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Cezary Tobollik (rechts, hier mit Norbert Nachtweih), ist Filou und Spaßmacher - und der Ball gehorcht ihm noch immer.

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Der Fummler

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Cezary Tobollik ist Jugendtrainer aus Passion.

Das Fummeln hat Cezary Tobollik auf den staubigen Straßen im polnischen Mielec gelernt, von morgens bis abends waren sie draußen, die Jungs und kickten, die Schuhe bald zerfetzt. „Immer in Unterzahl“, erinnert sich Tobollik, „fünf gegen zwei, da lernt man es.“ Das Fummeln. Und Cezary Tobollik war ein brillanter Fummler, Linksfuß, ganz enge Ballführung, hakenschlagend, wie früher ein klassischer Linksaußen gespielt hat. Und so hat Cezary Tobollik im April 1985 auch die Bayern-Abwehr ausgedribbelt; Klaus Augenthaler, Norbert Eder, Hansi Pflügler, und wie sie alle hießen, an der Torauslinie, auf engstem Raum ließ der Pole die Starkicker ins Leere laufen, auch Torwart Jean-Marie Pfaff hatte keine Chance - es war das 2:0, erzielt vom Filou vom Flügel.

„Ja, so war das damals“, lachte Tobollik heute. Natürlich kann sich der mittlerweile 57-Jährige noch haarklein an diese Situation erinnern, ein ganz junges Team hatten die Hessen, Thomas Berthold, Armin Kraaz, Ralf Sievers, Uwe Müller spielten da, blutjung, und er, der filigrane, leichtfüßige Dribbler aus Mielec. Es war die Zeit, in der die Bayern keinen Blumentopf gewinnen konnten in Frankfurt, mehr als 20 Jahre lang konnten die Bajuwaren hier nicht gewinnen, egal, mit welcher Mannschaft sie ins Waldstadion kamen, ob mit Beckenbauer, Müller, Maier oder wem auch immer - erst ein Weitschuss-Tor von Klaus Augenthaler von der Mittellinie 1989 im Pokal beendete diese imposante Serie. Im April 1985 hatte die Eintracht nach Tobolliks Fummeltor noch 2:2 gespielt, Michael Rummenigge und Norbert Eder hatten in den letzten fünf Minuten nur zwei Tore erzielt. Auf der Bayern-Seite stand Norbert Nachtweih, der zwischen 1978 und 1982 in Frankfurt spielte.

Cezary Tobollik, ein Harlekin am Ball, war 1983 zur Eintracht gekommen, und hatte sich - wie Nachtweih aus der damaligen DDR - aus Polen abgesetzt. Seinerzeit durften Sportler, speziell Fußballer, jenseits des Eisernen Vorhanges erst am Ende ihrer Karriere, mit 29 Jahren, in den Westen wechseln. Tobollik setzte sich im Januar 1983 bei einem Spiel der Juniorennationalmannschaft in Österreich ab, Verwandte lebten in Aschaffenburg und er kam über Vermittlungen des damaligen FDP-Funktionärs und Verwaltungsrats Wolfgang Mischnik zur Eintracht, drei Monate später mit 22 Jahren spielte er schon in der Bundesliga - normalerweise mussten Fußballer, die den Eisernen Vorhang überwanden, mit einer einjährigen Spielsperre rechnen. 42 Partien bestritt er für die Eintracht, erzielte zwölf Tore, Branko Zebec und Dietrich Weise waren seine Trainer.

Nach zwei Jahren wollte er den Klub verlassen, wollte weiterziehen, wollte den nächsten Schritt auf der Karriereleiter machen. Was sich schwierig gestaltete, weil ihn die Eintracht nicht ziehen lassen wollte - also ging er in die zweite Liga zu Viktoria Aschaffenburg, und erst weitere zwei Jahre später nach Frankreich, zum RC Lens. Es war ein Karriererückschritt, keine Frage, „aber ich habe mir meine Freiheit und Unabhängigkeit bewahrt“, sagt der lebenslustige Zeitgenosse noch heute. „Der Schritt war richtig.“ 

Nach dem Karriereende 1999 hat der Stürmer die Trainerlaufbahn eingeschlagen, er ist in der Region geblieben, in Mainhausen ist er samt Familie sesshaft geworden, Tochter Vivian spielt ebenfalls Fußball. Seit 2001 gehört er zur Fußballschule von Charly Körbel, er ist mittlerweile einer der dienstältesten Coaches, daneben arbeite er in der Talentförderung. Der Eintracht ist der Mann immer treu geblieben, und gerade jetzt ist es für einen Angreifer wie ihn geradezu ein Genuss, die Spiele zu verfolgen. Heute, sagt der Spaßvogel, „kriegen die Bayern was auf die Mütze“. So wie damals zu seiner Zeit.

Sein Tipp: 2:1

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