trainer an und führte gleich mal ein paar Kennzahlen zur Untermauerung seiner Worte an: „Die haben einen Etat von 95 Millionen Euro, den sie in die Mannschaft stecken können, bei uns sind es 38 Millionen. Daher ist Schalke der Favorit, das ist doch eh klar.“ Die Gelsenkirchener hätten „normalerweise das Ziel, ganz oben dabei zu sein. Sie sind in der Spitze zu erwarten.“

Veh will den Dreier

Und doch wird Eintracht Frankfurt heute Abend, ab 20 Uhr, nicht die weiße Fahne hissen und die Rolle des kleinen Underdogs zelebrieren. Veh stellt das Licht seiner Mannschaft auch nicht unter den Scheffel. „Es ist nicht so, dass wir sagen: Hoffentlich, hoffentlich holen wir ein Punkt. Nein, wir haben schon unsere Fähigkeiten und wir fahren dahin, um das Spiel zu gewinnen.“

Damit es mit dem ersten Dreier auf Schalke nach 16 Jahren (das 3:2 nach 0:2 im vorletzten Saisonspiel 1999 war der Wegbereiter für das Wunder gegen Kaiserslautern eine Woche später) klappt, müsste seine Mannschaft ihr Spiel durchbekommen. Die Hessen werden ihrer Philosophie auch im Revier treu bleiben. „Wir stellen uns nicht hinten rein und spielen auf Konter“, sagte Veh. „Wir sind offensiv ausgerichtet, das kann auch in die Hose gehen, wir können mal eine Klatsche kriegen. Aber wer ins Stadion kommt, soll wissen, wie Eintracht Frankfurt Fußball spielt und was Eintracht Frankfurt vor hat.“

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Der Start des Traditionsklubs vom Main lässt sich ganz gut an, vor allem wenn man bedenkt, dass die Eintracht in den ersten sechs Spielen viermal in der Fremde antreten musste. „Aber das bin ich nicht anders gewohnt“, bekundete Veh süßsauer. Vor zwei Jahren starteten die Frankfurter mit einem hammerharten Programm, mussten ebenfalls viermal auswärts antreten und hatten aber auch noch Heimspiele gegen Bayern und Dortmund.

Generell ist der Fußballlehrer jedoch der Meinung, dass die Unterschiede zwischen den Heim- und Auswärtsauftritten nicht mehr so gravierend sind. Zum einen seien viele Stadien extrem laut und stimmungsvoll, weshalb da einem Team kaum mehr die Knie schlottern, zum anderen seien die Schiedsrichter einfach besser geworden und würden die Heimmannschaft nicht mehr bevorzugen. „Wenn du früher auf dem Betzenberg in Kaiserslautern gespielt hast, wusstest du, dass bis zur 98. Minute immer was passieren kann“, veranschaulichte Veh, der glaubt, dass es früher mehr Heimsiege gab als heute. „Auch wenn ich das statistisch nicht belegen kann.“

Personell wird er seine Mannschaft nicht verändern, Linksverteidiger Bastian Oczipka kann trotz einer geprellten Rippe spielen. Auch ohne einen Karbonpanzer, wie ihn Nebenmann Carlos Zambrano verpasst bekam. Der Peruaner saß in Hamburg trotzdem draußen. Das wird ihm wohl auch auf Schalke widerfahren. Es gibt eigentlich keinen Grund, das Verteidiger-Pärchen David Abraham und Marco Russ auseinanderzureißen. Auch andere Spieler müssen sich gedulden, Stefan Aigner etwa. Veh reagierte auf eine Nachfrage zu dieser heiklen Personalie leicht genervt. „Ich habe keine Lust, hier jedes Mal über Stefan Aigner zu sprechen“, sagte er. „Das Thema hatten wir doch schon. Wir sind doch nicht Eintracht Aigner. Ich habe auch noch Verantwortung für alle anderen Spieler. Ich muss alle im Blick haben.“ Nach Vaclav Kadlec oder Constant Djakpa frage ja niemand, „aber die spielen auch nicht.“

Gerezgiher ist ins Hintertreffen geraten

Dafür ist der Trainer explizit nach Luca Waldschmidt und Joel Gerezgiher gefragt worden, die durch die Rückkehr von Alex Meier etwas weiter von der Mannschaft weggerutscht sind. Er müsse halt die Mannschaft aufstellen, die den größtmöglichen Erfolg verspreche, antwortete Veh, der von einem Luxusproblem nicht sprechen wollte. Auf Waldschmidt halte er nach wie vor große Stücke: „Er wird den Durchbruch bei uns schaffen, da bin ich mir ganz sicher.“ Und Gerezgiher sei halt durch eine Bauchmuskelzerrung ein wenig ins Hintertreffen geraten. „Der Zug fährt weiter und dann ist man erst mal hinten dran.“ Aber keinesfalls abgeschrieben.

Und natürlich hat Veh auch eine Meinung zum in Gladbach zurückgetretenen Kollegen Lucien Favre. Veh selbst hatte in Stuttgart vor einem Jahr nach zwölf Spielen das Handtuch geworfen, er weiß also, wovon er spricht. „Wir Trainer tragen eine große Verantwortung, auch gegenüber dem Verein. Deshalb steckt mehr dahinter, als einfach zu sagen: Der haut jetzt ab.“ Auch Favre habe sich seine Entscheidung sicher nicht leicht gemacht: „Er ist nicht oberflächlich damit umgegangen. Er hatte das Gefühl, dass er dem Verein mehr helfen kann, wenn er diesen Schritt geht.“

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