+
Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender, li.) und Axel Hellmann (Finanzvorstand) in Abu Dhabi.

Eintracht Frankfurt

Die Freunde der Eintracht sitzen im Boot

  • schließen

Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen rudert zurück: Eine Kapitalzufuhr durch einen Investor ist nötig, um die Leistungsträger zu halten.

Das Freundschaftsspiel, das gar nicht so freundschaftlich war, hat Spuren hinterlassen. Vor allen Dingen bei Heribert Bruchhagen. Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht hat den fast schon traditionellen Kick im Trainingslager zwischen den Eintracht-Allstars um Charly Körbel und Oka Nikolov gegen eine Frankfurter Presseauswahl nicht unbeschadet überstanden.

Nach wenigen Minuten musste der 66-Jährige das Feld räumen, nach einem langen Schritt schoss es ihm in die Hüfte, Bruchhagen krümmte sich vor Schmerz und humpelte vom Rasen. Diagnose: Muskelbündelriss in den Adduktoren. Das Fußballspielen will er jetzt sein lassen, auch wenn der Eintracht-Boss die Verletzung mannhaft wegsteckte. „Es gibt Schlimmeres.“

Am Dienstag, einen Tag später, trat er schließlich während des Vormittagstrainings vor die Presse, um einige Dinge gerade zu rücken, die er selbst etwas verschoben dargestellt hatte. Bruchhagen ruderte zurück. Seine Einlassungen vom Sonntag, als er seine Zweifel an einer Kapitalaufnahme äußerte und vor dem Einstieg von Investoren warnte, zog er am Montag zum größten Teil zurück. Die geplanten Vertragsverlängerungen mit Bastian Oczipka und gerade mit Kevin Trapp und Carlos Zambrano „implizieren einen Finanzbedarf. Und wir sind uns einig, dass wir ihn besorgen müssen, um das Eigenkapital zu stärken.“

Aufstockung des Eigenkapitals

Das Eigenkapital beläuft sich auf fünf Millionen Euro, es gibt einen Beschluss des Aufsichtsrats, diese Grenze nicht zu unterschreiten. „Und das haben wir auch nicht vor.“ Im Gegenteil.

Die Aufstockung des Eigenkapitals sei die einzige sinnvolle Möglichkeit, um mehr Geld in die Mannschaft stecken zu können. Und dass man dabei auch über alternative Finanzierungsmöglichkeiten nachdenken werde, sei schon vor acht Wochen im Vorstand beschlossen worden. Ein entsprechendes Mandat hat der Aufsichtsrat dem AG-Vorstand erteilt. „Wir wollen, dass sich die Mannschaft auf ein sportlich höheres Niveau entwickelt“, so Finanzvorstand Axel Hellmann.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

Geld nicht nur aus privater Börse

Nur über die Wege schien Uneinigkeit zu herrschen. Bruchhagen erklärte am Sonntag noch, dass man, wenn man Finanzmittel benötige, „zur Bank geht, sich Geld leiht und Schulden macht“. Genau darum gehe es aber nicht, führten jetzt Bruchhagen und Kollege Hellmann Seite an Seite aus. Ein Darlehen müsse man stetig bedienen und mit Zinsen zurückbezahlen. Das sei nicht Sinn der Sache. Es gehe, so Axel Hellmann, eher darum, einen Investor „am Risiko des Wachstums zu beteiligen“. Was so viel bedeutet: „Wenn man nicht wächst, ist es das Risiko der Geldgeber.“ Im umgekehrten Fall könne er am Erfolg partizipieren.

Erstmals wurde auch deutlich, dass es sich bei dem Kreis der potenziellen Investoren nicht ausschließlich um Privatleute handelt. „Wenn wir ein Modell durchziehen, dann mit Banken oder Finanzinstitutionen“, sagte Bruchhagen. Hellmann konkretisierte: „Unsere Ansprechpartner sind Institutionen, aber es gibt auch Personen dahinter.“ Es liege auf der Hand, dass „wir nicht auf den Fidschi-Inseln suchen, sondern in Frankfurt“, wie Bruchhagen kundtat. „In der Stadt genießen wir großes Vertrauen.“

Zehn Millionen Euro Kapitalaufnahme

Und da kommen die „Freunde der Eintracht“ ins Spiel, die den Klub damals, 2003, vor dem Konkurs retteten. In dieser Gesellschaft sitzen unter anderem das Bankhaus Metzler, die DZ Bank, die Hessische Landesbank und die BHF Bank. „Es ist unvorstellbar, dass wir die Freunde der Eintracht nicht als erstes kontaktieren“, bekräftigte Bruchhagen.

Das ist auch schon geschehen, die BHF-Bank soll beim noch zu verabschiedenden Modell auf alle Fälle mit im Boot sitzen. Zehn Millionen Euro soll die Kapitalaufnahme der Eintracht insgesamt bringen. Ohne dieses Geld ist es dem Verein nicht möglich, die Angebote für ihre Leistungsträger gegenzufinanzieren. Sollten Trapp und Zambrano nicht verlängern, könnte mit dem Zuschuss immerhin nach hochkarätigem Ersatz gesucht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare