Hofft auf Geld: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann
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Hofft auf Geld: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann

Träumen von Berlin

Das Fünf-Millionen-Euro-Spiel

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Mit einem Sieg im DFB-Halbfinale gegen Mönchengladbach am morgigen Dienstag könnte Eintracht Frankfurt eine wechselhafte Saison abrunden.

Das letzte Mal, dass Eintracht Frankfurt in einem Semifinale stand, liegt ziemlich genau zehn Jahre zurück. Damals gastierten die Hessen beim 1. FC Nürnberg, sie hatten nicht ihren besten Tag erwischt, auch Trainer Friedhelm Funkel nicht. Der Trainer-Dino bot den eisenharten Vorstopper Aleksandar Vasoski als rechten Verteidiger auf, was keine so prickelnde Idee war und zur Folge hatte, dass der Nürnberger Linksaußen Ivan Saenko mit dem armen „Vasi“ Schlitten fuhr und ihn schwindlig spielte. 0:4 ging die Eintracht damals im Frankenland unter, schaffte es nicht, anders als im Jahr zuvor, ins DFB-Pokal-Finale einzuziehen.

So weit sind die Hessen seitdem nie mehr gekommen, einmal noch, vor drei Jahren, schafften sie es ins Viertelfinale, schieden mit 0:1 gegen Borussia Dortmund aus. Nun, zehn Jahre nach dem letzten Halbfinale, nehmen die Frankfurter einen neuen Anlauf, sich in Berlin auf großer Bühne präsentieren zu können und das einzigartige, spezielle Fluidum erleben zu dürfen.

Leicht wird das nicht, die Hessen sind morgen Abend in Mönchengladbach (20.45 Uhr) eher in der Außenseiterrolle. Und doch werden die Hessen logischerweise alles in dieses Spiel legen, jede Möglichkeit suchen, um die Borussia aus dem Wettbewerb zu kegeln und sich für das Finale am 27. Mai gegen Bayern München oder Borussia Dortmund zu qualifizieren. Chancenlos sollten die Frankfurter trotzdem nicht sein, die Elf vom Niederrhein hat die letzten beiden Partien – allerdings gegen starke Gegner – verloren (2:3 am Samstag gegen Dortmund, 3:5 zuvor in Hoffenheim). Die Eintracht am Samstag endlich, endlich mal wieder einen Dreier landen können. Der sollte ihr zumindest etwas Rückenwind geben. „Gerade im Hinblick auf den Pokal war der Sieg wichtig“, sagte Verteidiger Bastian Oczipka. „Vom Kopf her können wir befreiter aufspielen.“ Torwart Lukas Hradecky hofft sogar allen Ernstes darauf, dass die Gladbacher „jetzt ein bisschen Angst vor uns haben.“

Wenn die Borussia am Ball ist, fallen reichlich Tore, in den zurückliegenden drei Begegnungen schoss sie acht Treffer und bekam zehn hinein in die eigene Kiste. Gegen die Eintracht endeten beide Bundesligaspiele allerdings torlos, vor dreieinhalb Wochen hatten die Gladbacher in Frankfurt sehr viel mehr Glück als Können auf ihrer Seite, um die Nullnummer nach Hause zu bringen.

Alle sind dabei

Die Eintracht demonstriert vor dem Highlight Einigkeit, am Spieltag werden alle verletzen oder nicht nominierten Profis per Bus nach Mönchengladbach chauffiert. Natürlich sind auch schon logistische Vorkehrungen für den Fall eines Finaleinzugs getroffen worden – das gehört sich für eine professionell geführten Verein auf diesem Niveau.

Die Eintracht und gerade deren Fans fiebern der Partie entgegen, die Anhänger treibt vor allen Dingen die Sehnsucht nach Berlin an: Vor elf Jahren im Endspiel gegen die Bayern (0:1) war das Stadion fest in Frankfurter Hand, die Fans zauberten eine Gänsehaut-Atmosphäre in die Betonschüssel Olympiastadion. Jetzt hoffen sie auf eine Wiederholung, auf große Emotionen in der Kapitale.

Für Marketing-Vorstand Axel Hellmann ist das Halbfinale auch eine gute Gelegenheit, den Verein zu zeigen, ihn auf einer größeren Plattform zu präsentieren. „Das Spiel werden viele Dutzend Millionen Menschen sehen, auch international“, sagt der 45-Jährige. Für die Stärkung der Marke Eintracht und die Reputation hat so ein Pokalfinale vielleicht keine unmittelbare Wirkung, für einen Schub kann es aber allemal sorgen.

Auch monetär erhofft sich die Eintracht einen satten Zugewinn. Bisher hat sie durch den Pokal schon rund 4,5 Millionen Euro eingenommen, sollte man sich für den Showdown in Berlin qualifizieren, „wäre das fünf Millionen Euro wert“, wie Hellmann sagte. Gerade weil derzeit unklar ist, auf welchem Rang die Frankfurter in der dicht gedrängten TV-Tabelle einlaufen, wäre ein solcher wirtschaftlicher Fixpunkt enorm wichtig. „Für die Weiterentwicklung des Sport-Etats wäre das ein weiterer Schritt“, bekundete der Vorstand. Das Budget soll in der neuen Runde bei 40 Millionen Euro liegen.

Und, nicht zu vergessen: Sollte den Hessen morgen Abend tatsächlich die Überraschung gelingen, könnte das auch für die restliche Bundesligasaison ungeahnte Folgen haben. Plötzlich könnte die bis Samstag noch so schwer angeschlagene und in den Seilen hängende Eintracht wieder in ein anderes Fahrwasser kommen. Im Fußballsport, der doch von dem Glauben und dem Selbstvertrauen lebt, kann das recht schnell gehen. Des großen Drucks hat sich das Team am Samstag entledigt.

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