1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt: Frischer Wind im Sturm

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ingo Durstewitz

Kommentare

Muss seriöser spielen: Jens Petter Hauge. Foto: dpa
Muss seriöser spielen: Jens Petter Hauge. © dpa

Eintracht Frankfurt baut auf Lindström, Hauge und Borré, aber nicht auf Lammers und will neue Spieler schneller entdecken und binden.

Es hat nicht viel gefehlt, ein paar Zentimeter nur, und Sam Lammers hätte sich tatsächlich ein schönes Erfolgserlebnis abholen können kurz vor den Mini-Ferien mit vier freien Tagen am Stück. Doch der satte Schuss des Eintracht-Stürmers im Testspiel gegen den 1.FC Nürnberg (1:1) klatschte nur an den Außenpfosten und landete dann im Fangnetz hinter dem Tor. Ein Treffer, und sei es nur in einem Kick in aller Freundschaft, hätte dem 24-Jährigen gut getan, wäre so ein bisschen Balsam auf die malträtierte Seele gewesen, denn hinter dem Niederländer liegt keine leichte Zeit. Seine neun Monate in Frankfurt bisher – zum Vergessen.

Auch gegen Nürnberg präsentierte sich der Angreifer so, wie er sich oft präsentiert, bemüht, aber glücklos, irgendwie lethargisch, einförmig, einmal fuhr ihn sogar der alte Haudegen Makoto Hasebe sehr vernehmlich an und forderte mehr Aufmerksamkeit. Sam Lammers, in einem Gesamtpaket von vier Millionen Euro ausgeliehen von Atalanta Bergamo, wird dieses Jahr in Frankfurt vielleicht als verlorenes verbuchen oder als lehrreiches, wer weiß das schon, auf jeden Fall haben beide Seiten etwas anderes erwartet von der Zusammenarbeit.

„Es hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, räumt Sportvorstand Markus Krösche ein. „Natürlich haben wir uns mehr Impact erhofft.“ Die Hoffnung, dass „Sam uns noch helfen kann“, hat Krösche noch nicht gänzlich fahren lassen. „Wir haben ja noch ein paar Spiele.“ Immerhin: Der Niederländer sei „sehr engagiert, er gibt immer Gas, Sam ist als Typ super“. In zwei Monaten wird Lammers, der nur zwei Törchen verbuchen konnte, nach Italien zurückkehren, dann ist das Missverständnis beendet.

Bei Jens Petter Hauge, einem anderen Leihspieler, sieht das anders aus. Der junge Bursche hat zwar die Erwartungen auch nicht erfüllen können, aber in ihm sehen die Verantwortlichen etwas, da haben sie die Fantasie, dass der norwegische Nationalspieler in seinem zweiten Jahr vielleicht doch durchstarten könnte. Es bleibt ihnen auch kaum etwas anderes übrig, denn am Saisonende greift eine Kaufvereinbarung mit dem AC Mailand, dann muss die Eintracht den 22 Jahre alten Profi für rund sieben Millionen Euro fest an sich binden. So einen lässt man natürlich nicht fallen, den stärkt man und päppelt ihn, wo es eben nur geht.

Hauge, der in der Rückrunde nicht einmal in der Startelf stand, ist zu unstet in seinen Leistungen, sein Spiel nicht strukturiert und klar genug. Mit seinen unkonventionellen Dribblings kann er sehr wohl neue Situationen schaffen, indes: Allzu oft versanden seine Aktionen im Nichts. „Er muss konstanter werden, an Ernsthaftigkeit und Fokussierung arbeiten“, mahnt Sporchef Krösche, er sagt aber auch: „Diese Schwankungen gestehen wir ihm zu.“ Denn: „Der Junge hat unfassbar viel Potenzial, aber er muss es in Verlässlichkeit auf dem Platz umwandeln. Dann werden wir noch viel Spaß an ihm haben.“

Hauge ist also fest eingeplant für die neue Saison, genauso wie Jesper Lindström, der ihm in der Entwicklung einige Schritte voraus ist. Der Däne hat sich schneller als gedacht zu einem Leistungsträger gemausert, seinen Marktwert binnen eines Jahres auf 14 Millionen Euro verdoppelt. Und schon ploppen die ersten Gerüchte auf, wonach der 22-Jährige, bis 2026 gebunden, die Eintracht vielleicht bereits nach einem Jahr wieder verlassen könnte – wenn die Ablöse stimmt. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass der Klub Transfererlöse erzielen muss, weshalb es auch unwahrscheinlich ist, dass alle der drei bis 2023 gebundenen Leistungsträger Filip Kostic, Evan Ndicka und Daichi Kamada über den Sommer hinaus in Frankfurt bleiben werden. Selbst ein Verkauf von Mittelfeldmotor Djibril Sow ist nicht gänzlich ausgeschlossen, wenn auch nicht geplant. Der Schweizer Internationale kann für eine festgeschriebene Ablösesumme von 35 Millionen Euro gehen.

Bei Lindström glaubt Krösche nicht an einen Abgang, es gebe diesbezüglich gar „keine Überlegungen“, auch wenn es in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, die nach wie vor angespannt ist, keine Denkverbote gibt. Der Manager würde dem Senkrechtstarter die dringende Empfehlung geben, „noch bei uns zu bleiben“. Der Tempobolzer habe sich zwar prima entwickelt, sei aber beileibe kein fertiger Spieler und müsse konstanter werden. Ein Fußballer müsse zudem erkennen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um den nächsten Schritt zu wagen. „Du musst den richtigen Moment finden.“

Borré brummt auf der Bank

Generell könne es immer passieren, dass man einen Akteur gegen eine üppige Entschädigungssumme abgibt, „wenn er sich schneller entwickelt hat als der Verein“, sagt Krösche, doch gelte der Grundsatz: „Wir verpflichten keine Spieler, um sie für andere Klubs auszubilden, sondern um unsere Ziele zu erreichen.“ Und die gezielte Suche nach Verstärkungen sei für die Zukunft der Eintracht elementar: „Wir müssen noch schneller und effizienter in der Rekrutierung der Spieler werden.“

Krösche will der Offensivabteilung frischen Wind zuführen, neben Flügelspieler Faride Alidou, 20, vom HSV, kommt auch der heiß begehrte Mittelstürmer Kolo Muani vom FC Nantes. Der 23-Jährige soll den Sturm anführen und den momentanen Alleinunterhalter Rafael Borré entlasten. Der ist zurzeit mal wieder in Südamerika unterwegs und wird erst am Donnerstag zurückerwartet, zwei Tage vor der Partie gegen Fürth. Beim 3:0-Sieg der Kolumbianer in der WM-Quali gegen Bolivien brummte der 26-Jährige 90 Minuten auf der Bank. Das Gefühl kennt er aus Frankfurt nicht.

Auch interessant

Kommentare