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An mein Herz, Kloppo: Friedhelm Funkel (links) umarmt den damaligen Mainzer Trainer Jürgen Klopp.

Es war einmal

Fünf Stürmer, null Tore

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Februar 2007: Trübes Remis gegen Mainz 05 ? Trainer Funkel fühlt sich bestätigt.

Nach der trüben Nullnummer im Nachbarschaftsduell gegen Mainz 05 im Februar 2007 titelte die Frankfurter Rundschau: „Torlos auf dem Weg nach unten.“ In Frankfurt ging die Sorge um. 
Vorstandschef Heribert Bruchhagen sagte zerknirscht, es sei genau die Situation eingetreten, „die wir uns nicht gewünscht haben“. Die Eintracht parkte auf Platz 13 (22 Punkte), sie war wieder mittendrin im Abstiegsstrudel, der Vorsprung zu den Abstiegsrängen betrug nur drei Punkte. Und Trainer Friedhelm Funkel wies mal wieder alle „Träumer und Fantasten“ darauf hin, dass „wir erst im zweiten Jahr Bundesliga spielen, das müssen wir begreifen“. 

Seit fünf Spielen warteten die Hessen auf einen Sieg, die Erfolglosigkeit im eigenen Stadion drohte sich zu einem Heimkomplex auszuweiten, dabei sollte doch gerade gegen den Nachbarn „so richtig die Post abgehen“. Das hatte zumindest Funkel versprochen – und entsprechend aufgestellt. Interessanterweise setzte er, von Hause aus eher vorsichtig, auf Sturm und Drang in einem Maß, wie man das noch nie erlebt hatte bei ihm – und baute gleich fünf Offensivkräfte ein (Meier, Streit Heller, Takahara und Amanatidis). Mit dem Erfolg, dass sich die Angreifer gegenseitig auf die Füße traten. Dafür war das Mittelfeld weitgehend verwaist. 

Funkel sah sich bestätigt: „Trotz der vielen Angreifer hatten wir in der ersten Halbzeit kaum eine Chance.“ Er habe mehr Druck ausüben wollen, sagte der Coach zu seiner ungewöhnlichen Maßnahme. Vielleicht war diese offensive Taktik auch der aufkommenden Kritik geschuldet, wonach sein Sicherheitsdenken zu ausgeprägt sei. Der Vorwurf ist so alt wie Funkel selbst. 

„Man hat gesehen, dass nicht entscheidend ist, wie viele vorne spielen, sondern wie man sich bewegt“, sagte er triumphierend. Wahrscheinlich hätte er noch lieber ausgerufen: „Seht her, Ihr Ahnungslosen, mit fünf Stürmern geht noch weniger.“ 

Zur Pause korrigierte der Fußballlehrer sein System – Stürmer Ioannis Amanatidis musste Verteidiger Aleksandar Vasoski weichen – fortan war mehr Zug im Frankfurter Spiel. Vor allem der pfeilschnelle Marcel Heller, erstmals von Anfang an dabei, fand immer besser ins Spiel. Er war eine Bereicherung. „Ordentlich“ fand Funkel die Leistung des Neuen, den „ein Schuss Unbekümmertheit“ auszeichne. 

Insgesamt mangelte es am letzten Biss, an der Entschlossenheit, auch am Pep und der Spritzigkeit. Es fehlte der Mannschaft das Überraschungsmoment, gerade weil Spieler wie Albert Streit oder der auf der Bank schmollende Francisco Copado ihrer Form aus der Hinrunde hinterhinkten. 

Am Ende schaffte die Eintracht den Klassenerhalt, 40 Punkte, Rang 14. Für Mainz  ging es hinab in die zweite Liga. Zwei Jahre später waren die Rheinhessen wieder in der Beletage – wo sie sich bis heute wohl fühlen. 

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